Ingolstadt: Mehr Schuhe für das Village
Sonniger Bummel durch das Ingolstadt Village, hier im Sommer 2015. Das Fabrikverkaufszentrum darf seine Präsentationsflächen für Schuhe und Taschen um 230 Quadratmeter erweitern; dafür war die Zustimmung des Stadtentwicklungsausschusses nötig. ‹ŒArch - foto: Eberl
Ingolstadt
  •  Ein Moritz für das Rathaus: Der Ingolstädter Rathausplatz ist vom Marienplatz in München ein gutes Stück entfernt; nicht nur von der Frequenz her, sondern auch optisch. Aber die CSU will aufholen. Deshalb hat Stadtrat Thomas Deiser (er ist zugleich Vorsitzender des Innenstadthändlervereins IN-City) Vorschläge erarbeitet, um die Attraktivität des Rathausplatzes zu steigern. Eine Maßnahme zielt auf eine Art religiöse Rückbesinnung: In eine leere Nische hoch an der Fassade des Alten Rathauses (ein Stück unter der Justitia auf dem Dach, die in Ingolstadt gegen ihre Gepflogenheiten keine Augenbinde trägt) soll der heilige Mauritius (Moritz) einziehen - der Ingolstädter Stadtpatron, ursprünglich Ägypter. OB Christian Lösel berichtete, dass er das bereits mit den Dekanen besprochen habe. Die seien von der Idee mit der Heiligenfigur sehr angetan. Stadtrat Manfred Schuhmann (SPD) regte an, künstlerisch mal etwas zu wagen. Aber das findet Lösel nicht so gut: "Ich warne vor etwas Hypermodernem an einer historischen Fassade! Das muss gefällig wirken."

Deiser rät auch, auf dem Rathausplatz mehr Rundbänke mit Sonnenschutz aufzustellen. Ein Trinkwasserbrunnen sei ebenfalls eine Bereicherung, etwa für die Hochzeitsgesellschaften, die vor dem Rathaus Vermählte hochleben lassen. Da bekomme man schnell Durst, so Deiser. Schuhmann wollte dieser Argumentationsführung nicht folgen und merkte an: "Hochzeitsgesellschaften haben doch viel bessere Getränke dabei!"

 

  •  Mehr Platz für Schuhe und Taschen: Im Fabrikverkaufszentrum Ingolstadt Village geht man mit den Trends. Die führen derzeit deutlich in ein bestimmtes Segment: Schuhe und Taschen. Also erweitern einige Textilhändler jetzt ihre Sortimente. Aber die Gesamtverkaufsfläche im Village ist begrenzt: auf genau 14 120 Quadratmeter, davon 9500 für Bekleidung, 2270 für Schuhe und Lederaccessoires sowie 2400 für Ergänzungssortimente. Die Händler beantragen mehr Ausstellungsraum für Schuhe und Taschen - insgesamt 230 Quadratmeter. Das erfordert die Zustimmung des Stadtrats. Es sei alles kein Problem, erklärte Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle, weil im Ingolstadt Village derzeit nur 12 146 Quadratmeter Verkaufsfläche genutzt würden. Mit dem zusätzlichen Platz für die Präsentation von Schuhen wären es dann 12 376, also immer noch klar unter der Obergrenze.

Manfred Schuhmann hat mit seinen Genossen allerdings anders gerechnet und erkennt eine "starke Konkurrenz" für die Innenstadt. "Als Landtagsabgeordneter habe ich für das Village gekämpft. Aber wir sollten es jetzt bei dem belassen, was wir haben - zum Schutz der Innenstadt!" Preßlein-Lehle wiederholte: Alles bleibe im Rahmen der erlaubten Gesamtfläche. Christian Lange (BGI) errechnete, dass die 230 Quadratmeter 0,07 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Ingolstadt ausmachten. Auch Christoph Lauer (Grüne) sprach da von einer "marginalen Ausweitung". Schuhmann blieb jedoch bei seiner Ablehnung. Darauf Lösel: "230 Quadratmeter mehr - das merken Sie gar nicht da draußen!" Zur Krönung kündigte sogar Innenstadtchefvermarkter Thomas Deiser seine Zustimmung an. "Ich bin nicht der Fürsprecher des Village, aber so viel Wettbewerb muss die Innenstadt aushalten. Ich bin sogar froh über den Antrag, weil er zeigt, dass die Begrenzung ernst genommen wird."

Es stellte sich heraus: Die SPD hat sich leicht verrechnet. Die erweiterte Fläche wäre prozentual gar nicht so schlimm wie befürchtet. Schuhmann gab das Versehen zu und stimmte dann auch für mehr Schuhraum; er hat früher übrigens Geschichte unterrichtet, nicht Mathe.

 

  •  Vom Reiz der Gabionen: Die Kindertagesstätte an der Krumenauerstraße bekommt eine Lärmschutzwand, erfuhren die Mitglieder des Ausschusses von Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle. Aber bitte keine Gabionen-Wand, warf da Hans Achhammer (CSU) gleich ein. "Das muss schon vernünftig aussehen!" Der Reiz dieser mit Steinen gefüllten Gitterkörbe gilt als umstritten. Die Stadtbaurätin konnte den Ausschusssprecher beruhigen: "Da kommt eine begrünte Wand mit Holzelementen." Gerd Werding (UDI) wollte wissen, wieso dort schon gebaut werde, obwohl die Kita am 26. Oktober auf der Tagesordnung des Stadtrats stehe. Preßlein-Lehle erklärte: Weil es mit dem Bau pressiere - viele Eltern sind auf die Plätze dringend angewiesen -, habe man die Option der "vorgezogenen Baugenehmigung" gewählt; das sei hier möglich gewesen. "Die Kita-Bedarfsdeckung ist unser oberstes Ziel!", betonte Lösel.

 

  •  Neubaugebiet in Friedrichsá †hofen: Das Büro der Stadtbaurätin bekommt in jüngster Zeit viele Anrufe interessierter Bürger, die in Friedrichshofen bauen wollen; offenbar sei der Eindruck entstanden, dort gebe es jetzt ein ganz neues Baugebiet, erzählte sie in der Sitzung. Tatsächlich sei es aber so, dass im bestehenden Baugebiet Friedá †richshofen-West (das schon zur Hälfte besiedelt ist) nur eine "nachträgliche Ergänzung im Bebauungsplan vorgenommen wurde". Mehr nicht. Noch nicht. Die Stadt habe in Friedrichsá †hofen ein weiteres Baugebiet im Visier, "aber der Grunderwerb ist noch nicht abgeschlossen", so Preßlein-Lehle, daher müsse man noch Geduld haben.

 

  •  Parkplätze für Sportler: Die Grundschule an der Münchner Straße bekommt eine Dreifachturnhalle, dafür wird die 88 Jahre alte kleine Halle abgerissen. Auch Vereine dürfen die Sportstätte nutzen. Doch die Schule liegt in einem Wohngebiet. Da stellt sich (zumindest in Ingolstadt) eine entscheidende Frage: "Wie schaut's mit Parkplätzen aus" Das will sonst immer Johann Stachel (FW) wissen. Aber am Dienstag übernahm Robert Bechstädt (SPD) diesen Part. "Wie schaut's mit Parkplätzen aus, wenn viele Sportler wenig vorbildlich mit dem Auto kommen" Antwort (sinngemäß): Das werde man dann schon sehen. Stachel stellte dafür eine andere, nicht unwesentliche Frage: "Wie schaut's mit dem Denkmalschutz aus" Darf man die 1929 erbaute Halle abreißen? Überraschter Blick bei Baureferent Alexander Ring. "Ich glaube nicht, dass da ein Denkmalschutz drauf ist", antwortete er. Aber er lasse das zur Sicherheit noch mal prüfen.