Ingolstadt: Männerwirtschaft
Trauermiene: Michael Männer ist Geschäftsführer des Ingolstädter Bestattungsinstituts Wolfgang Männer. In Ingolstadt konkurrieren sechs Firmen um das Geschäft mit dem Tod. Männer glaubt, dass mancher Kunde dabei den Überblick verliert - Foto: Strisch
Ingolstadt
Mit den Themen Tod und Beerdigung befassen sich die meisten Menschen wohl nur, wenn es sein muss. Für andere ist es das tägliche Geschäft. Wer sich nach einem Todesfall an ein Bestattungsinstitut wendet, bekommt Beratung samt Angebote für den Sarg oder die Urne, Holzkreuz, Sterbebilder, Traueranzeige, die Überführung des Leichnams zum Friedhof und andere Dienste. Nicht gesagt ist allerdings, dass das beauftragte Institut dann auch die eigentliche Bestattung vornimmt.

Bei kommunalen Friedhöfen kann die Stadt die hoheitliche Aufgabe der Bestattung ausschreiben und an Firmen vergeben. Friedhöfe, auf denen die Stadt nicht selber gräbt – etwa der Ostfriedhof – sind einem Institut fest zugeschrieben. Nur diese Firma, in seltenen Fällen sind es auch zwei oder drei, darf dann auf dem Gottesacker Gräber öffnen und Verstorbene begraben. So kann es dazu kommen, dass ein Toter von einem Unternehmen zum Friedhof gebracht wird und dort von einem anderen bestattet wird.

Wirtschaftlich lukrativ sind allerdings nur die Beratung und der Verkauf. Die Arbeiten auf dem Friedhof sind deutlich aufwendiger aber schlechter bezahlt. Nicht selten sei der Einsatz auf dem Friedhof ein „Draufzahlgeschäft“ sagt etwa Michael Männer, Geschäftsführer des Ingolstädter Bestattungsinstituts „Wolfgang Männer“.

Nicht allen sind diese Zusammenhänge bewusst. So gibt es bei Beerdigungen immer wieder skeptische Blicke unter den Angehörigen, wenn am Grab plötzlich ein Vertreter einer anderen Firma steht als der, an die sie sich nach dem Todesfall gewandt haben. Anders ist es freilich, wenn die beauftragte Firmen für den fraglichen Friedhof zuständig ist. Dann ist alles in einer Hand. Wer allerdings welchen Friedhof „hat“, wie die Unternehmen sagen, darf nicht veröffentlicht werden.

Um die Verwirrung komplett zu machen, tragen zwei Bestattungsinstitute in Ingolstadt außerdem den selben Namen: Männer. Der ältere Betrieb „Wolfgang Männer“ wurde 1968 gegründet und wird mittlerweile in der dritten Generation geführt. Von Michael Männer, dem Sohn des Namengebers. Bis 1996 arbeitete hier auch Joachim Männer, der Adoptivsohn von Wolfgang Männer. 1996 machte er sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig. Seitdem gibt es in Ingolstadt das „Bestattungsinstitut Wolfgang Männer“ und die Firma „Bestattungen Joachim Männer“.

Eine ungute Situation findet Michael Männer. Er glaubt, dass viele Kunden, die eigentlich zu ihm wollten, aus Versehen bei der fast gleichnamigen Konkurrenz vorstellig werden. Der Name Männer sei in Ingolstadt eine Institution, ist er überzeugt. „Wenn wir die Oma eingegraben haben, wollen viele Leute auch, dass wir den Opa beerdigen“, sagt er. Beim Blick in das Telefonbuch passierten aber seit 1996 nachvollziehbare Verwechslungen.

Michael Männer geht davon aus, dass ihm durch diese „falschen Männer-Leichen“, wie er sie nennt „ein Schaden von bis zu 100 000 Euro im Jahr" entsteht. Als Indiz für die Tragweite des Problems nimmt er die Zahl der Beerdigungen, die er „für andere Unternehmen gemacht hat“. Auch auf den Friedhöfen, die er betreut, werden immer wieder Leichen von anderen Instituten angeliefert, die er dann bestattet. Grundsätzlich sei das in Ordnung, sagt Michael Männer. Immer wieder ist es schließlich auch andersherum der Fall. Allerdings sei der Anteil von Beerdigungen, die er für das Bestattungsinstitut Joachim Männer macht, deutlich höher als der für die anderen Bestattungsinstitute. „Das ist, wie wenn einer Hackner heißt und in Ingolstadt anfängt, Semmeln zu verkaufen“, sagt Michael Männer.

Joachim Männer wollte sich auf Anfrage des DONAUKURIER nicht zu dem Thema äußern. 2007 hat er seine Firma verkauft. Sie trägt noch immer seinen Namen. Auch der neue Geschäftsführer wollte nichts sagen.