Ingolstadt: Lerngruppen international
Die Somalierin Zamzam zeigt den Schülerinnen des Katharinen-Gymnasiums ihren Heimatort in dem afrikanischen Land. Gemeinsam versuchen die Mädchen, ihre Fluchtroute nachzuvollziehen. Beim Tag der Menschenrechte im Stadttheater am Sonntag präsentieren die Schülerinnen ihr Projektseminar. - Foto: Hammer
Ingolstadt

Schülerinnen und Schüler der Q 11 des Gymnasiums unterstützen im Rahmen eines Projektseminars vor allem die beiden Frauenklassen einmal wöchentlich beim Lernen.

Für den 16-jährigen Constantin Kuhn war besonders überraschend, wie weit die Frauen auf ihrer Flucht fahren und laufen mussten. "Die Somalierinnen erzählen uns, dass manche von ihnen 4000 Dollar an Schlepper gezahlt hätten und mehrere Monate unterwegs waren." Es sei sehr interessant, Geschichten zu hören, die man sonst nicht mitbekomme, erzählt er. "Es gefällt mir, persönlich mit den Menschen zu reden." Constantin findet, dass das größte Problem die Sprachbarriere sei. "Aber man findet immer einen Weg zu reden. Und mit Muttersprachlern zu sprechen ist der beste Weg zu lernen - deswegen sind sie ja hier."

Das Schwierigste für die Frauen sei die deutsche Sprache, vor allem die Aussprache, erzählt auch Marlene Gfesser, Schülerin des Seminars. "Man macht Flüchtlingen oft den Vorwurf, sie würden sich nicht integrieren, aber das können sie auch nicht, wenn sie die Sprache nicht verstehen." Eine Schwierigkeit für die Seminarteilnehmer sei aber, dass die Somalierinnen oftmals Termine nicht einhalten und nur kämen, wenn sie Lust hätten. "Es ist aber schön zu sehen, dass die Frauen Fortschritte machen und durch unsere Unterstützung besser lernen", berichtet die 16-Jährige.

Linde Lybkert, Lehrerin an der staatlichen Berufsschule I und zuständig für die Flüchtlingsklassen, findet, dass die Kooperation noch nicht so erfolgreich ist, wie sie es sich erhofft hatte. Es gebe einige Probleme mit der Terminfindung. "Außerdem gehen viele der somalischen Mädchen lieber nach Hause als zu den Lernpaten." Die betroffene zehnte Klasse sei gerade erst "alphabetisiert" und habe teils noch schlechte Sprachkenntnisse. "Es ist deshalb schwer, den Schülerinnen zu erklären, warum sie lieber ins Katharinen-Gymnasium gehen sollen als nach Hause", erzählt Lybkert. Dennoch sei sie zuversichtlich, denn die Schulen seien daran, Lösungen zu finden. "Unser Anliegen ist es, das Zusammenkommen junger Leute zu fördern."

Im Rahmen des Projekts leisten die Jugendlichen nicht nur Unterstützung beim Lernen. "Am Tag der Menschenrechte werden die Jugendlichen mit ihrem Projekt im Stadttheater vertreten sein", berichtet Bärbel Kößler-Finkenzeller, Lehrerin am Katharinen-Gymnasium und Leiterin des Seminars. "Sie werden die Fluchtrouten der Somalierinnen vorstellen und Steckbriefe der Frauen erarbeiten." Außerdem werde man einige Tage später zusammen Plätzchen backen, merkt Silvia Iriarte-von Huth an. Sie ist für psychologische Betreuung an der Berufsschule zuständig.