Ingolstadt: Legal, illegal, Diagonal
Diskussionsfreudiger Kreis: Im Diagonal kamen die Unterstützer eines „Cannabis Social Clubs“ am Freitagabend zusammen - Foto: Eberl
Ingolstadt

Die Stadt stellte das Bürgerhaus Alte Post nicht als Veranstaltungsraum für eine geplante Vereinsgründung zur Verfügung und teilte dies den Initiatoren im Lauf des Tages mit, wie Pressesprecher Gerd Treffer auf Anfrage bestätigte. Dieser Schritt sei notwendig geworden, weil die „Aufforderung zu Straftaten“ im Raum gestanden habe. Die Veranstalter wechselten daraufhin ins Diagonal. Eine Polizeisprecherin hatte zuvor dem DK gesagt, dass „dieses Treffen nicht verhindert werden“ soll. „Wir werden aber einschreiten, wenn Straftaten verübt werden.“

Wie am Freitag berichtet, sollen mit der Gründung die Ziele des bayerischen Cannabisverbands unterstützt werden. „Ein Cannabis Social Club ist ein nichtkommerzieller Verein“, erklärte Benedikt Schmidt von der Ingolstädter Piratenpartei, „welcher einen professionellen, gemeinschaftlichen Anbau einer limitierten Menge von Cannabis organisiert“.

In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die CSU- und die FW-Stadtratsfraktion diesen Versuch, „die generelle Legalisierung von Cannabis erzwingen zu wollen“. Der Konsum gelte nach wie vor als „Einstieg in den Konsum von härteren Drogen wie Heroin und dergleichen“. Beide Fraktionen lehnten deshalb die Gründung eines solchen Clubs ab, „weil wir für unsere Kinder und Jugendlichen die Gefahr sehen, dass eine Generation von Drogenabhängigen herangezogen wird“. Ausdrücklich nicht wenden sich CSU und FW gegen die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke.

Cannabis auf Rezept. Nach dem Willen der großen Koalition im Bundestag soll dies für schwer kranke Menschen vom nächsten Jahr an möglich sein. „Die medizinische Indikation für Schmerzpatienten ist unbestritten“, sagt auch der städtische Gesundheitsreferent und Tierarzt Rupert Ebner. Dass nun auf Bundesebene die politischen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden sollen, „halte ich für vernünftig“ – im Gegensatz zur Gründung eines „Cannabis Social Clubs“.

Wie am Mittwoch berichtet, will die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, erreichen, dass die Krankenkassen bei entsprechender Indikation künftig die Kosten für medizinisch eingesetztes Cannabis übernehmen. Eine Nachricht, auf die neben vielen anderen chronisch Kranken und Schmerzpatienten nicht zuletzt der Ingolstädter Luigi Spangenberg bauen wird. Der 30-Jährige, über den der DONAUKURIER mehrfach berichtet hat, leidet an Epilepsie und Reizdarm. Sein Tag ist geprägt von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und krampfartigen Schmerzen. Herkömmliche Medikamente wirken bei ihm nicht, bestätigte der Rüthener Arzt Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, dem DK bereits vor zwei Jahren. Das Einzige, was Spangenberg hilft, ist Cannabis.

Der Ingolstädter hat für den Konsum zu medizinischen Zwecken eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Doch den Prozess gegen seine Krankenkasse, was die Kostenübernahme anbelangt, hat er verloren.

Dass THC, der Hauptwirkstoff der Hanfpflanze, Schmerzen lindert, ist unbestritten, meint auch Ebner. Deshalb begrüßt er das politische Umdenken in diese Richtung. Die Gründung eines „Cannabis Social Clubs“ könne er als städtischer Gesundheitsreferent jedoch nicht unterstützen. Denn der Anbau von Hanf ist nach wie vor illegal. Der Stadtrat hatte einen entsprechenden Antrag der Linken abgelehnt.

Ein solcher Verein könne laut Ebner bestenfalls politisch agieren und die praktischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine kommende gesetzliche Regelung zügig umgesetzt werden könne.