Ingolstadt: Kurzschwert, Panzer und Plattnerhelm
Speere, Schilder und Standarten gehörten zum festen Bestandteil der Ausrüstung der römischen Armee, deren Organisation der heutigen Struktur ähnelt. Die Legio III Italica Concors hat sich an originalen spätrömischen Vorbildern orientiert. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Zum letzten Öffnungstag der Ausstellung „Grenzland des Imperiums – Zwischen Donau und Limes. Der Historische Verein Ingolstadt und die Limesforschung“ hatte sich das Stadtmuseum etwas Besonderes einfallen lassen und die Legio III Italica Concors eingeladen. Mit dieser 1989 gegründeten Gruppe, die aus der experimentellen Archäologie hervorgegangen ist, besteht eine enge Verbindung, hat sie doch im Kavalier Hepp ein gesamtes Feldlager eingelagert. Gestern präsentierte die Legio im Barocksaal erstmals eine spätrömische Ausrüstung um das Jahr 400, die sie in den vergangenen Jahren nach Originalvorlagen fast vollständig selber hergestellt hatte.

Neben der Kleidung waren es vor allem die Waffen, die vermutlich die zahlreichen Besucher im Stadtmuseum am meisten interessiert haben. Wie Fritz Steindle erläuterte, trug der römische Soldat am Ende des Imperiums keinen Dolch mehr, sondern ein langes Schwert, das er von den Germanen übernommen hat. Ziemlich widerwärtig und gefährlich waren die kleinen Wurfspieße mit Widerhaken, ebenfalls eine germanische Erfindung. Die römischen Legionen, die um 400 freilich fast schon zur Hälfte aus Germanen bestanden, befestigten sie an ihren Rundschilden, die mit Knochenleim verbunden waren. Deswegen wurden sie auch sorgfältig vor Regen geschützt. Eindrucksvoll war auch der Nachbau einer Balliste, einer Art Armbrust, die im Gegensatz zum größeren Scorpio von einem Mann bedient werden konnte und sehr treffsicher war.

Natürlich mussten sich die römischen Soldaten auch gegen Angriffe schützen. Dazu dienten neben dem Schild das bis ins Mittelalter gebräuchliche Kettenhemd sowie der Schuppenpanzer. 3500 Bronzeteile hat die Frau von Fritz Steindle dafür auf ein Leder aufgenäht, eine ziemlich zeitraubende und daher wohl einmalige Arbeit. Im Gegensatz zum Kettenhemd schützte der Panzer aber gegen Pfeile. Einzig die Helme mit Nasenschutz (nur die Ohren blieben frei: Der Schlachtenlärm wäre sonst unerträglich gewesen) ließ die Gruppe von einem sogenannten Plattner in Tschechien herstellen. Diese Handwerker sind Spezialisten für alte Helme. Besonders prächtige Ausführungen für Offiziere erreichten immerhin ein Gewicht von drei Kilogramm.