Ingolstadt: Krisengipfel im Halteverbot
BZA-Sitzung im Freien: Besonnen leitete BZA-Vorsitzender Martin Dick (rechts) die Diskussion in der Blücherstraße, bei der sich Anwohner über fehlende Parkplätze und den starken Lieferverkehr in ihrer Straße beschwerten. Den Fragen stellten sich unter anderem die Leiterin des Danuvius-Hauses, Andrea Wrobel (6. von links), und Winfried Teschauer, der Geschäftsführer der Ingenium-Stiftung (4. von links) - Foto: Hauser
Ingolstadt
Eineinhalb Stunden hatte Martin Dick, der Vorsitzende des Bezirksausschuss Münchener Straße (BZA), für die Diskussion in der Blücherstraße eingeplant. Rund 40 Personen sammelten sich im Halteverbot vor dem Danuvius-Haus, um ihrem Ärger Luft zu machen. Sie stören sich am täglichen Lieferverkehr zum Danuvius-Haus und der Firma Goldmilch. Lkw, die vor der Schranke des Milch-Werk warten, blockieren immer wieder die Fahrbahn, berichteten Anwohner. Zumindest in dieser Sache konnte Goldmilch-Geschäftsführer Karl Kunz schnell Abhilfe schaffen. Die Schranke an der Einfahrt solle so weit in das Werkgelände versetzt werden, dass davor wartende Laster nicht mehr auf die Straße ragen, kündigte er an. Mittelfristig sei daran gedacht, mehr Zufahrtsverkehr über die Münchener Straße abzuwickeln, versicherte er den Nachbarn.

Beim Gebäude der Ingenium- Stiftung, in dem auch die Danuvius GmbH ihr Pflegeheim betreibt, ist es schwieriger. Direkt vor dem Haus herrscht absolutes Halteverbot. Nur Tagespflegegäste dürfen hier ein- oder aussteigen. Die anschließende Strecke vom Eingang des Heims bis zur Fauststraße ist als Rettungsweg ausgeschildert. Hier darf niemand halten. Eigentlich. Denn täglich stoppen direkt vor dem Haus Transporter, in denen Dinge für das Pflegeheim angeliefert werden. Manche Nachbarn sehen das nicht ein. Wenn, dann solle das gleiche Recht für alle gelten und auch Anwohner die Fläche zum Halten nutzen dürfen, finden sie. Schließlich gebe es ohnehin zu wenig Parkplätze in der Blücherstraße. Verschärft werde die Situation, da immer wieder auch Besucher und Mitarbeiter des Danuvius-Hauses in der Straße parkten, obwohl es unter dem Gebäude eine eigene Tiefgarage gebe. Besonders störend fanden einige, dass auch Bestattungsinstitute mit ihrem Wagen immer wieder direkt vor dem Eingang halten. Für Kinder eine beängstigende Situation, argumentierte ein Nachbar. „Ich will nicht mitkriegen, wenn da jemand stirbt“, sagte eine andere.

Das wollte Heimleiterin Andrea Wrobel nicht gelten lassen. „Für uns ist es eine Frage der Würde, dass die Menschen unser Haus auf dem Weg verlassen, auf dem sie es betreten haben.“ Stattdessen plädierte sie für eine offene Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Tod. Dass Kollegen auf der Straße parkten und Plätze in der Garage frei blieben, sei nicht richtig, betonte Winfried Teschauer, Geschäftsführer der Ingenium-Stiftung. „Setzen Sie sich runter und machen einen Belegungsplan“, forderte er einen skeptischen Nachbarn auf. Besucher sollen künftig durch ein Schild auf die unterirdische Parkmöglichkeit hingewiesen werden.

Was die Lieferungen betrifft, versprachen Wrobel und Teschauer, nach möglichen Optimierungen zu suchen. Viel Hoffnung machten sie den Anwohnern jedoch nicht. Eine Anlieferung über die Tiefgarage sei nicht möglich, da die Zufahrt zu klein sei. Johannes Wegmann, Leiter des städtischen Verkehrsmanagements, versprach, Möglichkeiten für mehr Parkplätze zu suchen. Mehr als ein, zwei werden es wohl nicht werden. So fällt das Resümee in der Blücherstraße durchwachsen aus. „Es ist nicht so, dass wir mit der Situation jetzt leben können, aber wir müssen es wohl“, bilanzierte einer der Nachbarn.