Ingolstadt: In freier Natur "pfingstliche Weite Gottes" spüren
In der Piuskirche fand am Samstagabend eine feierliche Pfingstvigil bei stimmungsvoller Beleuchtung statt.
Ingolstadt
Zum Auftakt der Saison der Campinggottesdienste am Auwaldsee kamen gestern rund 250 Besucher zu der wie ein Zelt geformten Kapelle. Nach Einschätzung von Georg Glötzner, der die dortigen Andachten seit rund 20 Jahren organisiert, waren dies so viele Menschen wie noch nie zuvor.
 
Die Szenerie inmitten von Wohnwagen und unter Schatten spendenden Bäumen passt laut dem katholischen Pfarrer von St. Augustin, Erich Schredl, der den ökumenischen Eröffnungsgottesdienst zusammen mit seinem evangelischen Amtskollegen Axel Conrad von St. Markus feierte, ideal zum Pfingstfest. Denn der Heilige Geist lasse sich nicht so gern einsperren, „weder in muffige Häuser noch in muffige Gedanken“, so Schredl in der weit offenen Kapelle am See, die bereits über 40 Jahre alt ist und 2007 renoviert wurde.
 
Ab sofort können Camper, aber auch Einheimische dort bis 9. September wieder wöchentlich die Gottesdienste besuchen, die im Wechsel von katholischen und evangelischen Pfarrern zelebriert werden. Ein Novum ist dabei, dass die Andachten sonntags künftig nicht mehr um 11 Uhr, sondern erst um 18 Uhr beginnen.

Keine Änderung gibt es bei der ebenfalls schon traditionellen Maiandacht vor der Kapelle Maria in der Au in Niederfeld an der südöstlichen Ecke Ingolstadts. Auch bei ihrem Jubiläum – sie fand am Sonntagabend bereits zum 20. Mal statt – wurde sie wie bisher immer am letzten Sonntag im Mai abgehalten und dies soll auch künftig so bleiben.
 
Etwa 300 Gläubige fanden sich an der Weggabelung bei Niederfeld zwischen Äckern und Feldern ein, wo der Landwirt Ferdinand Ettl und der Bauingenieur Manfred Krikler die Kapelle zwischen 1990 und 1992 in Eigenregie errichteten.

Dabei hatten die beiden in dieser Flur aufgewachsenen Freunde ursprünglich nur geplant, ein Feldkreuz aufzustellen. Daraus geworden ist dann schließlich doch ein gemauertes Gebäude mit einem immerhin sechseinhalb Meter hohen Turm und einer aus Heilbronn geholten Glocke – irgendwo auch mit dem Hintergedanken, ein Zeichen gegen die bedrohlich an Niederfeld herannahenden Industriebauten zu setzen. Inzwischen ist das Kirchlein auch hübsch eingerahmt von Bäumen und Sträuchern. Doch nicht nur die direkte Umgebung der Feldkapelle hat sich in den vergangenen 20 Jahren verändert, auch die aus dem Grödner Tal stammende Muttergottesfigur in der Kapelle ist laut Ettl in die Jahre gekommen, weshalb sie der Künstler Michael Graßl im vergangenen Jahr restauriert hatte. Und auch wenn Ettl und Krikler immer wieder ihre Freizeit opfern müssen, um die Kapelle in Schuss zu halten, sei es, um Rasen zu mähen oder der Fassade einen neuen Anstrich zu verpassen: Sie haben es bisher nicht bereut, das Gotteshaus errichtet zu haben.

Denn zum einen gibt es dort seit 1993 jedes Jahr eine Maiandacht – stets verbunden mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein auf dem Hof von Ettl mit dem Hausnamen „Beim Konrad“ an der Rothenturmer Straße. Zum anderen haben der Landwirt und der Bauingenieur festgestellt, dass „auch die Jungen Lust haben, mitzumachen“, was sie natürlich freut.

Und schließlich ist auch Pfarrer Harald Schuwerack von St. Salvator in Unsernherrn, der seit einigen Jahren die Maiandacht hält, davon angetan. Der „sehr gemütvolle“ Termin an der Marienkapelle im Frühling, wenn die Natur wieder auflebt, und die „Mutter Gottes, die das Leben geboren hat“, passen für ihn einfach gut zusammen.