Immer mehr sind auch Männer gefragt
Ingolstadt (smr) Ein Haus voller Leben und ein abwechslungsreiches Programm mit Café im Dunkeln, Rollstuhlparcours Bilderbuchkino und musikalischen Darbietungen empfing die Besucher am Samstag beim Tag der offenen Tür der Berufsfachschulen Marienheim.

Rätselraten in der Märchenwelt: Der Bereich Kinderpflege hatte eine Landschaft aus Requisiten erbaut. - Fotos: Rössle
Im Herzen der Stadt
Ein freundliches Grüß Gott am Eingang, überall hilfsbereite junge Leute, die jede Frage freundlich beantworteten und denen anzusehen war, wie gerne sie an diesem Ort lernen. Dabei gilt die Ausbildungsstätte im Herzen der Altstadt gemeinhin auch als Auffangbecken für all jene, die keine großen schulischen Karrieren hinter sich haben. Dass man trotzdem seinen Platz im Berufsleben finden kann, das zeigte sich im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern.
Da ist zum Beispiel Christian Raba, der den Besuchern am Samstag als Ansprechpartner für den Bereich Sozialpflege zur Verfügung stand, während seine Mitschülerinnen Hand- oder Nackenmassagen sowie Blutdruckmessen anboten. Der 20-Jährige besucht die 11. Klasse und hat auf Umwegen seinen Traumberuf gefunden. "Ich war vorher Metzger, aber nur einen Tag vor Abschluss des ersten Lehrjahrs ging der Betrieb in Insolvenz und alles war umsonst. Das war im August – da stellt dich keiner mehr ein. Ich hab’ dann ein Praktikum bei der Lebenshilfe gemacht und gemerkt, dass es Spaß macht, anderen zu helfen. Also hab’ ich mich an der Berufsfachschule beworben. Im Nachhinein betrachtet war das perfekt."
Neben Raba besuchen noch drei weitere Männer die 11. Klasse im Bereich Sozialpflege. "Es ist gut, dass wir mehr werden. Für ältere Senioren ist es doch viel angenehmer, wenn sie von einem Mann gewaschen werden", sagt der 20-Jährige. "Außerdem reden die gern auch mal von Mann zu Mann – zum Beispiel über den Schützenverein."
Wie seinen Mitschülern bieten sich Christin Raba auch viele berufliche Perspektiven: "Wenn man hier einen bestimmten Notenschnitt schafft, dann gilt die Ausbildung automatisch als Mittlere Reife, und man kann auf die Fachakademie." Genau das hat Lisa Wellmann vor, die heuer ihren Abschluss in Hauswirtschaft macht. Die junge Frau hat für den Tag der offenen Tür den Tisch für ein perfektes Dinner gedeckt – passend zum bevorstehenden Valentinstag mit roten Rosen und Herzen aus Draht, die andere Schülerinnen angefertigt haben.
Fachakademie lockt
Die 19-Jährige möchte nach der Ausbildung für ein Jahr ins Ausland, als Hauswirtschafterin für eine Familie, und dann auf die Fachakademie: "Ich will Handarbeitslehrerin an der Grundschule werden." Die Zukunftsaussichten sind gut – angesichts Lehrermangel und Ausbau der Ganztagsschulen. Lisa Wellmann sagt im Brustton der Überzeugung: "Es ist schön hier an der Schule. Ich wollte immer hierher, denn hier hat schon meine Mutter gelernt."
Vom Eifer der jungen Leute schwärmt denn auch Lehrerin Christine Czernitzki: "Die Klassen sind super engagiert und viele qualifizieren sich für weitere Fachberufe: Das Spektrum ist ja weit gefächert." Die Ausbilderin möchte mit dem Vorurteil aufräumen, jeder könne pflegen: "Da sind viel Enthusiasmus, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit nötig." Vor allem im zweiten Ausbildungsjahr würden die jungen Leute sehr an Persönlichkeit gewinnen, erzählt die Lehrerin: "Sie werden ganz schnell mit der Kehrseite des Lebens konfrontiert, mit Krankheit, Trauer und Tod. Themen, die noch immer tabuisiert werden in unserer Gesellschaft."
Dass im Marienheim so mancher junge Mensch – entmutigt aus der Schule entlassen – aufblüht, davon kann auch Schulleiterin Gunda Haas berichten. "Wir versuchen, auch schwachen Schülern eine Perspektive zu geben, und die entwickeln sich dann. Die ganz Guten schaffen sogar die Berufsoberschule." Dabei leiste auch der Sozialdienst katholischer Frauen Unterstützung, der zwei Mal in der Woche vor Ort Beratung anbietet.
Weniger Hauptschüler
Doch eines bereitet der Schulleiterin echte Sorgen: "Die Zahl der Hauptschüler geht immer mehr zurück – in Ingolstadt sind es ein Viertel weniger als früher. Deshalb wollen wir mit diesem Tag der offenen Tür auch Werbung für die gute Qualität der Ausbildung im Marienheim machen." Das neue Faltblatt der Einrichtung liefert dazu zahlreiche Informationen, die auch im Internet unter www.bfs-marienheim.de zu finden sind.
Von Suzanne SchattenhoferKommentare
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