Bis zur Mittagszeit hat die Nachricht in Ingolstadt noch nicht alle erreicht. "Ich habe noch nichts davon mitbekommen", sagt ein etwa 40 Jahre alter Mann in der Innenstadt. Vielen scheint das Thema auch nicht so sonderlich wichtig zu sein. "Ich interessiere mich nicht für Politik" oder "Dazu kann ich jetzt nichts sagen" bekommt man häufiger zu hören. Nach wochenlangen Sondierungen in Berlin hat sich das Interesse an den Ereignissen gelegt. Im Alltagsstress hat man andere Dinge im Kopf, als ob und wann nach den geplatzten Jamaika-Verhandlungen sich CDU/CSU und SPD wieder zu einer großen Koalition zusammenraufen.

Ganz spurlos gingen die Ereignisse der vergangenen Wochen in der deutschen Hauptstadt am Ingolstädter aber auch wieder nicht vorbei, wie die Umfrage in der Fußgängerzone zeigt. Die definitive Absage von SPD-Chef Martin Schulz an eine Große Koalition direkt nach der Bundestagswahl wird ihm nun, da er sich jetzt doch für das Bündnis einsetzte, vorgehalten. "Für mich ist Herr Schulz jetzt schon der Verlierer des Jahres", sagt Gerhard Breitsameter aus Langenmosen. Dass Schulz sich so verbog, habe ihn dann doch überrascht. Auf die Zukunft der zukünftigen Koalition angesprochen sagt der 47-Jährige: "Ich erhoffe mir jetzt nichts." Doch in einem Thema sieht er die Bundesregierung besonders in der Pflicht: die Migration. "Diese Thematik beschäftigt jeden Stammtisch", sagt er. "Ich habe nicht die AfD gewählt, aber da muss man mehr tun. Derzeit rührt sich da nichts."

Auch bei Sebastian Hauk aus Ingolstadt kam das Wendemanöver von Martin Schulz nicht gut an. "Das Gespräch mit Steinmeier scheint wohl maßgeblich dazu beigetragen zu haben", sagt der 27-Jährige. Über die Kernthemen, der sich die GroKo widmen will, habe er schon im Radio gehört. "Breitbandausbau in allen Dörfern in den nächsten Jahren und Erhöhung des Kindergelds. Das klingt schon mal gut", sagt er. Aber da müsse man abwarten. Allzu oft werde viel versprochen und am Ende wenig gehalten.