Mittwoch, 17.03.2010 |

 

08.02.2010 20:35 Uhr | 340x gelesen
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Hin und Her zwischen Bäumen


Bild: Hin und Her zwischen Bäumen . Ingolstadt Ingolstadt (DK) Seit fast einem Jahr versuchen Mütter, im Süden von Ingolstadt einen Waldkindergarten zu gründen. Sie haben nur wenige Gegner und viele Befürworter – trotzdem kommt das Projekt nicht zum Abschluss. Die Zeit wird knapp.

Ingolstadt (DK) Seit fast einem Jahr versuchen Mütter, im Süden von Ingolstadt einen Waldkindergarten zu gründen. Sie haben nur wenige Gegner und viele Befürworter – trotzdem kommt das Projekt nicht zum Abschluss. Die Zeit wird knapp.



Bild: Spielen und Lernen im Wald: Die Organisatorinnen des Projektes Waldkindergarten Bettina Brummet (rechts) und Marion Scheithauer (links) sind auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück. - Foto: Herbert
Eigentlich sind alle dafür, das macht die Sache so schwierig. Wenn man wenigstens jemandem die Verantwortung zuschieben könnte, dass der Waldkindergarten immer noch keinen Platz hat. Aber die Mütter betonen: "Die Stadtverwaltung ist für den Waldkindergarten, wir sind auf keinen Widerstand gestoßen." Ein Problem hört sich eigentlich anders an – aber noch gibt es für den Kindergarten keine Lösung.

Bettina Brummet und Marion Scheithauer sind die Organisatorinnen des Projekts. Sie haben zweijährige Kinder. 2009 gründeten die beiden mit ein paar Mitstreiterinnen den Verein "Waldkindergarten Ingolstadt". Ein Waldkindergarten ist eigentlich eine einfache Sache, denn man braucht nichts außer einem Wald und eine Schutzhütte, wo sich die Kinder bei Regen unterstellen und bei Kälte aufwärmen können. Den Unterschlupf hat der Verein schon: einen Baucontainer aus Aluminium, 13 Quadratmeter groß. Nur: Wohin damit? Das ist das Problem.

Zunächst war der Wald bei Zuchering im Gespräch. Das Gelände, das die Arbeiterwohlfahrt gepachtet hat, wäre gut gewesen. "Aber die haben eine andere Nutzungsplanung, das muss man akzeptieren", sagt Brummet. Am zweiten Standort in der Nähe waren die Anwohner dagegen. "Bei Bauanträgen müssen die gefragt werden", erklärt Brummet. Der Antrag muss sein, wegen des Containers.

Die dritte Idee war der Fuchsbogen, ein Stück Wald zwischen Winden und Lichtenau. Für die Baugenehmigung braucht es aber unter anderem einen geschotterten Fluchtweg und eine Wendemöglichkeit für die Feuerwehr. Die gibt es im Fuchsbogen nicht.

Die Frauen organisierten im August eine Waldbegehung in Winden. Mit dabei: das Liegenschaftsamt, das Bauordnungsamt, das Forstamt, das Jugendamt und die Feuerwehr. Es sah zunächst gut aus für den Kindergarten. Aber einige Windener Bauern waren vom Waldkindergarten wenig begeistert. "Wir sind nicht grundsätzlich dagegen gewesen", sagt Werner Froschmeier von der Jagdgenossenschaft Winden. "Aber hierher müssen alle Eltern mit dem Auto rausfahren, und wir kriegen mit unseren Hängern und Schleppern ein Problem." Auch Michael Stolz, der die Jagdpacht für das Gebiet hat, war misstrauisch. Froschmeier erzählt: "Er hat gemeint, das Kindergarten-Gebiet wäre für ihn nicht mehr bejagbar. Da müssen wir befürchten, dass er die Pacht kürzen will."

Der Bezirksausschuss Süd sprach sich daraufhin zwar für einen Waldkindergarten aus, aber gegen den Standort in Winden – eine schwere Enttäuschung für Bettina Brummet und Marion Scheithauer. "Von August bis November sind wir davon ausgegangen, dass es in Winden klappt", sagt Scheithauer. Das Argument, dass die Kinder das Wild verscheuchen, kann sie nicht nachvollziehen. "Da ist immer von lärmenden Kindern die Rede", sagt sie kopfschüttelnd.

Die Gegner haben noch mehr Argumente, vor allem die fehlenden Wege im Wald. Der Bezirksausschussvorsitzende Andreas Held sagt: "Ich war immer gegen den Standort Winden. Das ist wirklich der äußerste Zipfel Ingolstadts und die Versorgung wäre schwierig." Stadtrat Franz Liepold (CSU) ist der gleichen Meinung: "Für mich war der Zucheringer Wald immer besser."

Das zählt für die Frauen nicht. "Winden ist nicht zu schlecht erschlossen. Es gibt Waldkindergärten, die haben ihre Schutzhütte mitten im Wald, da gibt’s gar nichts! Aber die Stadt Ingolstadt ist halt anders als die anderen", klagt Bettina Brummet. Ihr läuft die Zeit davon. Im September soll der Kindergartenbetrieb losgehen, Vorstellungsgespräche für die Betreuer laufen schon. "Anfang März ist Anmeldewoche, und was mache ich dann", fragt sich Brummet. "Die Eltern wollen doch sehen, wo sich die Kinder aufwärmen können."

Vorige Woche haben die Beteiligten den vierten Standort besichtigt – wieder im Zucheringer Wald, in der Nähe des Sportplatzes. Die Geduld aller Beteiligten geht langsam zu Ende. Bettina Brummet ist nicht glücklich über die aktuelle Entwicklung. "Wir werden nach Zuchering gedrängt. Dabei ist das Waldstück, das jetzt zur Debatte steht, ziemlich ungeeignet – es ist sehr belebt und Hunde müssen dort nicht angeleint sein." Sie überlegt, ob sie nicht doch für den Standort Winden kämpfen soll. Aber sie glaubt nicht daran, den Bezirksausschuss umstimmen zu können. "Die wollen halt auch keine Wähler vergraulen." Und wenn bis März nichts geklärt ist? Marion Scheithauer sagt: "Dann haben wir ein Problem."

Von Susanne Zott


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Kommentare

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FrageAntwort von   einfeindesein  (43) | 09.02.2010 19:41 Diesen Kommentar melden
Warum eigentlich

... muß in Deutschland eigentlich immer alles organisiert sein? Kann man nicht als Mutter einfach mit seinen Kindern/seinem Kind einfach mal in den Wald fahren? Muß es mit Schutzhütte, Anfahrtsweg, Feuerwehrzufahrt, Genehmigung, Papierkrieg verbunden sein?

Und wenn man den Waldkindergarten dann errichtet hat: Ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen, speziell auch für die Schutzhütte? Ist der Wald dann eingezäunt, damit Nicht-Kindergartenkinder draußen bleiben müssen? Kostet so etwas Kindergartenbeiträge? Auch für ärmere Kinder?

Wird es auch eine Waldschule geben? Und einen Walduniversität? Eventuell ein Waldaltenheim?
Immerhin gibt es schon -> Waldfriedhöfe (eingezäunt und genehmigt, aber ohne Schutzhütte, dort muß man draußen "schlafen").


FrageAntwort von   haegar2  (39) | 10.02.2010 09:20 Diesen Kommentar melden
Re: Warum eigentlich

Es gibt bereits mehrere Baumschulen im Landkreis , da könnten sie ihre Kinder auch hinbringen.
Hauptsache die Schrazen sind verräumt und ab gehts zum Käffchen zur Busenfreundin....


FrageAntwort von   schweinehueter1  (99) | 10.02.2010 13:17 Diesen Kommentar melden
Re: Warum eigentlich

Das läuft dann so:
Mutter 1 zu Mutter 2: " Mein Kevin ist heute im Waldkindergarten!"
Mutter 2 zu Mutter 1: " Mein Justin ist heute im Wüstenkindergarten"
Mutter 1 und Mutter 2 zu Mutter 3: "Wo ist Dein Franzl heute?"
Mutter 3 ganz verschämt: " Mein Franzl ist heute in der Baumschule! Der lernt wirklich was!"


FrageAntwort von   bamsi | 10.02.2010 01:02 Diesen Kommentar melden
Re: Warum eigentlich

Waldkindergärten sind eben eine Lebensphilosophie. Und nicht mit mütterlichen Spaziergängen im Wald zu vergleichen.
Wobei ich jetzt die ganze Suche auch nicht verstehe. Wenn man ewig lange zum Kindergarten hinfahren muss, dann kann man kaum seinen Arbeitsplatz pünktlich erreichen und ewig viel Benzin kostet es auch.
Soll der Kindergarten berufstätigen Müttern einen Kindergartenplatz sichern? Oder eher eine Betreuung unter freien Himmel? Also für Kinder deren Eltern nicht berufstätig sind? Für zweiteres wäre ja das Peyerl günstig, da gibt es alles und eine Schutzhütte bräuchte man auch nicht, also wenn es nur darum geht Kindern Natur beizubringen. Wie gesagt so ganz verstehe ich das nicht. Ingolstadt hat nun einmal nicht viel Wald in unberührter Natur


FrageAntwort von   schweinehueter1  (99) | 10.02.2010 09:11 Diesen Kommentar melden
Wüstenkindergarten

Meine Kinder wünschen sich einen Wüstenkindergarten. Ich unterstütze das sehr: Sonenaufgänge in der Wüste; die Einsamkeit, die Macht der Wüste in der flirrenden Sonne und die herrlich kalten Nächte. Schlafen im Beduinenzelt; das Vorbeiziehen der Karawanen. Kara Ben Nemsi Mentalität.
Ich frage heute noch bei Weinzierl nach, ob ich eine aufgegebene Kiesgrube haben kann.


FrageAntwort von   schweinehueter1  (99) | 09.02.2010 22:32 Diesen Kommentar melden
Re: Warum eigentlich

Sie sprechen mir aus der Seele, werter einfeindesein!!!
Aber mit 3 Ausrufezeichen!!!


FrageAntwort von   pulvermarie | 09.02.2010 08:37 Diesen Kommentar melden
die armen kinder!

die armen kinder!


 

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