Herr Bischof, das Opfer
Ingolstadt (reh) Die Geschichte ist so verrückt, sie würde aus jedem Filmskript gestrichen werden. Doch mit seiner Masche hat ein 29-Jähriger aus Eichstätt tatsächlich einige gutgläubige Bekannte um Hunderte Euro betrogen. Sein Schauspiel wird seit gestern am Ingolstädter Landgericht genau rekapituliert.
Dabei ist für einige Lacher gesorgt, da die Taten des „Charly McLaren“ von der Polizei in Honolulu auf Hawaii kaum zu glauben sind. Unter diesem Namen und mit einer traurigen Geschichte von einer gerade verstorbenen Ehefrau und einem Baby in Not wickelte der Hochstapler seine Opfer in Ingolstadt und dem Oberland ein.
Das alles passierte vor ziemlich genau einem Jahr, als der 29-Jährige aus dem Bezirkskrankenhaus in Erlangen entlassen wurde. Er leidet an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, sagt der Staatsanwalt Ingo Desing. Er will den Angeklagten wieder in die Psychiatrie einweisen – von wo der 29-Jährige im Herbst 2010 aus aber ebenfalls Gaunereien schon trieb.
Aus der Klinik rief er zwei Ordensschwestern im Kloster Fünfstetten und auch den dort weilenden Bischof Walter Mixa an. Denen drückte er – noch nicht „Charly McLaren“ – die erfundene Geschichte rein, er sei krebskrank. Die Nonnen machten rund 1000 Euro locker, Mixa überwies sogar 4500 Euro. „Ich war früher bei ihm Domministrant in Eichstätt“, erklärte der angebliche Krebspatient bei bester Gesundheit gestern dem Landgericht. Wie er sich einwickeln ließ, das wird der emeritierte Bischof Mixa am nächsten Verhandlungstag, 23. Februar, selbst als Zeuge aussagen. Seinen Ministranten wird er wohl nicht mehr erkennen.
Die religiöse Vergangenheit mag man dem 29-Jährigen bei dem Lebenslauf gar nicht mehr glauben. Dass er mit seiner hawaiianischen Räuberpistole als „Charly McLaren“ durchkam schon eher. Er sitzt im Sitzungssaal vor Landgerichtsvizepräsident Paul Weingartner und spricht eloquent. Die Haare sind schulterlang, rund um den Mund ein buschiger Bart. Ein Lächeln umspielt immer wieder seine Lippen. Die Taten, wie sie ihm in der Anklage vorgeworfen werden, gibt er fast alle zu, nur ein paar Details stimmten nicht.
Als angeblich schicksalgestreifter Cop aus Hawaii ging er mit der Geschichte hausieren, er sei durch ein Austauschprogramm in Bayern, wo seine Frau bei der Geburt des gemeinsamen Kindes gestorben sei. In Ingolstadt kam er so an Geld von einem Audi-Manager und einem Freund aus einer Bar in der Donaustraße, das die mitfühlenden Herren freilich nie mehr sahen. Bei einer Cafébesitzerin aus dem Oberland konnte der Top-Cop ebenfalls landen. Er wohnte einige Wochen bei ihr und soll aus dem Betrieb rund 7500 Euro abgezweigt haben – was er aber abstreitet. Er will auch nie irgendwo eine Dienstmarke herumgezeigt haben. Nur warum die ganze Scharade? „Mehr Schein als sein“, sagt „McLaren“. Er wirkt nun doch sehr kleinlaut.
Christian Rehberger
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