Ingolstadt: Canal Grande in der Blücherstraße
Unfreiwilliges Wassertreten: Keller und Garagen liefen beim Unwetter in der Nacht zum 25. August 2011 im Ingolstädter Süden voll. Das Kanalsystem habe allerdings funktioniert, betonen die Kommunalbetriebe
Reiß
Ingolstadt
Katja Schroth nimmt es mit Galgenhumor. „Wir wollten sowieso feucht wischen“ nennt sie das Foto, das sie in der Nacht in ihrem Keller gemacht hat. 85 Zentimeter hoch stand hier binnen 20 Minuten das Wasser. Auch die Tiefgarage des Mehrfamilienhauses in der Wittelsbacherstraße war überflutet. „Drei Autos mit Totalschaden, drei Waschmaschinen und zwei Trockner hin“, bilanziert Schroth. Kosten entstanden außerdem für die Reinigung der Heizungsanlage, neue Türen und Malerarbeiten. Dazu kommt jetzt der Ärger mit den Behörden.

Wie rund 60 andere Schanzer haben sich die Bewohner des Hauses an die Kommunalbetriebe gewandt. Die sind für das Kanalnetz zuständig, das nach Meinung vieler Ingolstädter am 24. August mit den mehr als 50 Litern Regenwasser, die pro Quadratmeter niedergegangen sind, überfordert war. Gerda von Reitzenstein, die im selben Haus wohnt wie Schroth, hat beobachtet, wie drei Deckel des randvollen Schmutzwasserkanals hochgedrückt wurden. „Das Wasser stand vor unserem Haus 30 Zentimeter hoch auf der Straße“, berichtet Schroth. Wie ein Sturzbach sei das Wasser in die Tiefgarage und dann in den Keller des Hauses geflossen. Sie schätzt, dass es über 21 Kubikmeter in der Minute waren. Für Unmut bei den Hausbewohnern sorgt das Schreiben der Kommunalbetriebe, das Ende Oktober einging. In dem Brief werden der Einsatz einer Pumpe und die Errichtung eines zweiten Sickerschachtes empfohlen. Das hält Schroth für völlig unpraktikabel. „Wohin hätten wir das Wasser denn pumpen sollen, wenn der Kanal dicht ist“, fragt sie. Und ein zusätzlicher Sickerschacht hätte die Wassermassen nie aufnehmen können, ist Schroth überzeugt. „Das wäre, als wenn man einen Eimer Wasser in einen Kaffeefilter schüttet. Der läuft auch über.“ Das Schreiben der Stadt endet mit der Empfehlung, gegebenenfalls ein Ingenieurbüro mit der Sache zu beauftragen. „Die sagen uns praktisch, wir sollen erst mal unsere Hausaufgaben machen“, empört sich Schroth.

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