Ingolstadt: Großer Bahnhof für das Reinheitsgebot
Das Jubiläum kann kommen: Oswin Dotzauer verkündet in seiner Paraderolle als Herzog Wilhelm IV. das Reinheitsgebot. Als Kulisse dient ihm die E-Lok, die ab sofort im Regionalverkehr zwischen München und Nürnberg für das Ingolstädter Festprogramm zum 500. Jahrestags des historischen Ereignisses werben wird und gestern am Hauptbahnhof vorgestellt worden ist. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Herzog Wilhelm IV. höchstpersönlich verschaffte Hansrüdiger Fritz noch eine kurze Verschnaufpause, bevor es ernst wurde. Der Chef der DB Regio Bayern wollte soeben das erste Fass mit Festbier anstechen ("Ich mache das erst zum zweiten Mal!"), als plötzlich der Herzog samt Gefolge eintraf. Er schritt durch die dichten Reihen der Zuschauer, die gerade versuchten, in Deckung zu gehen, bevor Fritz den Schlägel ansetzte, und ergriff volltönend das Wort. Er lobte die Gestaltung der von Gudrun Geiblinger entworfenen Lokomotive, die unter anderem das Konterfei des Herzogs zeigt, der im Jahr 1516 in Ingolstadt das Reinheitsgebot verkündet hat. Oswin Dotzauer verlas in seiner Rolle als Herzog noch einmal das historische Dokument, das Ingolstadt "weltberühmt" gemacht habe.

Die gestrige Vorstellung der Motivlok war der Auftakt zum Jubiläumsjahr "500 Jahre Reinheitsgebot" in Ingolstadt. Die E-Lok ziert neben dem Herzog, weiß-blauen Rauten, Hopfenranken und der Schützenliesel auch der Kopf von Frankensteins Monster und historische Ansichten Ingolstadts. So werben Stadt und Bahn ab sofort vor allem im Regionalverkehr zwischen Nürnberg und München für das Jubiläumsprogramm in Ingolstadt. Oberbürgermeister Christian Lösel sprach bei der Feierstunde von einem "rollenden Botschafter" für die Stadt Ingolstadt. Einen kleinen Seitenhieb auf Aldersbach konnte er sich nicht verkneifen: "Schade, dass es dort keinen Bahnhof gibt", so Lösel. So manch ein Schanzer hat es offenbar noch nicht ganz verwunden, dass die bayerische Landesausstellung im Reinheitsgebots-Jubiläumsjahr nicht nach Ingolstadt, sondern in das niederbayerische Städtchen vergeben wurde, und wäre dort gerne einmal mit der Bier-Lok vorgefahren. "Aber wir hegen keinen Groll", versicherte Lösel. Die Napoleon-Landesausstellung im neuen Schloss sei 2015 schließlich ein "toller Erfolg" gewesen.

br>

Auch ohne Landesausstellung wird das Reinheitsgebot in diesem Jahr in Ingolstadt groß gefeiert. Die Ingolstädter Touristiker hoffen, damit auch viele Gäste von auswärts in die Stadt zu locken. Fritz verwies in dem Zusammenhang auf das sogenannte Bierticket, das die Bahn ab sofort anbietet. Für 20,16 Euro können Passagiere aus Nürnberg und München nach Ingolstadt fahren, dort das Netz der INVG nutzen und erhalten Vergünstigungen in verschiedenen Lokalen.

Am Schluss des offiziellen Teils der Feier an Gleis 1 stach Fritz das Bierfass mit neun Sicherheitsschlägen ohne Flüssigkeitsverlust an. Lösel zeigte ihm dann als Oberbürgermeister der Stadt des Reinheitsgebotes standesgemäß, wie es geht, und trieb den Hahn mit einem einzigen Schlag in die gewünschte Position. Damit war das Jubiläumsjahr eröffnet und die Bier-Lok auf die Reise geschickt.