Die Türen des historischen Gebäudes waren für das fünfte "Ingolstädter Instagram-Treffen" geöffnet.
Schmidl
Ingolstadt

Kaum sind die rund 20 Fotografen in dem Gebäude, leuchten Taschenlampen dunkle Räume aus und Blitzlichter bringen für Sekundenbruchteile ans Licht, was sonst nicht zu sehen ist. Von der Spinnwebe bis zum herunterbröckelnden Putz wird alles bildlich festgehalten. Jeder will selbst das Unspektakuläre möglichst spektakulär in Szene setzen.

Erich Reisinger war "fast immer dabei" bei den bisherigen Treffen. Heute wie auch bei den anderen Malen ziehen ihn "solche Ecken an, die sonst nicht zu sehen sind". Und er richtet seine auf einem Stativ befestigte Kamera auf ein altes Waschbecken, das von einem ebenso alten Rohr "umrahmt" wird. Reisinger will damit "den normalen Verfall" dokumentieren, den man sonst vermeidet, herzuzeigen. Er findet deshalb die Gelegenheit, im Georgianum, das ab 2019 saniert werden soll, Bilder zu machen, "einmalig".

Unterdessen arbeiten sich die Fotografen Stockwerk für Stockwerk nach oben in dem Gebäude. Kaum eine Ecke oder ein Detail bleibt unfotografiert, egal ob mit Smartphone oder Profiausrüstung. Immer mehr verteilt sich die Gruppe.

"Das Rot ist brutal", ruft jemand aus einem anderen Raum und meint damit die knallroten Vorhänge, die die Farbwirkung des ganzen Bildes beeinflussen.

Robert Treffer ist das erste Mal dabei. Er nimmt mit seiner Kamera gerade ein Buntglasfenster ins Visier, auf dem "Der Bierbrauer" dargestellt ist. Treffer findet es "gut, dass die Stadt das macht". Der Hobbyfotograf hätte sich das Ganze aber "noch älter vorgestellt".

Ebenso seine Premiere bei den Treffen feiert Jürgen Klose, der sich erst an Weihnachten seine Fotoausrüstung zugelegt hat und jetzt "komplett begeistert" ist. Nicht nur, weil "man an Plätze kommt, wo man als Normalsterblicher sonst nicht hinkommt", sondern weil er in der Gruppe auch Erfahrungen austauschen und sich Tipps holen kann. "Ich komme sicher wieder", sagt Klose deshalb.

Das freut natürlich Thomas Michel von der Stadt Ingolstadt, den Initiator und Projektleiter der Instagram-Treffen. Nach fünf solcher Zusammenkünfte innerhalb ungefähr eines Jahres will er - abgesehen von einer Pause in den Sommerferien - etwa im Zweimonatsrhythmus weitermachen. Die Treffen an den "Lost Places", die beim Besuch der Fotografen im Idealfall auch in einem Kontext mit aktuellen oder bevorstehenden Maßnahmen der Stadt stehen sollen, haben ihm zufolge längst eine treue Anhängerschaft.

"Es geht darum, den Blick zu schärfen für das, was schön ist in unserer Stadt", ergänzt Michels Kollege Bernd Betz. Und den teilnehmenden Fotografen zufolge darum, ausgefallene Bilder und Blickwinkel zu bekommen, zu fachsimpeln, aber auch zu entschleunigen.