Ingolstadt: Fußweg durch Festungsbauten
Herkulesaufgabe für den Förderverein Bayerische Landesfestung: Bei der Renovierung des Travershäuschens 15 packen auch Schüler und Reservisten mit an. Der Traum ist ein Fußgängerweg durch Festungsbauten und die Natur mitten im Stadtzentrum. - Foto: Rössle
Ingolstadt
"Das hat jetzt überhaupt keinen Sinn, wenn jeder irgendwas macht. Das muss koordiniert werden", sagte Ulrich Haertl zu Beginn der jüngsten Aktion. Das heißt: Zuerst müssen die Büsche zugeschnitten werden, die den versteckt liegenden Fußweg zu dem alten Festungsgebäude hinter dem Arbeitsamt am Heydeckplatz zuwuchern. Denn die Büsche und Sträucher sind dem guten Dutzend freiwilliger Helfer nur im Weg.

Ulrich Haertl ist aber nicht nur einer, der anschafft, er langt auch zu. Und er hat die Gitter aus Stahlstäben geschweißt, die an der Giebelseite des Dachs des Traversgebäudes angebracht werden sollen. "Da klettern gerne Kinder hinein, das ist zu gefährlich", sagt Hans Ott vom Vorstand des Fördervereins. Der hat sich das alte Häuschen aus dem 19. Jahrhundert, das zum Kavalier Heydeck gehörte, zur Restaurierung auserkoren. Und ohne die tatkräftige Hilfe des Vereins wäre das Gebäude mittlerweile wahrscheinlich schon völlig marode. Vor einigen Jahren hat der Förderverein mit seinen 75 Mitgliedern ein neues Dach über dem oben befindlichen Glatt-strich angebracht, um den Regen abzuhalten. "Seitdem hat sich der Zustand schon wesentlich verbessert, das Gebäude ist trocken geworden", freuen sich Ott sowie Michael Schönberger und Wolfgang Beer vom Förderverein. Sie zählen zu den jüngeren Mitgliedern, die noch mit anpacken können. "Man muss doch dieses Erbe für die nächsten Generationen erhalten", sagt Beer und schaufelt Müll, Laub und Unrat zur Seite.

Zwei, drei dieser Einsätze leisten die Mitglieder im Jahr, mehr ist kaum drin. Unterstützung erhielten sie jetzt von der Reservistenkameradschaft und fünf Schülerinnen und Schülern des Katharinen-Gymnasiums. "Wir machen das im Rahmen eines P-Seminars", erzählt die 17-jährige Pia. "Das ist neu am G 8: Die Schüler sollen sich dabei selber engagieren und Projekte starten", ergänzt die gleichaltrige Andrea. Im Unterricht haben sie die Geschichte der Landesfestung Ingolstadt besprochen. "Und dann haben wir noch einige Führungen mitgemacht", sagt Jonathan. Das Traversgebäude mit der Nummer 15 haben sie zuvor allerdings noch nie gesehen, was allerdings kein Wunder ist: Liegt es doch wirklich sehr versteckt hinter dem Arbeitsamt, fast wie in einem Dornröschenschlaf.

Für die Zukunft hat der Verein sich noch ein Ziel gesteckt: ein durchgehender Weg durch das Traversgebäude von der Rechberg- zur Heydeckstraße. "Das ist ein weit gestecktes Ziel", räumt Ott ein. Aber der Verein will den ursprünglichen Zustand wieder herstellen. "Früher konnten Spaziergänger diesen Fußweg benutzen", erklärt Ott. Im Travershäuschen mit seinen drei Räumen soll dann ein Schauraum über die Landesfestung Ingolstadt entstehen. Dafür muss aber nicht nur das Gebäude hergerichtet werden, auch die schon etwas baufällige Brücke über eine Torzufahrt an der Heydeckstraße müsste saniert werden. Aber dadurch gewönne Ingolstadt einen wunderschönen Fußgängerweg durch Festungsbauten und die Natur, und das mitten im Stadtzentrum.