Ingolstadt: Forderungen für den Jugendaustausch
Aktionstag in Ingolstadt: Cyrille Kratz (links) und Petra Barti überbrachten Reinhard Brandl drei Forderungen zur Zukunft des internationalen Jugendaustausches. - Foto: Brandl
Ingolstadt

In Ingolstadt trafen sich jugendliche Mitglieder des Vereins AFS Interkulturelle Begegnungen, Bereich Eichstätt-Ingolstadt, mit den Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl (CSU) und Eva Bulling-Schröter (Die Linke). Dabei informierten sich die Politiker über die Jugendaustauschorganisation und nahmen die Anliegen der jungen Bürger entgegen. Drei an der Zahl waren es, die Petra Barti und Cyrille Kratz, beide Studierende an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Brandl in Form von gestalteten Karten überbrachten. Darin fordern sie einen verpflichtenden Auslandsaufenthalt für alle Schüler, einen Mobilitätsgutschein für jeden jungen Menschen sowie mehr Akzeptanz für eine individuell gestaltete Schullaufbahn.

Auch wenn Brandl nicht alle Forderungen befürwortete, zeigte er sich insgesamt beeindruckt vom Engagement der jungen Leute. Den verpflichtenden Auslandsaufenthalt lehnte er ab. Er glaube, dieser sei nicht für alle Schüler und Familien geeignet. "Die Freiwilligkeit ist der elementare Aspekt der Idee", sagte er. Positiv stand Brandl dem Mobilitätsgutschein und der Akzeptanz bei der Schullaufbahn gegenüber. Er teile das Anliegen, mehr für den Schüleraustausch zu werben und die Angst vor Fehlinterpretationen im Lebenslauf zu nehmen. Sein Fazit nach dem Treffen: "AFS ist eine tolle Organisation, die mehr Bekanntheit verdient hat." Die Studierenden wiederum waren überrascht, dass ihr Ansprechpartner sich gut vorbereitet zeigte und nicht das Klischee des Politikers bedient habe, der vor Wahlen nur verspricht. "Dass er so ehrlich war, finde ich gut", sagte Barti.

Barti und Kratz berichteten ihrerseits über die Ziele von AFS sowie ihre Erfahrungen. Sie wollen die Austauschformate bekannter machen, um mehr Jugendliche und Gastfamilien zu erreichen. So seien es derzeit fast nur Gymnasiasten, die am Schüleraustausch teilnähmen. Ein Thema auch im Büro von Bulling-Schröter, die im September bekanntlich nicht mehr als Bundestagskandidatin für ihre Partei antritt. Sie plädierte klar dafür, dass auch Mittel- und Realschüler ins Ausland gehen. "Heute ist es wichtig, mehrere Sprachen sprechen zu können - nicht nur für Akademiker. Außerdem denke ich, dass solche Aufenthalte dazu beitragen, Rassismus abzubauen", sagte sie. Um die hohen Kosten für finanziell schlechter gestellte Familie auszugleichen, sprach sie sich für entsprechende Finanzierungsmodelle aus. Auch Bulling-Schröter befürwortete das Konzept des AFS. Eine intensivere Bewerbung des Angebots sei daher wünschenswert.

Bislang haben mehr als 450 000 Jugendliche und Gastfamilien in den vergangenen rund 70 Jahren an den AFS-Programmen und Freiwilligendiensten im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich weltweit teilgenommen, heißt es in einer Presseinformation des Vereins. In einer globalisierten Welt sensibilisiere AFS Menschen für die Bedürfnisse und Besonderheiten anderer Kulturen. Damit helfe man Menschen, einander zu verstehen und sich in der Welt des anderen zurechtzufinden. Organisiert wurde der Aktionstag vom Aktionsbündnis Anerkennung International.