Ingolstadt: Feucht, aber fröhlich
 
Ingolstadt

ANZUGSPFLICHT

Die Donauschwimmer eröffneten den Tag der Donau mit einem kühnen Sprung in die kalten Fluten. Die meisten hatten sich für einen Neopren-Anzug entschieden und hätten ihn wohl angesichts des Dauerniesels am besten gleich angelassen. „Es war wirklich kalt“, sagte etwa Klaus Böttcher, der mit seiner Tochter Nina Schels, Schwiegersohn Michael und den Enkeln Finn und Nick mitgeschwommen ist. Nächstes Mal werden sie dennoch wieder dabei sein, versicherte Böttcher. Dann hoffentlich bei angenehmeren Temperaturen und in Badehose statt Ganzkörperanzug.

DONAU INTERNATIONAL

Gleichzeitig eröffnete Bürgermeister Sepp Mißlbeck am anderen Ufer den Tag der Donau in Ingolstadt. Der internationale Danube Day, der von einer Kommission der Anrainerstaaten ausgerufen und mit zahllosen Festen entlang des über 2800 Kilometer langen Flusses gefeiert wird, sei ein Ausdruck „der Verantwortung für Erhalt und Pflege“ des Stroms. Mißlbecks kurze Ansprache wurde ins Französische übersetzt, da das Zelt vor allem wegen der Gäste aus Grasse und Legmoin gut gefüllt war. „Bei nicht so herrlichem Wetter, aber herrlicher Stimmung“, wie Mißlbeck sagte, wurde schnell klar: Die Laune wollte sich hier wegen des Getröpfels keiner vermiesen lassen.

WASSERFESTE KUNST

Die Freunde der Donau hatten ihren Stand nur wenige Meter weiter aufgestellt. „Wir wollen hier vor allem die Bilder unseres Kinder-Malwettbewerbs präsentieren“, erklärte Matthias König. In weiser Voraussicht wurden die Bilder laminiert und haben deswegen auch im Dauerregen keinen Schaden genommen. König und seine Mitstreiter setzen sich unter anderem für eine Öffnung der Donau für sportliche Aktivitäten ein.

HOCHWASSER SELBST GEMACHT

Sebastian Diedering war mit seinem Donaumobil aus dem schwäbischen Bächingen nach Ingolstadt gekommen. Der Diplombiologe erklärte an zwei Modellen, wie ein naturnaher Flusslauf gegen Hochwasserkatastrophen helfen kann. Kinder wurden aufgefordert, mit zwei Pumpen Wasser in die künstlichen Flusssysteme zu bringen. Eines stellte einen verbauten, das andere einen weit verzweigten Fluss dar. Viel pumpen mussten die Kleinen allerdings nicht. Der Regen setzte beide Modelle ganz von selbst unter Wasser.

SCHIFFFAHRT IN DIE VERGANGENHEIT

Ein Dach über dem Kopf hatten die Besucher im Reduit Tilly, wo ein Film aus dem Jahr 1929 gezeigt wurde. Ein Kamerateam reiste damals auf und am Fluss von den Quellbächen im Schwarzwald bis in das Donaudelta vor dem Schwarzen Meer. Mit ihrem Dampfschiff passierten sie damals auch Ingolstadt und hielten einige Szenen fest.

QUIZMASTER IM REGEN

Mit dem Wissen aus dem Film ließ sich auch die ein oder andere Frage beantworten, die den Teilnehmern eines Quiz des Landesbundes für Vogelschutz gestellt wurden. Auch wenn die Bastelstation für Kinder dem schlechten Wetter zum Opfer fiel, blieben hier viele stehen. Etwa um die Frage zu diskutieren, warum die Donau der einzige Strom ist, dessen Flusskilometer von der Mündung zur Quelle und nicht umgekehrt gezählt werden.

JUNGFERNFAHRT

Auf der Donau sausten die Boote des THW durch den Niesel. Seine Jungfernfahrt hatte außerdem die neue Ingolstädter Fähre, die – abhängig von der endgültigen Gestaltung der Ingolstädter Donauufer – einmal die beiden Flussseiten miteinander verbinden wird. Angetrieben wird sie dann nur durch die Strömung des Flusses. Für den Tag der Donau wurde sie mit einem Außenbordmotor ausgerüstet und brachte ihre Fahrgäste von der Donaubühne zur Staustufe und zurück.

TANZ DER KULTUREN

Die kulturelle Vielfalt der Donau-Staaten wurde im Festzelt unter anderem durch die Tanzvorführungen des ungarischen und serbischen Kulturvereins deutlich. Spontan wurde gleich auch eine bayerische Tänzergruppe in die Vorführung integriert und so getanzte Völkerverständigung zelebriert. „Der Regen kann uns nichts anhaben“, versicherte die gut gelaunte Vorsitzende des ungarischen Vereins, Cecilia Erös. Deswegen sagten die Ungarn trotz Kälte und Regens auch das Sommerfest nicht ab, das für den Abend in Zuchering geplant war.

„DOCH GANZ GUT“

Thomas Schneider vom Ingolstädter Umweltamt, der Hauptorganisator des Ingolstädter Tags der Donau, blieb gelassen. Auch wenn einige Programmpunkte wie das Floßbauen und die Musik am Abend ausfallen mussten, sei das Fest alles in allem „doch ganz gut“ gewesen. „Angesichts des Regens waren es gar nicht so wenige Leute“, fand er. „Und die, die gekommen sind, hatten viel Spaß.“