Ingolstadt: Feilschen im Schutterhof
Flohmarkt im Schutterhof: Ausstellerin Verena Mödl handelt mit Werner Kos, der sich für eine Kristallglasschale interessiert. Der Ingolstädter erinnert sich, schon als kleiner Bub den Flohmarkt im Militärbad besucht zu haben. Am 24. November findet wieder ein Flohmarkt im Biergarten statt - Foto: Strisch
Ingolstadt
Gegen halb sieben am Abend legt sich die Dunkelheit wie ein Handtuch über das ehemalige Militärbad und die Lichter gehen an. Da wird die Szenerie festlich in den Festungsmauern – und wegen der Nebelschwaden auch etwas gespenstisch. Stimmungsvoll für einen Nachtflohmarkt, aber die Aussteller flüchten bereits vor der nassen Kälte, zumal Besucher nur noch vereinzelt hereintröpfeln in den Schutterhof. „Fürs erste Mal kann man nicht meckern“, meint Christina, die zusammen mit ihrer Schwester Johanna alle Siebensachen zusammenpackt – darunter auch ein 100 Jahre alter Polentatopf aus Kupfer, ein Erbstück der italienischen Großeltern. „Wir sind überrascht, wie viele Leute gekommen sind – und nicht nur Schau-Leute, sondern auch viele Käufer.“

Auch wenn es also kein Nachtflohmarkt wurde, sondern eher ein Nachmittagsflohmarkt – Veranstalter, Aussteller und Besucher sind gleichermaßen begeistert. „Das ist ein einzigartiger Platz“, meint eine Frau, die einen riesigen Wäschekorb aus geflochtener Weide erstanden hat – für gerade einmal drei Euro. „Ich möchte nächstes Mal auch herkommen und die Kinderkleidung meiner Töchter verkaufen.“ Eine Altstadtbewohnerin bestätigt: „Diese Location ist ein Traum.“

Bei einigen Besuchern wurden Erinnerungen wach, denn in den 70er und 80er Jahren erfreute sich der Flohmarkt im Militärbad größter Beliebtheit. Auch bei Werner Kos: „Ich hab’ mir dort als Bub immer Militaria gekauft. Warum das Zeug auf mich damals so eine Faszination ausgeübt hat, weiß ich selber nicht. Ich konnte mir natürlich nichts leisten, aber für Gasmaskenhüllen oder Ledertaschen für Feldstecher hat es gelangt. Sonntags hab’ ich die Sachen dann immer geputzt. Das G’raffel liegt noch immer bei uns daheim.“

Am Stand von Verena Mödl hat Werner Kos eine Kristallschale entdeckt. Vielleicht ein Mitbringsel für die Ehefrau? Erst einmal wird gefeilscht, wie es sich auf dem Flohmarkt gehört. „Wir kommen auf jeden Fall wieder“, meint die 22-jährige Ingolstädterin, die mit ihrer Mutter und ihrer Tante auf verschiedenen Flohmärkten in Ingolstadt unterwegs ist. „Aber hier ist es besonders schön, außerdem sind die Toiletten gratis und es gibt gutes Essen statt der üblichen Würstl“, sagt Verena Mödl. „Das Beste ist aber, dass man nicht so früh aufstehen muss.“ Helga Mödl fügt hinzu: „Das Publikum hier ist auch sehr angenehm.“

Das findet auch Christine Neumann, die unter anderem Sammeltassen, alte gläserne Fotoplatten und auch eine original Krupps-Waage anbietet. „Mit der hat die Großmutter meines Mannes noch Gemüse verkauft.“ Christine Neumann hat aber auch ihren handgearbeiteten Schmuck mitgebracht. Ihr Fazit: „Es läuft super hier. Ich bin definitiv beim nächsten Mal wieder dabei.“

Über diesen Zuspruch freut sich Harald Mödl, der Wirt des Schuttershofs. „Ich bin recht zufrieden“, fasst er am Abend zusammen. „Es waren immer Leute da, und ich hab’ auch im Biergarten Umsatz gemacht, was an so einem kalten Tag normalerweise nicht der Fall wäre.“ Der nächste Flohmarkt findet am Samstag, 24. November, ab 14 Uhr statt. „Wir bieten überdachte Standplätze unter Schirmen und im vorderen Teil der Gewölbe an.“ Die Standgebühr beträgt zehn Euro.

Das Ambiente der Festungsanlage hat Harald Mödl zu neuen Ideen inspiriert: Im Dezember möchte er einen musikalischen Wintermarkt veranstalten. „Mit Stubnmusi und Jagdhornbläsern“, sinniert der Wirt. „Oder mit den Schanzer Kosaken – das wäre traumhaft.“