Ingolstadt: Es bleibt eng
Wohnen neben der Baustelle: Während vor dem Fenster schon das nächste Wohnheim entsteht, ziehen Johannes (links) und Lukas in ihre Appartments in der einstigen Pionierkaserne an der Manchinger Straße. Wie die beiden angehenden Wirtschaftsingenieure suchen jedes Semester Hunderte Studierende eine Bleibe in Ingolstadt - Foto: Rössle
Ingolstadt
Während in den meisten Gebäuden auf dem einstigen Militärgelände noch eifrig gebaut wird, ziehen in der Hausnummer 5 schon die ersten Mieter ein. Seit Anfang des Monats sind die 60 Einzel- und drei Gruppenappartements an der Hildegard-Knef-Straße fertig, sagt Mathias Meyer, von Studentenwerk Erlangen-Nürnberg. Ausgebucht ist das Gebäude allerdings schon viel länger. Leerstände kennen Vermieter von Studentenwohnungen in Ingolstadt nicht. „Wir haben kein Problem, unsere Appartments zu vermieten“, sagt etwa Irene Ottmann vom St.-Gundekar-Werk. „Im Gegenteil. Es gibt sogar eine Warteliste.“

Das wird sich auch nicht ändern, wenn zum Wintersemester das zweite Gebäude in der einstigen Kaserne zur Wohnanlage umgebaut ist. Da sind sich die Experten einig. In Ingolstadt sind deswegen sogar weitere Wohnanlagen geplant. Christof Stockmeier von der Katholischen Canisiusstiftung berichtet, dass die Organisation derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude in Ingolstadt sei. Der Plan, das Hotel Rappensberger in ein Studentenwohnheim umzubauen, habe sich zerschlagen. Eine Alternative zu finden, sei schwierig. „Wir brauchen zum Beispiel eine hohe Anzahl an Fenstern“, so Stockmeier.

Dass ihm in absehbarer Zeit die Mieter ausgehen, glaubt auch Alexander Orthmann von Uni Apart nicht. Die Firma bietet derzeit allein in Ingolstadt 337 Studentenappartements an. Allerdings wird der Markt in Ingolstadt derzeit „stark bearbeitet“, wie er sagt. „In jedes frei stehende Gebäude werden Studentenappartments gebaut.“ Attraktiv macht den Markt, dass er relativ verlässlich ist. Die Hochschulen in Ingolstadt expandieren, die gesamte Region ist auf Wachstum ausgelegt. Das unterscheide die Schanz deutlich von der Region Nürnberg, erklärt Meyer. Dort kommt das Studentenwerk seiner Aufgabe, Studierende unterzubringen, auch mit der Vermittlung von WG-Zimmern nach. Jemanden unterzubringen, sei in Nürnberg kaum ein Problem, an den Bau einer Wohnanlage sei dort nicht gedacht. In Ingolstadt berichten einige Vermieter dagegen von Wartezeiten von einem Jahr und mehr.

Deswegen setzten angesichts der großen Nachfrage in Ingolstadt auch viele private Vermieter auf Studierende. Nicht selten werden dabei hohe Mieten verlangt. „Viele unterschätzen aber den Aufwand“, vermutet Orthmann. Nach den Umstrukturierungen des Studiums ist ein Bachelor in gerade einmal sechs Semestern erreicht. Eines davon wird meist im Ausland absolviert. Ein Studierender mietet deswegen seine Bude im Schnitt für nur 1,5 bis zwei Jahre, bevor er wieder umzieht. „Normale“ Mieter bleiben 8,5 Jahre. Der Aufwand für Renovierungen, Abnahme und Übergabe sei deswegen ungleich höher, so Orthmann und deswegen müssten Studierende – oder deren Eltern – durchschnittlich höhere Quadratmeterpreise bezahlen. Wegen der kurzen Mietdauer bringe kaum einer seine eigenen Möbel mit, die meisten Appartments seien deswegen voll möbliert. Auch wenn sie nur zwischen 20 und 30 Quadratmetern groß sind, ist jedes mit Duschbad und Küche ausgestattet. „Und die kostet so viel wie die in einer Dreizimmerwohnung.“