Ingolstadt: Eine lange und feste Freundschaft
Herzliche deutsch-ungarische Freundschaft: Kata, Martina, Katrin und Dóri (von links, vor dem Katharinen-Gymnasium) verbrachten eine gemeinsame Woche in Ingolstadt. Heute reisen die Gäste wieder heim nach Györ. Nächstes Jahr kommt das Katherl zu Besuch. - Fotos: Graf
Ingolstadt

"Die Jugendlichen sind unsere Basis und Bausteine für ein zusammenwachsendes Europa." Diese Feststellung, die zugleich auch als Aufforderung zu verstehen ist, traf Bürgermeister Sepp Mißlbeck bei dem Empfang im Alten Rathaus. Es galt, ein Schulpartnerschaftsjubiläum zu feiern, denn schon zum 20. Mal waren Schüler des Gymnasiums Revái Miklós aus Györ in Ingolstadt am Katharinen-Gymnasium zu Gast.

An der kleinen Feierstunde nahmen neben den deutschen und ungarischen Schülern sowie den betreuenden Lehrkräften auch die Schulleiter der beiden Gymnasien teil. Dabei ist es alles andere als selbstverständlich, dass diese Woche genau diese Partnerschaft gefeiert werden konnte. Zwar haben Ingolstadt und Györ mit Automobilwerken von Audi, demselben Fluss und der fast gleichen Einwohnerzahl viele Übereinstimmungen, doch dass Schüler und Lehrer gerade des Revái-Gymnasiums nun in Ingolstadt weilen, ist zu einem gewissen Grad auch dem Zufall zu verdanken.

In den Jahren nach der Wende übernahm nämlich das Bayerische Rote Kreuz Patenschaften für die Schwesternverbände in den ungarischen Komitaten. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit entstand auch der Wunsch nach einer Schulpartnerschaft. Als im Jahr 1996 im Rathaus in Györ eine entsprechende Anfrage einging, leitete man diese einfach an die nächstgelegene Schule weiter. "Und unser Gymnasium liegt halt gleich in der Nähe", erinnert sich Ildikó Gál. Die Deutschlehrerin hat die Anfänge des Austauschs erlebt und ist bereits zum elften Mal in Ingolstadt. Von Ingolstädter Seite waren es Kulturreferent Gabriel Engert und der damalige Leiter des Katharinen-Gymnasiums, Reinhard Kammermeyer, die den Austausch seinerzeit angebahnt haben.

Aus dem ersten Treffen hat sich eine langjährige und feste Freundschaft entwickelt, die älter ist als die der beiden Städte: Deren Partnerschaft währt offiziell erst seit 2008. Für eine Woche sind Ildikó Gál und ihre Kollegin Beatá Lrincz mit 30 Schülerinnen und Schülern am Katherl. Die Lehrerinnen freuen sich vor allem darüber, dass ihre Schüler nicht nur die deutsche Kultur aus nächster Nähe kennenlernen, sondern auch die im Unterricht erworbenen Sprachkenntnisse in den Gastfamilien anwenden können: "Das ist viel besser als der Aufenthalt als Tourist in einem Hotel", sagt Lrincz.

Das Programm ist so aufgebaut, dass die Jugendlichen viel miteinander ins Gespräch kommen und die deutsche Sprache üben können. Andererseits werden Sehenswürdigkeiten der Region angesteuert. So gehörte etwa eine Schifffahrt auf der Donau nach Weltenburg zum Programm.

Für den Leiter des Revái-Gymnasiums, Péter Horváth, steht der europäische Gedanke ganz im Vordergrund: "Freilich sind wir einerseits Ungarn und andererseits Deutsche, aber wir alle sind Europäer", sagte der 55-Jährige. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich über 600 Familien an diesem Austausch beteiligt. Auch sein deutscher Amtskollege am Katherl, Schulleiter Rudolf Schweiger, freute sich über den bisher so erfolgreichen Kontakt: "Ich bin sehr dankbar für die Freundschaften, die in all in diesen Jahren entstanden sind." Im Frühjahr steht der Besuch in Ungarn an.

Bei diesen Treffen konnten die Schüler einige Klischees abbauen - oder bestätigen lassen. So würden ungarische Schüler die Deutschen - so ihre Aussagen - als zurückhaltend, präzise, fußballbegeistert und wenig flexibel bezeichnen. Auch wenn es freilich ein paar Unterschiede geben mag, hat Alexander Schöner, Lehrer am Katherl und einer der Betreuer der Gäste, festgestellt: "Die Jugendlichen merken sehr schnell, dass sie die gleichen Themen, Sorgen und Ängste haben."

Apropos Klischee: Bei einem gemeinsamen Abendessen gab es bayerischen Leberkäs und Kartoffelsalat und zwar pünktlich um 17.30 Uhr.