Ingolstadt: Eine fleckige Angelegenheit
"Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten": Auktionator Bernhard Reitberger bringt wort- und gestenreich die ausgestellten Tiere unters bäuerliche Volk. Beim Jubiläumsmarkt war die Donauhalle im Gewerbegebiet bei Zuchering sehr gut gefüllt. - Foto: Hauser
Ingolstadt

Auf das 800er-Jubiläum des Zuchtviehmarkts in Ingolstadt ist der Vorsitzende des Zuchtverbandes, Johann Lettmair aus Eutenhofen bei Pfaffenhofen, mächtig stolz. "Die Besucher kommen von überall her. Wir haben heute sogar Landwirte aus der Türkei da", sagt er und blickt in eine voll besetzte Donauhalle. "450 zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten..." Man möchte meinen, Auktionator Bernhard Reitberger versteigert gerade wertvolle Antiquitäten. Es handelt sich allerdings um Jungkühe, die hier vorgeführt werden. Auf dem Zuchtviehmarkt halten sich nicht nur Landwirte auf, die Interesse am Kauf haben. Auch andere Zuschauer oder ehemalige Viehbauern bestaunen das Geschehen. Besonders an einem Festtag wie dem gestrigen.

Abhängig ist die Nachfrage der Landwirte nach den Tieren von vielen Faktoren, wie beispielsweise den Genen oder ihrer (Milch-)Leistung. "Qualität hat ihren Preis", lautet hier der Merksatz, den Lettmair betont. Je besser die "Eigenschaften" eines Tieres, desto höher ist sein Preis. Laut Lettmair wird eine Kuh in der Regel zu einem Preis von rund 400 bis 500 Euro versteigert. Für einen Zuchtbullen mit überragenden Genen geht es aber auch in ganz andere Dimension. Legendär ist die Bieterschlacht um den hornlosen "Incredible" von Züchter Alois Oblinger aus Kasing, der Anfang 2014 für unglaubliche 131 000 Euro hier in der Donauhalle versteigert wurde.

Dieses Mal ist der Höhepunkt der Veranstaltung die Verlosung eines kleinen Kalbes. Während die Landwirte mit ihren Kühen hinter der Auktionshalle ungeduldig auf ihren großen Auftritt warten, steht das Kälbchen in seinem Stall und ist sich seiner Besonderheit überhaupt nicht bewusst. "Es handelt sich dabei um ein wertvolles Zuchtkalb. Sein eigentlicher Preis liegt bei rund 1000 Euro", verrät Lettmair. Mit einem Los für zwei Euro sind die Besucher bereits im Rennen. Drei Lose können zu einem Spezialpreis von fünf Euro erworben werden.

Bis zur 800. Auflage in der Donauhalle hat der Zuchtviehmarkt bereits eine lange Tradition: Der heutige Zuchtviehmarkt ist aus dem sogenannten Nutzviehmarkt entstanden, welcher erstmals 1784 stattfand. 1803 wurde dann der erste Viehmarkt am heutigen Paradeplatz in Ingolstadt veranstaltet. Nachdem die Donauhalle den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel, wurde sie wieder aufgebaut und 1958 im Ingolstädter Nordosten eröffnet. Das bedeutet für den eigens gegründeten Zweckverband ein baldiges Jubiläum: "Kommendes Jahr werden wir 60 Jahre alt", sagt Lettmair. Nach jahrelangen Diskussionen über den Umzug aus dem immer dichter besiedelten Konradviertel unternahm Ingolstadts OB Alfred Lehmann am 23. Oktober 2003 den Spatenstich für die jetzige Vermarktungshalle im Gewerbegebiet bei Zuchering. Damit setzten die Verantwortlichen einen Meilenstein in der Geschichte des Zuchtverbandes für Fleckvieh Pfaffenhofen. Am 9. September 2004 fiel der erste Hammer.