Ingolstadt: Ein Ritterschlag vom Sternekoch
Eine Frage des guten Geschmacks: Gegen fünf Konkurrenten setzte sich der gebürtige Ingolstädter Jürgen Veit (2. v. l.) durch. Promikoch Horst Lichter begleitete ihn und die anderen Kandidaten durch die Woche, Kollege Andreas C. Studer (vorne) war am ersten Tag Juror - Foto: ZDF/Ulrich Perrey
Ingolstadt
So eine Geburtstagsfeier kann kaum jemand bieten: Man lade sich ein paar Freunde ein, bekoche sie und dazu läuft Samstagmittag die Erstausstrahlung einer Fernsehsendung, in der das Geburtstagskind den verdienten Sieg davonträgt. Jürgen Veit hat das an seinem 47. Geburtstag am Wochenende erleben dürfen. Schon die gesamte Woche über saß der Niederlassungsleiter täglich ab 14 Uhr vor seinem Fernseher und schaute sich selbst beim Kochen in der „Küchenschlacht“ zu. Das Duell mit fünf Konkurrenten war vor ein paar Wochen in Hamburg aufgezeichnet worden. Letzte Woche wurden die Shows ausgestrahlt. „Wir mussten absolutes Stillschweigen bewahren“, erklärt Veit, „auch über den Sieger.“ Dabei hätte er sich die Glückwünsche natürlich früher verdient gehabt, als jetzt nach der Ausstrahlung. „Da waren viele Bekannte und auch ein paar Unbekannte dabei. Das hat mich alles sehr gefreut.“

Unmittelbar nach der Finalsendung, als sich Veit am vierten Kochtag gegen die Konkurrenten durchsetzte, war der Gerolfinger völlig baff. „Mein Ziel war es ja eigentlich, nur dabei zu sein und Spaß zu haben. Ich habe mir überhaupt keinen Druck gemacht.“ Nach dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ kochte sich der gebürtige Ingolstädter (fast) souverän durch alle Sendungen, an deren Ende jeweils ein Teilnehmer von den Juroren nach Hause geschickt wird.

Mit Seeteufelmedaillons mit Pfeffer-Hummer-Soße, tags darauf Rinderfilet im Pancetta-Mantel sowie Zanderfilet mit Kartoffelkruste im Halbfinale landete Veit in der Endrunde. Nur einmal wurde es knifflig. Am Mittwoch hätte Juror Nelson Müller beinahe Veits sehr englisches Rinderfilet nicht durchgehen lassen. „Da habe ich etwas geschluckt. Ich mag das Fleisch genauso“, erinnert sich der Ingolstädter. Schon am nächsten Tag bekam er so etwas wie den Ritterschlag vom nächsten Sternekoch. Bei dem Kandidaten, der das Zanderfilet zubereitet habe, „da würde ich Essen gehen“, lobte Johann Lafer, als er von Veits anonymem Teller gekostet hatte. „Das habe ich aber erst richtig gehört, als ich die Sendung jetzt gesehen habe. Da habe ich schon eine Gänsehaut bekommen“, schmunzelt der Ingolstädter. „Bei der Live-Aufzeichnung lief das alles wie im Film.“

Dass er überhaupt teilnehmen konnte, das hat Veit seiner Lebensgefährtin zu verdanken. „Die hat mich angemeldet, ohne dass ich es wusste. Bis dann der Anruf vom ZDF kam. . .“ Die Überraschung war gelungen. „Ich habe mich total gefreut, weil ich so etwas schon länger machen wollte: mich von einem Sternekoch kritisieren zu lassen.“ Als Hobbykoch habe er sich aus Kochsendungen und Büchern viel angeeignet. Durch mehrere Castingrunden bewährte sich der Ingolstädter fürs ZDF. Unter anderem musste Veit zehn Rezepte inklusive Arbeitsschritte und Küchengeräte detailliert angeben. Er überzeugte die Produktionsfirma so sehr, dass er schließlich die Zusage für die Show erhielt. Sein Fazit dazu: „Also wenn man nicht kochen kann, dann sollte man da nicht hingehen.“

Wem das Handwerkszeug fehlt, dem hilft auch die Betreuung durch einen Koch wie Horst Lichter nichts mehr. Er betreute Veit und die anderen Kandidaten in den Sendungen. „Der nimmt einem dann auch die Nervosität. So lustig, wie er rüberkommt, ist er auch in Wirklichkeit“, weiß der spätere Sieger.

Durch den TV-Auftritt ist Jürgen Veit jetzt auf den Geschmack gekommen. Er hat sich bereits für die Sendung „Topfgeldjäger“ im ZDF mit Koch Steffen Henssler beworben. Auch für „Das perfekte Dinner“ auf Vox. Könnte also sein, dass er sich bald wieder im Fernsehen kochen sieht.