Ingolstadt: Digital ist besser
Geld vom Staat: Siegfried Jedamzik, Geschäftsführer der BTA, freut sich über 340 000 Euro von Gesundheitsministerin Melanie Huml. - Foto: Bird
Ingolstadt

Die Akte wird mit 250 000 Euro gefördert. Das Projekt läuft seit September 2016 und endet im Dezember dieses Jahres. Die Online-Akte soll die adäquate medizinische Versorgung Geflüchteter erleichtern. Bei der medizinischen Versorgung von Asylbewerben treten häufig Probleme durch Sprachbarrieren oder Analphabetismus auf. Zudem werden die Asylbewerber oft verlegt und dadurch mehrfach untersucht, Daten oft nur handschriftlich erfasst. Mit Hilfe einer digitalen Asylakte soll eine einheitliche Dokumentation und eine schnelle und strukturierte Behandlung möglich werden. Die Patientendaten werden in eine persönliche Akte geladen, der Zugriff erfolgt online - alles im Rahmen des gesetzlichen Datenschutzes.

Mit einem Drei-Stufen-Konzept, das Christina Peric von der BTA vorstellte, sollen sprachliche Hürden in über 90 Prozent der Fälle mittels einer Dokumentations- und Kommunikationssoftware überwunden werden. Dafür simulierte Matthias Leu von der CompuGroup aus Koblenz dem Fachpublikum einen Arztbesuch eines arabisch sprechenden Analphabeten. Ein digitaler Anamnesebogen, abrufbar auf einem Tablet, liest typische Fragen vor, sollte ein Patient weder lesen noch schreiben können. Die Audio-Unterstützung sei ebenso wie die abrufbaren Informationen auf dem Tablet in sieben Sprachen verfügbar. Nach der Anamnese können die Ergebnisse des Gesprächs noch einmal zusammengefasst von Arzt und Patient überprüft werden.

Der Referent nannte zudem ein sehr anschauliches Beispiel: Ein Asylbewerber, der in Sizilien ankommt, wird dort untersucht. Reist er weiter nach Österreich und Deutschland, gehen die Daten verloren und überflüssige Zusatzuntersuchen werden durchgeführt. Dies könnte mit einer digitalen Asylakte, wie sie in Ingolstadt entwickelt und erprobt wurde, vermieden werden. Besonderes interessiert an der Online-Akte waren die Gäste aus der italienischen Botschaft in Berlin. Als eine der Haupt-Anlaufstellen für Asylsuchende ist Italien an gemeinsamen und unkomplizierten Lösungen stark interessiert.

Im sechsten Jahr in Folge fördert das Gesundheitsministerium inzwischen die Telemed-Allianz und ihre Projekte: "Wir sind daran interessiert, gute Projekte langfristig zu fördern", sagte Staatsministerin Huml. Bayern nehme eine führende Rolle in der Telemedizin ein, Ziel sei es demnach weiter am Ball zu bleiben und die Telemedizin weiter zu stärken. Unter Telemedizin versteht man die Diagnostik und Therapie unter Überbrückung einer räumlichen oder auch zeitlichen Distanz zwischen Ärzten und Patienten - mit Hilfe der Digitalisierung. "Die Daten sollen laufen, nicht die Patienten!" proklamierte Huml gestern in ihrem Grußwort metaphorisch.