Ingolstadt: Die Zocker von Catan
Vor allem Tauschgeschick war gefragt: Am Samstag spielten Fans des Kultspiels "Catan" um Ranglistenpunkte für die Deutsche Meisterschaft. Auch Veranstalter Manfred Lefmann (links) saß mit am Tisch. Er musste in der ersten Runde gegen Favorit Tilmann Weigel aus München antreten. - Foto: Bird
Ingolstadt

"Braucht jemand ein Schaf" - "Ich könnte dir Getreide dafür anbieten!" Was sich nach einem Dialog auf einem mittelalterlichen Basar anhört, ist in Realität ein Gesellschaftsspiel um die fiktive Insel "Catan". Seit 1995 gibt es das Kult-Brettspiel, noch immer ist die Begeisterung dafür ungebrochen. In Ingolstadt fand am Wochenende ein Qualifikationsspiel für die deutsche Meisterschaft statt, bei der sich im November die besten Spieler des Landes messen. In diesem Jahr findet das Endspiel der Deutschen "Catan"-Meisterschaft zum fünften Mal in München statt, im Rahmen der Spielemesse "Spielwies'n".

Das Brettspiel hat es auch Manfred Lefmann vom Alibaba-Spieleclub in Ingolstadt angetan. So sehr, dass er offizielle Turniere des Spieleklassikers ausrichtet. An vier Tischen mit jeweils vier Spielern wird heute gespielt: "Wir bauen Siedlungen und Städte, die uns neue Rohstoffe liefern, sobald die entsprechenden Zahlen gewürfelt werden", erklärt der 44-Jährige das Konzept von "Catan", das von den meisten Spielern immer noch als "Siedler von Catan" bezeichnet wird. 1995 wurde es zum Spiel des Jahres gekürt, bis heute wird es auf der ganzen Welt gespielt. "Das Wichtigste ist aber, geschickt zu tauschen", so der Veranstalter. So viel also zum Tauschgeschäft Schaf gegen Getreide oder Holz gegen Lehm. Ein Räuber, der immer bei der Augenzahl sieben neu positioniert werden darf, sorgt für "Gemeinheiten", wie Lefmann es nennt. Man kann so Gegenspieler daran hindern, Rohstoffe zu erhalten.

Drei Runden werden heute gespielt, nach jeder Runde gibt es neue Spielerkonstellationen an den Tischen. Der Favorit heißt Tilmann Weigel, derzeit auf Rang elf der Deutschen Rangliste und extra aus München angereist. Der 33-jährige Projektleiter einer Softwarefirma sitzt gemeinsam mit Erzieherin Desiree (24) und dem Veranstalter am Tisch. Auch die junge Pädagogin kommt aus der Landeshauptstadt. Auffällig ist, dass nur Erwachsene an den Spieltischen sitzen - von wegen Brettspiele seien nur etwas für Kinder.

Die Ergebnisse werden mithilfe einer Software aufgezeichnet, es stehen Kaffee und Kuchen für die Spieler bereit. Durchschnittlich eine Stunde dauert eine Partie, doch kann es auch mal deutlich länger werden. "Ich spiele schon seit 1997", erzählt Weigel während er gerade eine Straße auf das Feld "baut". Er kennt die Tricks und taktischen Finessen des Brettspiels bestens. "Jedes Spiel ist anders", beschreibt er es. Es gebe daher auch keine Universalstrategie zum Sieg. Gerade das mache den Reiz an der Sache aus. Spielesammler und Organisator Manfred Lefmann ergänzt: "Es war eines der ersten Spiele mit variablem Spielfeld." Dadurch entstehen immer wieder neue Spielfelder, das Regelwerk jedoch bleibt gleich. Durch das Würfeln kommt auch eine Glückskomponente hinzu.

Den Gewinnern winken am heutigen Tag - wer hätte es gedacht - Spiele. Doch vor allem die Punkte für die Rangliste scheinen die Siedler-Fans an die Tische gelockt zu haben. Kaum hätten einige sonst den Weg aus München angetreten. Trotz des Wettbewerbscharakters geht es familiär zu: Die Spieler unterhalten sich, genehmigen sich ein Stück Kuchen, und die Zeit scheint wie im Flug zu vergehen. Noch bis etwa 19 Uhr dauert der rund fünfstündige "Catan"-Marathon.

Für alle, die Lust auf eine Partie Siedler bekommen haben, oder ihr verstecktes Brettspieltalent aufleben lassen möchten, gibt es alle Informationen zu weiteren Veranstaltungen unter www.ali-baba-spieleclub.de/ingolstadt/. Sowohl im Neuburger Kasten als auch im Piustreff werden regelmäßig Lehm gegen Getreide oder Schafe gegen Holz getauscht.