Ingolstadt: Die Musik sichtbar machen
Gute Laune am Donaustrand: Für seine Version des Songs "That's what I like" von Bruno Mars machte Musa Gülhan, genannt Coda, mit seinen Freunden die halbe Stadt unsicher. Den Liedtext macht er in Gebärdensprache sichtbar. ‹ŒScreenshot: Youtube
Ingolstadt

Zum Song "That's what I like" von Bruno Mars tanzen junge Menschen vor dem Münster, am Donaustrand, vor dem Alten Rathaus oder spazieren durch die Altstadt. Sättigende Farben, gute Schnitte und positive Energie der Tänzer sorgen für eine gute Laune. Im Takt mit der Musik gibt Coda - so lautet Musas Künstlername - den Songtext auf Gebärdensprache wieder. Seine Handbewegungen ergänzen den Tanz harmonisch. Es wird über die Sympathie zu einem Mädchen erzählt. "Sie wird im Video sehr begehrt. Um das zu visualisieren, wird sie auf den Händen durch die Stadt getragen", erzählt der 18-jährige seine Ideen.

Aktiv, jung, fröhlich, dynamisch, kreativ - so kann man die Eindrücke des Musikvideos beschreiben. Auch wenn die Gebärden dem normalen Zuseher nicht so viel sagen können, sprechen die Mimik und die Körpersprache für sich. Das Video sei für alle gemacht worden: sowohl für Gehörlose als auch für die Hörenden, meint Coda. "Ich möchte die Hörenden aufwecken und auf die Probleme der Schwerhörigen aufmerksam machen, die meistens isoliert leben und sich oft im Hintergrund der Gesellschaft aufhalten", sagt der 18-jährige.

Außerdem möchte der junge Künstler die Schönheit der Gebärdensprache präsentieren. Darauf freuen sich die Mitglieder des Gehörlosenvereins der Region, bei denen das Projekt sehr gut angekommen ist. "Das ist ein tolles Video. Ich fühle mich stolz dabei", meint der Vorsitzende Alexander Exner.

Die Idee, ein Musikvideo zu drehen, entstand bei Musa spontan. "Ich habe in einer WG mit Jungs gewohnt, die rappen und selber Texte schreiben. Ich habe sie bewundert und wollte unbedingt auch selber etwas schaffen", erzählt er. Zu dieser Zeit stieß er auf Youtube auf amerikanische Musikvideos mit Gebärdensprache. "In Amerika ist die Gehörlosensprache viel mehr in Szene gesetzt. Ich habe gedacht, dass es schön wäre, so was auch für Deutschland zu machen."

Gebärdensprache ist die erste Sprache, die Musa als kleines Kind lernte, weil seine Eltern schwerhörig sind. Deutsch kam erst später im Kindergarten und in der Grundschule hinzu. So kommt es auch zu Musas künstlerischem Namen Coda, welches eine Abkürzung für das englische "children of deaf adults" darstellt und übersetzt "Kinder von gehörlosen Erwachsenen" bedeutet.

Da Musa bei der Tanzgruppe Basement Performing Arts in Ingolstadt mittanzt, teilte er seinen Kollegen seine Idee mit und erhielt sofort Unterstützung. "Ich bin sehr froh, dass alle mitgemacht und das Ganze durchgezogen haben", sagt er. "Das war auch ziemlich anstrengend. Wir fingen morgens um 10 Uhr an und waren erst nachmittags um 5 Uhr mit den Dreharbeiten fertig." Zusätzlich gingen dem Drehtag mehrere Monate der Konzeption und Planung voraus, wie zum Beispiel für das Besorgen von Drehgenehmigungen.

In Zukunft möchte Musa sich weiter mit seiner besonderen Art zu tanzen beschäftigen und sich möglicherweise in Zukunft auch als Schauspieler beweisen. Doch zurzeit macht er eine Ausbildung zum Fachinformatiker. "Bei dieser Lehre bin ich eher zufällig gelandet", sagt der 18-Jährige. "Das bringt mir eine finanzielle Sicherheit, und ich werde das durchziehen, aber danach möchte ich etwas Kreatives machen." Weitere Projekte unter dem Künstlernamen Coda sind schon geplant. Für das nächste Video geht es nach Amsterdam und nach London.