Ingolstadt: Der grüne Konfliktberater
Historische Wirkungsstätte: Für die Gestaltung der Freianlagen am Kavalier Elbracht (1977 bis 1984) war Wolfgang Weinzierl mit seinem Münchner Kollegen Gottfried Hansjakob verantwortlich - Foto: Eberl
Ingolstadt

Eine nüchterne Analyse, die kritische Dialoge zwischen Wittmann und Weinzierl, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, seit Jahrzehnten garantiert. Beide kennen sich seit ihrer Schulzeit im Reuchlin-Gymnasium und sind einander nach wie vor verbunden. Und beide haben eine weitere Gemeinsamkeit: Sie kommen aus bekannten Ingolstädter Familien, die sich in vielfacher Weise auch öffentlich hervorgetan haben.

Auf dem Gebiet der Landschaftsplanung ist das seit 1973 bestehende Büro Wolfgang Weinzierls der unbestrittene Marktführer in Ingolstadt. Von der Verkehrsberuhigung bis zur ICE-Trasse, von der Glacisbrücke bis zum Haslangpark in Hollerstauden – überall ist die Handschrift des Landschaftsarchitekten zu erkennen.

„Wir sind keine von den alteingesessenen Ingolstädter Besitzfamilien“, darauf legt der Jubilar großen Wert. „Mein Großvater hat hier erst angefangen.“ Flußbaggerei, Kiesgewinnung, später Betonfertigung – das war damals die Basis des Unternehmens Weinzierl. Großvater Sebastian ließ 1928 an der Donau die Villa bauen, in der Enkel Wolfgang schon zeit seines Lebens wohnt und arbeitet. Sie steht heute unter Denkmalschutz.

Der Sohn des Gründervaters, Paul Weinzierl, führte mit seinem Bruder das Unternehmen fort, spielte aber 1945 auch eine entscheidende Rolle bei der unblutigen Übergabe Ingolstadts an die amerikanischen Truppen. „Diese Ereignisse haben ihn am Ende seines Lebens stark beschäftigt“, erinnert sich der Sohn, der von allen fünf Geschwistern der Jüngste war. Paul Weinzierl vertrat in den sechziger Jahren Ingolstadt als CSU-Abgeordneter im Bundestag. „Ich habe ihn aber nie als eingefleischten Schwarzen kennengelernt, sondern eher als Liberalen.“ Die Söhne des Politikers gingen ganz unterschiedliche Wege: Während Alfons für die CSU an führender Stelle im Stadtrat saß, wurde Hubert zum bekanntesten Naturschützer in Deutschland. „Ich war eher der Linke in der Familie“, sagt Wolfgang, „die CSU war für mich nie ein Thema.“

Der jüngste Spross der Weinzierls studierte zunächst Architektur an der TU München und wechselte dann nach Weihenstephan zur Landschaftsarchitektur. Mit seinem Büro machte er sich schnell einen Namen, war an vielen städtebaulich wichtigen Weichenstellungen beteiligt. Etwa als Mitte der achtziger Jahre Eriag-Ost neben der Raffinerie als Gewerbegebiet erschlossen werden sollte – eine Absicht der Stadt, die auf erbitterten Widerstand der Naturschützer stieß. „Wir haben empfohlen, die Finger davon zu lassen“, schildert Weinzierl die Geburtsstunde des einzigen Ingolstädter Naturschutzgebietes. Damit ging zwar zunächst ein Auftrag verloren, aber in den folgenden Jahren war das Büro trotzdem immer wieder für die öffentliche Hand tätig.

Das größte Projekt dürfte die ICE-Trasse gewesen sein, wo Weinzierls Büro nicht nur die Landschaftsplanung im Raum Ingolstadt übernahm, sondern auch weite Teile der neuen Bahnlinie durch den Thüringer Wald nach Erfurt. Gewissermaßen vor der Haustür der Familienvilla wurde die Glacisbrücke gebaut, ebenfalls mit Beteiligung des Landschaftsarchitekten. Nach wie vor ist Weinzierl davon überzeugt, dass die Stadt sich damals für die richtige Brückentrasse entschieden hat. Es sei der absolut „richtige Schritt“ gewesen, sich von der einstmals geplanten breiten Straßentrasse weiter im Westen zu verabschieden. „Sonst würde es heute keinen Fort-Haslang-Park geben, das kapieren viele nicht.“