Die Bestrebungen zum Ausbau der Telemedizin in Bayern werden ab sofort von Ingolstadt aus koordiniert. Gestern gab die bayerische Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml im Facharztzentrum Med-IN-Park den Startschuss für das Bayerische Zentrum für Telemedizin, kurz „Telemed-Allianz“. Die Einrichtung sieht sich als eine Art Schnittstelle zwischen Gesundheitswesen, Politik, Industrie und Wissenschaft. Bayern ist Vorreiter auf dem Gebiet der Telemedizin. Seit 1995 fördert die Staatsregierung entsprechende Pilotprojekte mit knapp elf Millionen Euro. Bislang gibt es fünf Telemedizin-Netze und rund 45 Einzelprojekte. Netzwerke zur Schlaganfall- und Herzinfarktversorgung haben bundesweit Nachahmer gefunden.
Ingolstadt: Der Arzt auf Knopfdruck
So geht’s: Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml und Dr. Siegfried Jedamzik demonstrieren, wie Telemedizin funktioniert - Foto: Rössle
Ingolstadt

Herzfrequenzmesser, die kabellos Daten ans Smartphone senden oder die Online-Übertragung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen an Arbeitgeber und Krankenkasse sind nur ein Teil des Spektrums der Telemedizin. In erster Linie geht es um medizinisches Spezialwissen. In Krankenhäusern – auch im Ingolstädter Klinikum – hat die Telemedizin längst Einzug gehalten. Bei schwierigen Operationen etwa können die Ärzte über Bildschirm mit weit entfernt sitzenden Spezialisten kommunizieren. Auch die Online-Einweisung ins Klinikum oder der Austausch von Arztbriefen sind keine Zukunftsmusik mehr.

Als Anschubfinanzierung für das erste Betriebsjahr der neuen Allianz für Telemedizin hat die Staatssekretärin einen Scheck über rund 290 000 Euro mitgebracht und an den Geschäftsführer der Einrichtung, den Ingolstädter Dr. Siegfried Jedamzik, überreicht. Der Arzt ist Experte auf dem Gebiet der Telemedizin. Er ist unter anderem an der Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte beteiligt.

Die Vorteile der Telemedizin liegen auf der Hand: „Sie bringt Spezialwissen auf schnellstem Wege zu Patienten in allen Landesteilen. Weite Anfahrtswege können auf diese Weise für kranke Menschen oft vermieden werden“, erklärt Huml. Der demografische Wandel stelle das Gesundheitssystem vor völlig neue Herausforderungen. Schon heute sind in Deutschland 17 Millionen Menschen älter als 65. Doch mit dem Lebensalter steigt auch die Häufigkeit an chronischen Krankheiten, betont Siegfried Jedamzik. Dabei ersetze die Telemedizin den Kontakt zwischen Arzt und Patienten nicht. „Der Körperteil zwischen den Ohren eines Arztes wird immer noch wichtiger sein als Telemedizin.“

Sensible Gesundheitsdaten online von Praxis zu Praxis oder von Zuhause in eine Arztpraxis oder Klinik zu übermitteln, birgt freilich Gefahren. Auf hochsichere Leitungen werde größter Wert gelegt. Der Telemedizin-Experte versichert: „Die Datenschützer spielen hier eine wesentliche Rolle.“