Ingolstadt: Im Austausch voneinander lernen: Angelika Uher leitet seit März 2017 eine Selbsthilfegruppe für Langzeit-Sauerstoffpatienten.
Im Austausch voneinander lernen: Angelika Uher leitet seit März 2017 eine Selbsthilfegruppe für Langzeit-Sauerstoffpatienten.
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Ingolstadt

Das ist so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen, besagt ein Sprichwort. Für Angelika Uher ist das schon lange nicht mehr selbstverständlich. Seit 2001 leidet sie an der chronischen Atemwegserkrankung COPD, seit 2006 ist eine Sauerstoffflasche ihr ständiger Begleiter. Um auch anderen helfen zu können, gründete sie im März vergangenen Jahres eine Selbsthilfegruppe in Ingolstadt.

Hilflos. So hat sich Angelika Uher in den ersten Jahren ihrer Erkrankung häufig gefühlt. Die Ärzte waren ihr anfangs keine große Hilfe. "Ich hatte so viele Fragen und bekam so wenig Antworten", erinnert sie sich. Auf der Arbeit verschweigt sie die Krankheit zuerst. COPD (chronic obstructive pulmonary disease) sieht man einem Menschen nicht an. Wie soll man so etwas den Kollegen erklären? Am Ende glaubt der Chef noch, man könne seine Arbeit nicht mehr zu hundert Prozent ausführen.

In einer Studie aus dem Jahr 2010 gehen Wissenschaftler davon aus, dass in Deutschland gut 6,8 Millionen Menschen COPD-erkrankt sind, bis 2030 soll die Zahl auf 7,9 Millionen Betroffene steigen. Dabei hat die Krankheit, wie viele andere, verschiedene Schweregrade. Nicht jeder Patient ist auf eine Sauerstoffflasche angewiesen. Doch der Verlauf ist bei vielen ähnlich. Durch die Atemnot beginnt nach und nach der Leistungsabfall mit Auswirkungen auf Herz und Kreislauf. Daraufhin fängt man an, sich körperlich zu schonen. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Lebensqualität sinkt. Das kann am Ende zur sozialen Isolation oder - noch schlimmer - zu Depressionen führen.

"Ich weiß, wie hilflos man sich fühlt", sagt Angelika Uher. Auch sie hat diese Zeiten hinter sich. "Anfangs habe ich mich geschont." Jede sportliche Betätigung war für sie undenkbar. "Du darfst dich ja nicht anstrengen." Erst 2005 ging es langsam wieder bergauf. Sie begann wieder Sport zu treiben und fand wieder Freude am Leben. "Ich lebe mit meiner Erkrankung auf Du und Du."

Im März vergangenen Jahres gründete die Neuburgerin eine Selbsthilfegruppe. "In Ingolstadt gibt es einfach mehr Betroffene", begründet sie ihre Standortwahl. Und das Angebot wird angenommen. "Gut 24 Personen kommen regelmäßig zu den Treffen, die einmal im Monat im Neuburger Kasten stattfinden."

Doch es könnten noch mehr sein. "Manche glauben, dass die Gruppe nichts für sie ist, weil sie keine Sauerstoffflasche benötigen", erzählt Angelika Uher. Dabei fängt die Krankheit ja oft schleichend an. Und dass der Austausch untereinander sehr wichtig ist, kann sie bestätigen. "Wenn ich von jemand anderem erfahre, dass Dinge, über die ich mir große Gedanken gemacht habe, eigentlich gar kein Problem sind, dann hilft mir das schon." Gemeinsame Ausflüge, wie im vergangenen Jahr an den Ammersee, geben den Teilnehmern Kraft. "So etwas braucht die Gruppe auch mal."

Angelika Uher ist immer bemüht, Referenten zu den Treffen einzuladen. Ist Urlaub noch möglich, wenn man an eine Sauerstoffflasche gebunden ist? Wie sieht es mit Betreuungsmöglichkeiten aus? Wie schreibe ich einen Widerspruch, wenn die Reha abgelehnt wurde? Alle Fragen, mit denen COPD-Patienten zu tun haben, sollen dort behandelt werden.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich das nächste Mal am morgigen Samstag, 17. Februar, um 14.30 Uhr im Neuburger Kasten, Fechtgasse 6. Ein Aufzug ist vorhanden. Eine Anmeldung ist unter Telefon (0 84 31) 9 07 80 75 möglich.