Ingolstadt: Da strahlt das Wahrzeichen
So oder so ähnlich könnte das Kreuztor in Zukunft immer aus der Dunkelheit hervortreten: kontrastreicher, die Erker und Türme des Bauwerks aus dem 14. Jahrhundert stärker akzentuiert. Der Lichtgestalter Olaf Langner demonstrierte dem BZA Mitte und Mitgliedern des Fördervereins Kreuztor, was an Effekten alles möglich ist. Den Betrachtern gefiel die Testillumination sehr. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Die blaue Stunde ist vorbei. Die Nacht hat sich über die Stadt gesenkt. Und da steht es, strahlender als sonst in der Dunkelheit: das Kreuztor. Die kleinen Tortürme wirken irgendwie anders, solitärer, sie werfen einen Schatten auf das Hauptgebäude. Die Ziegel zeichnen sich nun differenzierter ab, man kann auch sagen: uneben. So wie ein Mauerwerk aus dem späten 14. Jahrhundert eben aussieht. Der Kalkputzfries über dem großen Torbogen schimmert weißer als gewohnt, und drunter leuchtet es einladend. Die Autos fahren durch Licht. Sonst ist es hier seit Jahrhunderten duster.

Der Verkehr rauscht an diesem frühen Abend durch das ungewohnt illuminierte Kreuztor, auf der Westseite haben sich die Mitglieder des Bezirksausschusses (BZA) Mitte versammelt und betrachten das Werk des Lichtplaners Olaf Langner. Er hat provisorisch mehrere zusätzliche Lampen und Strahler installiert, um vorzuführen, was alles an Beleuchtungseffekten möglich wäre, um das Kreuztor deutlicher zur Geltung zu bringen. Denn das ist das Ziel des Fördervereins Kreuztor. Heinrich Sandner, der Vorsitzende, freut sich, „dass wir mit Olaf Langner einen echten Profi gewonnen haben“. Ebenso freut er sich über die Hilfe des BZA und natürlich über alle Bürger, die das Lichtprojekt mit Spenden unterstützen. „Wir wollen das Kreuztor innen und außen mit 40 bis 50 kleinen Strahlern bestücken.“ Acht Scheinwerfer sollen von allen Seiten das markante Spitzhelmdach in spektakuläres Licht rücken, die Tortürme und Erker werden ebenfalls separat beleuchtet. Und die Durchfahrt soll nach Sonnenuntergang immer erhellt sein.

So wie das Kreuztor bei Langners Vorführung erstrahle, bleibe es natürlich nicht, sagt Michael Klarner, der Sprecher des Fördervereins. Der Lichtplaner demonstriere das Spektrum der Lichtvariationen, etwa die Wirkung von Bodenstrahlern und anderen Elementen, die später zum Einsatz kommen könnten. Langner nutzt die dunkle Jahreszeit, um zu testen und zu experimentieren. Nächstes Jahr soll feststehen, wie das Kreuztor fortan aus der Dunkelheit hervortreten soll. Dann wird das neue Beleuchtungssystem installiert. „Es ist uns wichtig, die Besonderheiten des Tores herauszuheben“, erzählt Klarner.

Das heißt vor allem: keine flache Bestrahlung mehr. „Denn die lässt die Fassadentexturen untergehen“, erklärt Langner. Er zielt besonders darauf, „Vorsprünge und Reliefs stärker zu akzentuieren“. Mit Spezialfiltern lassen sich die Grundfarben elegant herausheben: das Rot der Ziegelsteine, deren Unregelmäßigkeit dem Betrachter kontrastreich entgegentritt, und das Weiß des Kalkputzes, etwa bei dem Fries über dem Torbogen an der Westseite.

Langner kann hier seine ganze Kunst aufbieten – und er freut sich darauf: „Das Kreuztor ist richtig spannend! Und auch für einen routinierten Lichtplaner eine Herausforderung.“ Der Vorsitzende des Fördervereins sieht dem Tag, oder besser: dem Abend der ersten Neuerleuchtung gespannt entgegen. „Laut unserer Satzung sind wir ja eigentlich nur für das Innere zuständig“, erzählt Heiner Sandner. Aber das wolle niemand so streng sehen. „Denn es ist einfach unser Kreuztor!“