Ingolstadt: Da ist das Ding!
 
Ingolstadt

Man merkte ihm nichts an, keine Tränen, keine anderen Emotionen. Brasilien ist raus, im Halbfinale gedemütigt. Sein Brasilien, könnte man meinen, weil der Nasenbär in Südamerika zu Hause ist. Doch nicht Nasinho, unser WM-Orakel aus dem Zoo Wasserstern. Für Brasilien hat er nichts (mehr) übrig, wie nicht nur seine (wieder) korrekte Voraussage des Halbfinalverlaufs zeigt, sondern auch das frohe Gemüt, das er am Freitag präsentierte.

Da war der Allesfresser ein letztes Mal während der WM gefordert, sein persönliches Finale. Die Euphorie ist groß, die Erwartungen sind es ebenfalls. Das spürte der Nasenbär an dem Besucherschwung, der ihm im Kleintierzoo die Aufwartung machte. Darunter Tierexperten. So könnte man die siebenköpfige Gruppe mit Jugendlichen vom Paulihof in Unterbernbach (Markt Kühbach) nennen. Die traumatisierten Teenager werden in der Einrichtung des Kinderschutzvereins München mit 70 Tieren therapiert. Die Gruppe lieferte mit den Buben und Mädchen eines Kindergeburtstags die passende Kulisse am Gehege.

Sobald sich vor seinem Reich etwas tut, steht Nasinho neugierig bereit; es könnte ja was zu fressen geben. Meistens hat er recht. Besonders wenn auch Herren mit der Fotokamera dort stehen und Zootierpflegerin Linda Sommer zwei Schüsselchen mit Obst in der Hand hält. Alles war angerichtet: Nasinho kennt das Prozedere. Fürs Finale bekam er neben der Leibspeise Bananen auch Äpfel, Honigmelone und erstmals Granatapfel vorgesetzt.

Mit Heißhunger stürzte er sich auf das Futter. Erst auf das Schälchen hinter der deutschen Flagge. Dann aber gleich auf das hinter der argentinischen. Und danach dasselbe nochmals. Erst links, dann rechts von den Zuschauern am Gitter aus gesehen. „Das wird eine harte Nuss“, unkte Werner Ritter, der Vorsitzende des Zoovereins. Er konnte sich erst entspannen, als sein Nasenbär sich danach nur mehr auf die deutsche Seite konzentrierte. Da wurde es laut am Gehege. „Weltmeister!“, meinte Felix aus der Paulihof-Gruppe. Doch ob die Deutschen das auch umsetzen, ist er sich nicht ganz sicher. Noch zweifelnder ist Alessandro, der sogar den Argentiniern die Daumen drückt, wie er lachend sagte. Aber da dürfte er sich täuschen. Nasinhos Gesamtbilanz (fünf Siege, ein Unentschieden vorhergesagt) ist bekanntlich makellos.

Seinen Namen kennt man inzwischen auch in München. Von dort eilte am Freitag ein Kamerateam herbei, um den orakelnden Nasenbären für Sat.1 Bayern abzulichten.