Ingolstadt: Da bleibt nur der Blick in die Röhre
Auch in München dabei: Franz Daller, Vorstand des Audi-Fanklubs FC Bayern. Das Foto entstand 2010 im Bernabeu-Stadion in Madrid.
Ingolstadt
„Jetzt kommt wieder ein Sieg“, glaubt Albert Rußer, Vorstandsmitglied des Audi-Fanklubs FC Bayern. Er war sowohl 2001 bei dem Sieg des FC Bayern in Mailand als auch bei der Niederlage in Madrid 2010 im Stadion. Der „glühende“ FC-Bayern-Fan ist einer der knapp 70 000 Fans, die für das Champions-League-Finale in München Karten haben. Selbst Audi als Sponsor der Veranstaltung habe in diesem Jahr nur wenige der begehrten Karten erhalten. Und die seien zum größten Teil an wichtige Kunden gegangen. Die 5000 Mitglieder des Fanklubs hätten überhaupt keine Karten bekommen. „Das haben wir extra so entschieden“, erklärt Rußer, denn: „Lieber gar nicht, bevor man vier Karten verlost.“ Besser fände er eine Lösung, in der einzelne Fanklubs ausgelost würden, die dann mehr Karten bekämen. Nur so würde ein gemeinsamer Stadionbesuch für die langjährigen Fans möglich. Ein anderes Problem sei, dass viele Karten an Menschen gingen, denen es gar nicht um das Spiel, sondern nur um das Spektakel an sich gehe. „Der Fan tut mir leid“, betont Rußer. Die Zuschauer, die sonst auf jedes Spiel gingen, seien meist bei den attraktiven Spielen nicht dabei.

So wie Dietmar Uiffinger, Vorsitzender des Fanklubs „Chicago“ in Manching. Er wird sich das Spiel mit den 68 Mitgliedern im Vereinsheim ansehen. Gemeinsam werden die FC-Anhänger herausfinden, ob sich Uiffingers 3:1-Prognose für die Bayern bewahrheitet. In Barcelona und Mailand war er bereits auf den Finalspielen, doch zum „Höhepunkt des Jahres“ hat niemand aus seinem Klub eine Karte bekommen.

Franz Daller, seit 40 Jahren Mitglied des Audi-Fanklubs FC Bayern, hat Schal, Trikot und Mütze bereits eingepackt. Er verfolgt die Partie wie in Mailand und Madrid vom Stadion aus. „Das wird ein schweres Spiel“ glaubt er. Die „Riesenenttäuschung“ in Berlin beim DFB-Pokalspiel hat Daller vorsichtig gestimmt. Er hofft, dass die Mannschaft im Spiel gegen die Dortmunder bereits das Champions-League-Finale im Blick gehabt hatte. Bei einer Niederlage wäre er „sehr enttäuscht“, denn: „Der FC Bayern ist auf Titel ausgerichtet.“

Auf einen Sieg – allerdings für Chelsea – hofft auch Marc Terry. Der Engländer ist mit seinem Sohn (15) und 18 weiteren Landsleuten gestern Vormittag in Ingolstadt angekommen und nächtigt in einem Hotel im Nordostviertel. Die Gruppe war die ganze Nacht von Folkestone aus durchgefahren. Seit 20 Jahren verfolgt der 51-Jährige jedes internationale Spiel seines Teams, als Dauerkartenbezieher hatte er keine Probleme, für die Partie in München die Tickets zu kriegen. Heute macht die Gruppe sich auf ins Stadion. Trotz aller Fußballbegeisterung hat der 51-Jährige auch einen Blick für andere Dinge: „Eine sehr schöne Stadt hier“, meint er anerkennend. „Und sehr nette Leute!“