Ingolstadt: Zwei-Zimmer-Wohnung für 750 000 Euro
Teurer Wohnungsmarkt: In den vergangenen zehn Jahren sind die Preise spürbar nach oben gegangen. Der Quadratmeterpreis für eine wiederverkaufte Wohnung ist durchschnittlich von 1634 Euro auf 3352 Euro gestiegen und hat sich damit mehr als verdoppelt. Aber auch bei Neubauwohnungen stieg der Preis von 2357 auf 4088 Euro. Diese Zahlen bieten eine gute Vorlage für die Diskussionsveranstaltung der SPD Nordost am heutigen Dienstagabend, Beginn 19 Uhr, beim TSV Nord. Thema: "Wohnen in Ingolstadt - wo geht die Reise hin" - Foto: Hammer
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Die Immobilienpreise haben sich in Ingolstadt in den vergangenen Jahren rasant nach oben entwickelt. Und sie steigen weiter, wie der Immobilienverband Deutschland erst vorige Woche wieder gemeldet hat. Nach München sei Ingolstadt die zweitteuerste Stadt für Wohneigentum, heißt es. Münchener oder gar Londoner Verhältnisse herrschen hierzulande zwar bisher noch nicht. Der Eindruck könnte aber entstehen, wenn man eine Annonce in der Zeitung liest, wie sie vor Kurzem im Anzeigenteil des DONAUKURIER stand.

Der geforderte Verkaufspreis für die Wohnung liegt statistisch gesehen weit über dem Durchschnitt. Das geht aus dem aktuellen Immobilienmarktbericht des Gutachterausschusses der Stadt Ingolstadt hervor. Demnach kosteten Bestandswohnungen im Jahr 2016 in Ingolstadt im Durchschnitt 3352 Euro pro Quadratmeter. Bei Neubauwohnungen lag der durchschnittliche Verkaufspreis bei 4088 Euro pro Quadratmeter. Bei der eingangs erwähnten Wohnung läge der Quadratmeterpreis bei schlappen 10 000 Euro.

Und doch werden in Ingolstadt so viele Eigentumswohnungen verkauft wie in kaum einer anderen vergleichbaren Stadt in Bayern. Auf 8,74 Verkaufsabschlüsse je 1000 Einwohner kam die Stadt. Der Durchschnitt liegt bei 5,1 Abschlüssen je 1000 Einwohner.


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Der Makler Günther Rademacher von Immobilien Zieglmeier kann über solche Preise nur den Kopf schütteln. "Das kann nur ein Druckfehler sein. So viel investiert in Ingolstadt keiner", sagt er auf Anfrage. Denn für so einen Preis könne man sich in Zuchering schon eine Villa bauen. Doch die Anzeigenabteilung des DK hat die Zahl vor dem Druck überprüft. Es war also kein Druckfehler.

Zwar fügt Rademacher hinzu: "Wenn die Wohnlage stimmt, dann sind die Leute auch heute noch bereit, gutes Geld zu zahlen." Aber alles jenseits der 6000 Euro je Quadratmeter gehe nicht. Davon ausnehmen müsse man höchstens die Penthousewohnungen im IN-Tower, der gerade beim Nordbahnhof errichtet wird. Aber das sei bei Neubauten eben so. "Die Wohnungen in den oberen beiden Stockwerken liegen dann schon bei 8000 Euro pro Quadratmeter", sagt der Experte.

Die Stadt Ingolstadt möchte auf Anfrage die 750 000-Euro-Wohnung nicht kommentieren. "Wir bitten um Verständnis, dass wir ein privates Wohnungsangebot als Stadtverwaltung nicht zu bewerten haben", teilte Pressesprecher Michael Klarner auf Anfrage mit. Solch hohe Preise unterbinden kann die Stadt allerdings nicht. "Kauf und Verkauf von Wohnungen unterliegen ausschließlich den Gesetzmäßigkeiten des Marktes - die Stadt Ingolstadt kann hierauf keinen Einfluss nehmen."

Aber die Stadt sei auch seit Jahren intensiv darum bemüht, die Wohnraumfläche deutlich zu erhöhen, um durch ein insgesamt größeres Angebot auf dem Markt zu einer Entspannung beizutragen. Als Beispiel nennt Klarner den sozialen Wohnungsbau der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) und die Ausweisung neuer Baugebiete sowie die "zügige Erteilung von Baugenehmigungen". Damit "werden die Grundlagen für ein zusätzliches Wohnraumangebot geschaffen, von dessen dämpfender Wirkung auf die Preise auszugehen ist", so der Sprecher der Stadt.

Die hohen Immobilienpreise wirken sich natürlich auch auf die Mieten in Ingolstadt aus, die laut dem Mieterverein im Schnitt bei neun Euro pro Quadratmeter liegen. Besonders schwierig gestalte sich die Wohnungssuche, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Gerhard Wagner: "Aus Sicht der Mieter ist die Situation fast unerträglich. Im Fall einer Kündigung finden die Leute monatelang keine neue Wohnung." Wagner kritisiert auch, dass bei Neubauprojekten hauptsächlich kleine Wohnungen entstünden. "Gerade für Familien gibt es fast keinen Wohnungsbau."

Die Frau, der die 750 000-Euro-Wohnung gehört, wollte sich auf Anfrage nicht äußern.