Genau das ist eine von drei Fragen, die die SPD-Fraktion von Oberbürgermeister Christian Lösel in der Fragestunde beantwortet haben will, die sich ans Ende jeder Stadtratssitzung anschließt. "Gibt es eine Stellenbeschreibung für das Amt des zweiten Bürgermeisters", lautet die zweite Frage. Und die dritte: "Welche Änderungen ergeben sich für die Mitarbeiter von Bürgermeister Wittmann durch die Neustrukturierung des Amtes"

Es könnte aber durchaus sein, dass diese Fragen schon während der Sitzung aufkommen. Es grummelt in der Opposition. Am Montagabend trafen sich Vertreter mehrerer Stadtratsgruppierungen, um ihr Vorgehen bei der Stadtratssitzung abzusprechen. "Am Donnerstag steht eine der wichtigsten Entscheidungen an", sagt SPD-Stadtrat Manfred Schuhmann, den die Vertreter der Opposition als Überbringer ihrer Kritik ausgewählt haben, weil er für die Stadtspitze kein solch rotes Tuch ist wie etwa SPD-Fraktionschef Achim Werner oder BGI-Chef Christian Lange. Aber Schuhmann sagt deutlich: "Es ist ein unerhörter Vorgang, dass mitten in einer Amtsperiode ein Bürgermeister sagt: ,Ich mache kein Referat mehr.'" Ohne dass man wisse, was genau der Stellvertreter des Oberbürgermeisters Christian Lösel künftig tun werde. Habe sich etwa nach drei Jahren herausgestellt, "dass unser junger Oberbürgermeister leicht überfordert ist", fragt Schuhmann ketzerisch. Oder solle Lösel entlastet werden, um mit Blick auf den Kommunalwahlkampf mehr Bürgernähe zeigen zu können?

Verhindern können sie die neue Struktur indes nicht. In der Stadtratssitzung im April beschlossen CSU und FW, die vor den Austritten von Dorothea Soffner, Sepp Mißlbeck und Gerd Werding noch über eine Mehrheit im Stadtrat verfügten, das neue Modell schon.

Dafür will man ein Signal bei der Referentenwahl setzen. Zur Wahl stehen wie berichtet Tilo Leister aus dem Landkreis Starnberg, Bernd Eckstein aus Nürnberg und Franz Fleckinger, Chef der Ingolstädter Kämmerei. "Zum Wohle der Stadt" werde man entscheiden, erklärt Schuhmann. Und die beste Wahl ist aus Sicht der Opposition nicht der interne Kandidat Fleckinger, der nach ihrem Eindruck auch durchgedrückt werden soll. Da die Mehrheit von CSU und FW weg ist, könnte es aber eine spannende Wahl werden.

Freilich sei die Kandidatur Fleckingers in der Fraktion besprochen worden, sagt Bürgermeister Albert Wittmann. Und er selber werde auch für ihn stimmen, weil er von ihm überzeugt sei. "Aber entscheiden muss jeder nach seinem Gewissen, das ist das Gute an einer geheimen Wahl", sagt Wittmann.

Aus Sicht des Bürgermeisters ist die Neustrukturierung unbedingt notwendig. Der OB hetze jeden Tag von Termin zu Termin, sein Schreibtisch quelle über, Bürgerkontakt habe er kaum noch, Strategien für die Stadt zu entwickeln sei angesichts des Pensums schwierig. Er brauche deshalb einen echten Stellvertreter. Das Finanzreferat zu leiten sei aber schon ein Vollzeitjob. Natürlich sei es der Opposition lieber, dass der OB gar nicht mehr herauskommt, sagt Wittmann. "Und dann sagen sie, dass unter Schnell alles besser gewesen sei."

Der gewählte Zeitpunkt sei auch kaum anders möglich gewesen. Lösel habe sich als Neuling im Amt erst einmal alles ansehen müssen, um dann entscheiden zu können, was geändert werden muss. Und wegen der Klinikumsaffäre habe diese Einarbeitungsphase eben ein Jahr länger gedauert.

Er wolle nicht falsch verstanden werden, erklärt Wittmann: "Wir können froh sein, dass wir einen so tüchtigen jungen OB haben." Auch er selbst sei seinen Aufgaben gewachsen. Es gehe darum, sie künftig besser zu verteilen. "Ich brauche keinen zusätzlichen Einfluss", sagt der Bürgermeister. Er wolle Lösel nur helfen. Es sei aber absolut lächerlich, eine Stellenbeschreibung einzufordern. "Das braucht kein Bürgermeister." Als ersten Schritt habe Lösel ihm die Leitung des Rettungszweckverbandes übertragen. Weitere Schritte sollen folgen.

Lösel verweist gegenüber unserer Zeitung auch darauf, dass die Stadt seit 2001 praktisch nach demselben Organisationsprinzip verwaltet wurde, obwohl die Bevölkerung seither um 15 Prozent gewachsen ist und auch die Aufgaben (und damit das Personal) der Stadt enorm zugenommen haben - von Sondereinflüssen wie Flüchtlings- und Finanzkrise und der Klinikumsaffäre ganz zu schweigen. Der Zeitpunkt für einen neuen Zuschnitt, so der OB, sei jetzt einfach gekommen. Und in der Gemeindeordnung sei für die Bürgermeister, die zuvorderst vor allem seine Stellvertreter seien, keinesfalls unbedingt ein eigenes Ressort vorgesehen.

Für Manfred Schuhmann gibt es eine Alternative zu der Reform: So wie früher sollte die Stadtspitze die Opposition stärker und vor allem früher einbinden. Das würde Lösel und Wittmann genauso entlasten, glaubt Schuhmann, der die Hand ausstreckt: "Das ist das Angebot zu einer fairen Zusammenarbeit."