Ingolstadt: "Wo es dunkel ist, kann man Licht machen"
Hoch die Gläser: Sandro Montuori (Mitte) vom Corso Italia feierte mit vielen Gästen am Wochenende das zehnjährige Bestehen seines Szenelokals. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Heute ist das Lokal dort nicht mehr wegzudenken.

Das kleine Jubiläum - es wurde am Wochenende entsprechend gefeiert. Wenn auch nicht in dem Rahmen, den Sandro noch im Sommer vorgesehen hatte. Er wollte das Fest ausdehnen bis auf die andere Straßenseite, wo sich der Edeka Markt befindet. Diesen Wunsch konnte ihm der zuständige Ausschuss aus Sicherheitsgründen nicht erfüllen. Ebenso wenig wie das Feiern bis Mitternacht im Außenbereich. Am Samstag juckte den Szenewirt das nur noch wenig. "Wenn ich den Regen sehe, kann ich sagen, das ist okay so", bleibt er im Gespräch mit dem DK gelassen.

Wie schnell die Jahre vorübergezogen sind, das hat im Nachhinein auch Sandro überrascht, wie er einräumt. Dabei kann den gemütlichen Italiener offenbar so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Außer der rasante Lauf der Zeit vielleicht. "Ich dachte, oh, mein Gott, wenn die nächsten zehn Jahre auch so schnell vergehen, dann bin ich 50 und habe die schönste Zeit des Lebens nur gearbeitet", sagt er. Und auch, wenn das Lokal und seine Gäste spürbar sein Leben sind, so weiß er doch, dass das alles nicht ohne Kompromisse funktioniert. "Wenn man ein Lokal führt, muss man auf vieles verzichten wie zum Beispiel Familienleben und Sport." Nur im August mache er zwei Wochen Urlaub. Dann reist er zu den Eltern nach Italien. Ein Kontakt, der ihm "sehr wichtig" ist, wie er betont.

Stolz sei er, das Corso aus eigener Kraft hochgebracht und zum Kultlokal gemacht zu haben. Er findet, es berge eine Besonderheit in sich, ja, eine Kunst, weil Menschen jeden Alters die Bar besuchen. "Das ist selten", sagt er. Seine Gäste bezeichnet er deshalb auch als "großen Schatz". Nicht zuletzt, hat er diejenigen eines Besseren belehrt, die ihm, der damals noch Kellner in der Pizzeria Michelangelo war, von dem Standort abgeraten und die Theresienstraße als dunklen Fleck bezeichnet haben. Seine Antwort mit einem Schmunzeln: "Wo es dunkel ist, kann man Licht machen." Als er vor 25 Jahren nach Ingolstadt gekommen sei, sei Ingolstadt noch beschaulich gewesen. "Ich stellte aber fest, dass die Stadt über Qualität und Potenzial verfügt. Viele Ingolstädter schätzen das leider nicht. Aber wir leben in einer sicheren Stadt mit schönen Häusern und schönen Autos", stellt er aus seiner Sicht einige Vorzüge heraus.

Dass es für ihn weitergeht, sei klar. Erst vor wenigen Tagen habe er einen neuen Mietvertrag abgeschlossen, der über weitere zehn Jahre laufe, sagt er. "Wenn es geht, möchte ich bis 60 oder 65 weitermachen - wenn die Familie ja dazu sagt." Das hoffen auch die Stammgäste, zu denen Anna und André aus München gehören. Sie sind heute mit Freunden im Corso und feiern mit. "Es ist die tolle original italienische Atmosphäre. Man kommt herein, wird persönlich begrüßt und fühlt sich einfach wohl wie unter guten Freunden", antwortet Anna auf die Frage, was das Corso ausmache. "Das Corso lebt von seinem Chef. Wenn er gut drauf ist, ist es auch das Publikum", ergänzt André. "Es ist einfach unkompliziert, hier Gast zu sein", bringt er es auf den Punkt.