Ingolstadt: Vorhang auf
Vor großem Publikum: Rund 150 Bürger besuchten gestern im Theaterfoyer die erste Informations- und Diskussionsveranstaltung zur Sanierung des Hauses sowie zu den Kammerspielen. Auf dem Podium (v. l.) Intendant Knut Weber, Kulturreferent Gabriel Engert und Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle. - Foto: Hauser
Ingolstadt

Gerd Werding ist Jahrgang 1940 und damit der Alterspräsident des Stadtrats. Mit dieser Würde versehen steht es ihm ganz besonders zu, bei einem drängenden Großprojekt zügiges Handeln anzumahnen. "Ich möchte das Ende der Theatersanierung und das neue Kleine Haus noch erleben!", merkte der FW-Stadtrat an. "Das werden Sie sicher", antwortete Bürgermeister Albert Wittmann (CSU). Jetzt geraten die Planungen für die Kammerspiele also tatsächlich in Bewegung. Damit rückt auch die Sanierung des Stadttheaters näher. "Endlich", stellte der Kulturausschuss parteiübergreifend fest. Denn nicht nur Grandseigneur Werding will die Vollendung des Werks noch erleben. Den jüngeren Kollegen geht es genauso.

Der Kulturausschuss fasste einstimmig den Beschluss, ein kleines Theater, Kammerspiele genannt, für maximal 30 Millionen Euro östlich des Stadttheaters anzustreben. Das Gebäude wird als Ausweichbühne für die Zeit der Sanierung des Stadttheaters und danach als dessen neues Kleines Haus dienen. Es soll zudem eine neue Theaterwerkstatt beherbergen, weil die heutige viel zu klein ist und auch sonst schlechte Arbeitsbedingungen bietet. Georg Niedermeier (BGI) regte an, die Werkstatt nach dem Vorbild des Staatstheaters Nürnberg auswärts auf der grünen Wiese zu errichten. Dort könne man im Interesse der Mitarbeiter großzügig planen. Dass der Transport der Bühnenbilder in Nürnberg ein Problem sei, habe er noch nicht gehört. Doch er konnte die Kollegen nicht überzeugen. Für alle anderen liegen die Vorteile eines Kleinen Hauses mit Werkstatt direkt neben dem Stadttheater klar auf der Hand. Deshalb stimmte am Ende auch Niedermeier zu.

Die Sanierung des Stadttheaters dränge, sagte Petra Volkwein (SPD). "Wir können froh sein, dass Ingolstadt so einen guten Ruf hat, und die Künstler nicht sagen: ,Bei so maroden Garderoben und WCs treten wir gar nicht auf!'" Sie bedauere es, "dass die Stadtheimatpfleger so spät ihre Kritik am Standort geäußert haben. Es wird doch schon lang darüber diskutiert". Wie berichtet, fürchten Tobias Schönauer und Ottmar Engasser insbesondere um die Sichtachse zwischen Stadttheater und Neuem Schloss. Er könne manche Bedenken der Heimatpfleger nachvollziehen, sagte Markus Meyer (CSU). "Deshalb ist die Bürgerbeteiligung so wichtig." Die CSU sage ja zum geplanten Standort der Kammerspiele, "vor allem wegen der Funktionalität, aber unter bestimmten Bedingungen". Auch Meyers Fraktionskollegin Eva-Maria Atzerodt bekräftigte: "Die Sichtachsen müssen berücksichtigt werden." Kammerspiele östlich des Stadttheaters seien wegen der nahen Wege ideal. "Endlich geht was voran!"

Franz Hofmaier (ÖDP) bedauert es, dass sich die Pläne für Kammerspiele im Klenzepark nicht realisieren ließen. "Unter den Rahmenbedingungen, die wir leider haben, ist die jetzige Lösung die beste." Man habe sich wirklich um die Klenzepark-Variante bemüht", sagte Kulturreferent Gabriel Engert. "Im Klenzepark haben sich Unsicherheiten ergeben, vor allem im zeitlichen Ablauf", ergänzte Wittmann. Engert hob auch die ökologischen Vorteile benachbarter Theater hervor.

Alles sei besser als ein Parkplatz, findet Gerd Werding. Insofern seien die Pläne der Stadt für das Theater ein großer Fortschritt. Warum woanders bauen, "wenn der beste aller möglichen Standorte so nah liegt", lautete die rhetorische Frage von Barbara Leininger (Grüne). "Ein Theaterneubau ist gegenüber einem Parkplatz im Hinterhof des Stadttheaters ja wohl eine riesige Verbesserung!"