Ingolstadt: Rutschgefahr auf Wegen zweiter Klasse
Radfahrer und auch Fußgänger sollten derzeit besonders achtgeben. Auf etlichen Wegen wird jetzt nicht mehr geräumt.
Hammer
Ingolstadt

"Tatsache ist, dass bei uns der Rad- und Fußweg von Unterbrunnenreuth nach Spitalhof und somit in die Stadt nun nicht mehr geräumt und gestreut wird", beschwerte sich ein DK-Leser aus dem Süden. "Es gibt keine geräumte Verbindung mehr zwischen den Ortsteilen. Toll!" Eine ältere Frau sei vor seinen Augen gestürzt. Zum Glück sei ihr nichts passiert, aber jetzt könnte sie im Winter wohl nicht mehr zum Friedhof und in die Kirche gehen. Auf die Straße traue sich die Dame wegen der Autos nicht.

Auch Martin Tenelsen, der Leiter der Caritas-Fahrradwerkstatt im Piusviertel, versteht die Welt nicht mehr. "Dass es Vorrangrouten gibt, muss ja nicht heißen, dass man die anderen Radwege ignorieren soll." Tenelsen fährt zu jeder Jahreszeit von Gaimersheim mit dem Rad zur Arbeit nach Ingolstadt. "Ich bin da kreativ", sagt er, um zu beschreiben, dass er sich flexibel auf widrige Verhältnisse einstellen kann. Eine seiner Beobachtungen: Der Radweg zwischen Gaimersheim und Etting sei doch vor nicht allzu langer Zeit mit einer Beleuchtung ausgestattet - "wunderschön illuminiert" - worden. "Deswegen hätte ich erwartet, dass er eine Vorrangroute ist." Doch er sei nicht geräumt worden.

Ein alternativer Weg führt vom neuen Edeka in Gaimersheim über den Hochkreisel ins Piusviertel. Laut Tenelsen haben die Radler hier ganz unterschiedliche Bedingungen: Auf Gaimersheimer Seite sei überhaupt nicht geräumt worden, "dafür in Ingolstadt perfekt", allerdings nur bis zur Gaimersheimer Straße, dort habe die Misere von vorn begonnen. Nur die hartnäckigsten Zweiradfreunde wie der Caritas-Mitarbeiter lassen sich wohl davon nicht abschrecken.<
 

Winterdienst für Radwege
Winterdienst für Radwege in Ingolstadt
DK-Grafik
Ingolstadt
Wie seinerzeit berichtet, haben die Ingolstädter Kommunalbetriebe nach einem Stadtratsbeschluss ihren Winterdienst auf den Radwegen neu geregelt. Anders als früher werden jetzt 150 Kilometer im Wegenetz, die sogenannten Vorrangrouten, zweimal am Tag geräumt. "Alle anderen Radrouten werden gleich den Nebenstraßen nicht mehr regulär bedient", heißt es in einer Pressemitteilung vom Oktober. Vorher waren es insgesamt 290 Kilometer, die der Räumdienst zu betreuen hatte, allerdings nur einmal in der Früh.

Bereits im Oktober kündigte das städtische Unternehmen an: "Die Routen werden nun im Winterbetrieb getestet und gegebenenfalls durch die Kommunalbetriebe weiter angepasst." Unternehmenschef Thomas Schwaiger bestätigte gestern auf Anfrage: "Das ist nicht auf ewig in Zement gegossen." Und das Konzept der Vorrangrouten sei auch erst im Aufbau begriffen. "Da kann man die Meinung der Bürger mit aufnehmen. Selbstverständlich kann man da nachbessern. Wir bauen das ein, was wir an Meldungen reinkriegen." Allerdings, so Schwaiger, müsse alles auch "bezahlbar und ökologisch sinnvoll" sein.

Etliche Abstimmungsprobleme scheint es derzeit an den Stadtgrenzen zu geben. "Selbst heute Nachmittag war noch Chaos zwischen Lenting und Ober-/Unterhaunstadt", meldete am Montag "ein tapferer Radlfahrer" per E-Mail dem DK. "Alle Radler mussten auf der Straße fahren." Auf Facebook wurde die "wichtige Nachricht für alle Gaimersheimer Radfahrer" verbreitet, dass der einzige Radweg nach Ingolstadt am Stadtweg "praktisch unpassierbar" sei. Da an den Schnittstellen teils die Kommunen, teils der Landkreis, teils der Staat zuständig sind, könnten manchmal im Räumdienst durchaus die "Prioritäten differieren", wie Manfred Schmidmeier einräumt, der Pressesprecher des Landkreises Eichstätt. Doch in der Regel gebe es eigene Vereinbarungen. So räumen zum Beispiel die Kommunalbetriebe bis nach Lenting - einmal am Tag.