Ingolstadt: Mehr Mitfahrgelegenheiten, mehr Duschen
Stoßstange an Stoßstange - ein bekanntes Bild auf Ingolstadts Straßen. Von den knapp 45 000 Audi-Mitarbeitern kommen etwa 81 Prozent mit dem Auto. Der Betriebsrat um Jörg Schlagbauer (unten, Mitte) hat dieses Thema im "World Café" aufgegriffen. - Fotos: Hammer/Belzer
Ingolstadt

Nun ist das nächste Brainstorming dazugekommen. Der Audi-Betriebsrat um IG-Metall-Vertrauenskörperleiter Jörg Schlagbauer hat zum "World Café" geladen. 120 Mitarbeiter aus allen Abteilungen sind gestern Nachmittag zusammengekommen, um das Thema "Verkehrsinfarkt Ingolstadt - Wie löst sich der Knoten" zu besprechen.

In einer Stadt wie Ingolstadt, die ihren Wohlstand zu großen Teilen einem Autobauer verdankt, ist es vermutlich ein etwas schwierigeres Unterfangen als andernorts, den Bürgern beizubringen, ihren Wagen besser daheim stehen zu lassen - und stattdessen auf andere Transportmittel umzusteigen. Dennoch: Auch die Audi-Mitarbeiter sind betroffen von dem Chaos, das regelmäßig auf den Straßen Ingolstadts herrscht. Knapp 45 000 sind es, die täglich ins Werk kommen. Etwa 81 Prozent davon nutzen das Auto, um in die Arbeit zu fahren. Das sind 36 000. Täglich. Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2014 - vielleicht sind es mittlerweile ein paar Audianer mehr, die Rad oder INVG-Jobticket nutzen. Dennoch: Es sind zu viele für die Straßen der Stadt. Wie lässt sich also die Situation verbessern?

In kleinen Runden haben die 120 Mitarbeiter Probleme benannt und konkretisiert, was passieren müsse. "Ein reines Sammeln von Vorschlägen", nannte es Jörg Schlagbauer in seiner Begrüßungsrede. "Kein konkretes Lösen des Problems." Die Mitarbeiter erleben wie alle anderen Ingolstädter auch die Problematik am eigenen Leib. "Ich fahre jeden Tag mit dem Auto von Landshut nach Ingolstadt", erzählte Patrick Nagy. Der 25-Jährige arbeitet in der Vormontage und würde eigenen Angaben zufolge mit Bus oder Bahn noch länger brauchen. Am schlimmsten sei es zwischen Vohburg und dem Audi-Werk, einmal habe er eineinhalb Stunden durch die Stadt gebraucht. "Es muss dringend eine Lösung her!"

Die Frage, wer bei diesem Thema in der Pflicht ist, wurde kontrovers bewertet. "Meine Erwartungen gelten der Stadt Ingolstadt, ich denke, Audi selbst kann das Problem nicht beheben", meinte Frank Gesenhaus. Der 42-Jährige findet, dass es zu wenig vorausschauende Verkehrsplanung gibt und oft zu klein geplant werde. Eine andere Meinung vertrat derweil Jochen Rinck, der täglich mindestens 40 Minuten ins Werk pendelt. Der IT-Mitarbeiter fordert mehr Anstrengungen: "Audi hat 45 000 Mitarbeiter und ist damit wie eine kleine Stadt. Deswegen muss die Verkehrsinfrastruktur rund um das Audi-Werk verbessert werden."

Dass das Thema nicht erst seit gestern auf dem Schirm ist, ist klar. Aber: Getan hat sich in den Augen einiger Angestellter dennoch zu wenig. "Ich als betroffener Autofahrer habe Angst davor, dass zu wenig reagiert wird. Vor allem, weil ich schon öfter Teilnehmer bei Umfragen von Audi über das Verkehrsaufkommen war", berichtete Michael Gehrman.

Die interne Diskussion über Probleme und Lösungsansätze unter den Audi-Mitarbeitern fand später unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auf Nachfrage teilte eine Unternehmenssprecherin im Nachgang mit, dass die Angestellten zahlreiche Möglichkeiten durchdiskutiert hätten. Dabei stachen zwei Themenkomplexe heraus: Zum einen wurde vorgeschlagen, dass das Unternehmen eine eigene App entwickeln könne, über die Fahrgemeinschaften vermittelt werden. Zum anderen solle der Nahverkehr attraktiver gemacht werden. Das beinhalte nicht nur Schnellradwege und mehr Unterführungen für Radler und eine engere Taktung des Busfahrplans. Sondern auch mehr arbeitsplatznahe Duschen im Werk und auch die Möglichkeit, Business-Fahrräder über das Unternehmen zu leasen.