Ingolstadt: Müllhalden, Raser und andere Ärgernisse
Einen ausrangierten Zwillingskinderwagen sieht man an zugemüllten Glascontainern nicht oft, Waschmaschinen oder zerfledderte Matratzen dafür umso mehr. Das Foto entstand am Freitag beim ehemaligen Marktkauf. Dieses Ärgernis betrifft ganz Ingolstadt. - Foto: Eberl
Ingolstadt
  • Werbung am Straßenrand: Der Hit waren sie von Anfang an nicht: die Plakatrahmen der Marketingfirma Mediateam. Aber die Stadt Ingolstadt wollte es so. Sie hat mit den Berlinern einen Exklusivvertrag bis 2027 abgeschlossen, um die Plakatierung in der Stadt zu vereinheitlichen. Veranstalter und Vereine beklagen immer wieder, dass sie mit diesem Prozedere nicht glücklich sind. Ihr Hauptkritikpunkt: Die Rahmen an den Laternenmasten seien zu hoch angebracht, man könne die Plakate schwer lesen.

Vielleicht geht Mediateam auch deswegen dazu über, Plakatständer im Großformat DIN-A 0 (95 mal 200 Zentimeter) am Boden aufzustellen; bevorzugt auf den Mittelstreifen vierspuriger Straßen. Das Marketingunternehmen hat mit der Stadt vereinbart, 40 der sogenannten Aufsteller mit Werbung über das Stadtgebiet zu verteilen, 15 davon sollen im Bezirk Nordwest die Aufmerksamkeit der Bürger erregen. Dort ist man jedoch gar nicht begeistert. "15 sind zu viel!", befand der BZA-Vorsitzende Johann Lang. "Brauchen wir das Zeug überhaupt", fragte Christa Schmoll. "Ja, für den Kommerz!", warf ein Besucher ein. Dieser Kommentar traf die Stimmung im Stadtteiltreff Piusviertel gut. Und dann wieder ganz im Ernst: Die ungeliebte Werbung brauche wirklich kein Mensch, doch ganz verhindern könne man die Aufsteller leider nicht. "Diese Dinger sind unmöglich!", klagte Richard Kunz (BGI), "aber der BZA ist nicht beschlussfassend. Und wenn die Stadt das mit Mediateam vertraglich so vereinbart hat, dann kommen die!" Man wolle aber nur maximal vier akzeptieren, erwiderte Lang. Stadtrat Markus Reichhart (FW), Gast der Sitzung, ermutigte zu Widerstand: "Der BZA Münchener Straße hat den Antrag nach fünf Minuten komplett abgelehnt!" Ein Kompromiss sei aber sicher erstrebenswert.

Zwei Besucher machten auf geplante Standorte aufmerksam, an denen die Plakate die Sicht von Autofahrern, Radlern und Fußgängern gefährlich einschränken könnten. Lang ließ das alles protokollieren. Für ihn sind das weitere wichtige Argumente, um einen Großteil der Aufsteller abzulehnen.

Nicht auszuschließen, dass diese Streitfrage weiter durch die Bezirke der Stadt wandert.

  • Hemmungslose Sperrmüllentsorger: Auch dieser Ärger eint alle Ingolstädter Stadtteile: Glascontainer, an denen unsoziale Mitbürger ohne Hemmungen ihren Sperrmüll oder anderen Abfall abladen. Da stehen dann sogar Waschmaschinen neben von zerfledderten Matratzen gesäumten Containern. "Die Kommunalbetriebe sind nur noch am Hinterherräumen!", berichtete Karl Hofmann, der Quartiersmanager im Piusviertel. Man könne nur immer wieder darauf hinweisen, dass die INKB nach Anmeldung zweimal im Jahr Sperrmüll in jedem Haushalt abholen - kostenlos! Lang schloss das leidige Thema für dieses Mal alltagsphilosophisch ab: "Ich glaube, das Müllproblem verfolgt einen das ganze Leben." Resigniertes Nicken im Saal.
  • Lkw-Stellplätze im GVZ: Im Güterverkehrszentrum (GVZ) sind viele Lkw-Stellplätze entstanden oder werden bald entstehen. "Je mehr Parkplätze im GVZ, desto geringer der Zwang, auf andere Plätze auszuweichen!", bemerkte Lang erfreut. Der BZA hörte auch gern, dass es am Südende der Rasmussenstraße (sie führt quer durchs GVZ) eine Wendezone für Laster geben wird, "und somit kein Ausfahrtverkehr in die Furtwänglerstraße entsteht".

 

  • Angebote für Familien: Im Stadtteiltreff an der Pfitznerstraße gibt es seit Kurzem jeden Dienstag von 9 bis 16 Uhr ein Familiencafé. Quartiersmanager Karl Hofmann bat um etwas Geld aus dem Bürgerhaushalt, um es mit Stühlen und Tischen für Kinder auszustatten. Der BZA bewilligte sofort 1500 Euro. Das Café sei eine von zahlreichen Initiativen, "um die familienbildenden Angebote zu stärken", sagte Hofmann.

 

  • Raser in Tempo-30-Zonen: Die Geschwindigkeitsmessungen in der Herschelstraße (beim Kindergarten) fanden im Oktober statt, jetzt wurde im BZA die fünfseitige Auswertung verteilt. Ergebnis: Gerast wird immer. Besonders schlimm in den Abend- und Nachtstunden - oft brettern Fahrer mit 60 Sachen durch die enge Straße. "Und welche Erkenntnis ziehen wir jetzt daraus", warf Veronika Spreng in die Runde. Gute Frage. Eine naheliegende Antwort: Man könne tun, was man wolle, es werde leider immer rücksichtslose Fahrer geben. Erneut resigniertes Nicken im Saal.