Ingolstadt: Leberwurst und Selfies
Foto: Johannes Hauser
Ingolstadt

Gelächter gibt es hier wie dort. Vergangenen Donnerstag ist "Grießnockerlaffäre", die vierte Verfilmung eines Rita-Falk-Krimis um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer, in den Kinos angelaufen. Derzeit sind die beiden Hauptdarsteller Sebastian Bezzel alias Franz Eberhofer und Simon Schwarz als Privatdetektiv Rudi Birkenberger auf großer und längst ausverkaufter Kinotour durch zwei Dutzend Städte von Landshut über Wien und Passau bis Burglengenfeld. Am Montagabend waren sie zu Gast in Ingolstadt. Gut gelaunt beantworteten sie in beiden Ingolstädter Kinos Fragen aus dem Publikum und stellten sich geduldig für Selfies zur Verfügung - auch wenn 400 Selfies schon mal 40 Minuten dauern.

Während die Vohburger Stadtkapelle dem Schauspielerduo im ausverkauften Saal 4 im Cinestar den Marsch blies, bereitete die Schnaxelreiter Feuerwehrkapell'n vor dem Altstadtkino in der Manggasse den beiden einen musikalischen Empfang. Und in beiden Fällen moderierte Torsten Koch (Constantin Film) den Gastauftritt. "Wir haben da was vorbereitet, schaut doch mal alle unter eure Sitze", forderte er das Publikum auf. Große Bewegung im Saal. "Da is nix", sagt Koch dann und lacht. "Aber von hier vorne schaut's super aus." Gelächter. Den gleichen Witz gab's letztes Jahr schon bei "Schweinskopf al dente".

Mehr als 1,6 Millionen Kinobesucher haben die ersten drei Verfilmungen von Rita Falks Bestsellerreihe - "Dampfnudelblues" (2013), "Winterkartoffelknödel" (2014) und "Schweinskopf al dente" (2016) - gesehen, "Grießnockerlaffäre" stürmte schon in der ersten Woche in Bayern die Kinocharts ganz nach oben. Kein Wunder: Geht es doch im vierten Teil ganz schön ans Eingemachte. Liebe, Tod und Familie sind die Themen des Heimatkrimis, in dem der Franz ganz schön in Schwierigkeiten steckt. Ist er doch diesmal selbst Hauptverdächtiger in einem Mordfall. Sein Messer steckt im Rücken seines Vorgesetzten Barschl (Francis Fulton-Smith), mit dem er sich gerade noch - vor Zeugen und mit Videobeweis - ziemlich gefetzt hat. Gut, dass der Rudi helfen kann.

"Ich finde den Rudi Birkenberger sehr sympathisch", sagt Simon Schwarz über seine Figur. "Ein lustiger, sympathischer Zeitgenosse. Und die Reihe macht wahnsinnig viel Spaß." Und der Eberhofer? "Ich mag es, dass der Franz sich nichts scheißt", sagt Sebastian Bezzel. "Dass er in so einer Ruhe lebt, im Hier und Jetzt. Ich bin leider nicht so cool im echten Leben."

Der große Fan-Ansturm ist vorbei. Zwei Kino-Jahreskarten wurden an die ältesten Besucher des Abends verschenkt und eine ganze Kindergarten-Kino-Sause samt Popcorn an die fünfjährige Annika, die dem Rummel im Dirndl ein wenig verschüchtert entgegentritt. Sie ist an diesem Abend die jüngste Besucherin. Aber alle Familienmitglieder sind bekennende Rita-Falk-Fans und haben sich deshalb noch mal in die Selfie-Schlange eingereiht.

Geschafft: Simon Schwarz und Sebastian Bezzel haben viele Hände geschüttelt, sehr oft "Servus" gesagt und Hunderte Male vor dem Kinoplakat fürs Selfie posiert. Haben Sie denn selbst Selfies mit Stars? "Viele Hundert mit Simon Schwarz", sagt Sebastian Bezzel und lacht. "Nein", sagt Simon Schwarz. "Im Ernst: Ich hab noch nie um ein Selfie gebeten. Wir sind auch nicht auf Facebook oder Instagram. Da sind wir beide ein bisschen ,old school €˜."

Auf den Kinotouren sind Selfies längst begehrter als Autogramme oder die Fragerunden im Kinosaal. Aber auch die gibt es natürlich. Im Altstadtkino mehr als im Cinestar. Und jede Frage wird beantwortet. Persönliche wie "Warum hast du Bayern verlassen" Bezzel, in Garmisch-Partenkirchen geboren, aber mittlerweile mit seiner Familie in Hamburg lebend, antwortet: "Ich bin nach Hamburg wegen dem Fußball und dem Wetter - ich hatte falsche Infos." Und solche zum Film: "Was hast du dir auf den Kopf geschmiert, dass der Hund gar so lange geschleckt hat", will jemand aus dem Publikum über die Observierungsszene mit Hund Ludwig im Auto wissen. "Leberwurst", verrät Simon Schwarz. "Ich hab' drei Wochen danach noch Leberwurst im Ohr gehabt."

Man erfährt allerhand Details. Dass Eberhofers Dienstwagen beispielsweise ein Original-Requisit aus der Fernsehserie "Polizeiinspektion 1" ist. "In dem Auto sind schon Elmar Wepper und Walter Sedlmayr gesessen", meint Bezzel nicht ohne Stolz. Dass sich Niederkaltenkirchen aus vielen verschiedenen Orten zusammensetzt: Viele Außenaufnahmen entstanden etwa in Frontenhausen im Landkreis Dingolfing-Landau (Bezzel: "Dort gibt es auch einen guten Leberkäse"), die Wirtshausszenen wurden in einem Gasthaus in Deutenhausen bei Dachau gedreht, und der Eberhofer-Hof steht in der Nähe von Aying. Dass an einem Drehtag etwa vier Filmminuten entstehen. Dass nach den Dreharbeiten etwa noch ein Jahr lang an dem Material gearbeitet wird, bis der Film fertig ist. Schwarz: "Sechs Wochen Drehzeit sind eigentlich wenig für einen Film. Trotzdem ist die Zeit schön, weil wir uns mittlerweile alle gut kennen und wie eine Familie sind."

Man merkt: Wie die beiden Fragen beantworten - auf der großen Bühne oder hinterher im Interview -, sind sie ein eingespieltes Team. Kennengelernt haben sie sich übrigens 2006 bei den Dreharbeiten zu Marcus H. Rosenmüllers Filmkomödie "Schwere Jungs". Da war Bezzel längst als "Tatort"-Kommissar bekannt und Schwarz durch die Wolf-Haas-Verfilmungen um den österreichischen Kult-Detektiv Brenner.

Im Herbst steht die nächste Rita-Falk-Verfilmung an. In "Sauerkrautkoma" wird Franz Eberhofer dann nach München versetzt. Sein Bruder Leopold will wieder bei der Oma einziehen, die Susi hat einen Verehrer - und dann ist da noch die Leiche im Kofferraum. Viel zu tun also für Eberhofer und Birkenberger.

 

"Grießnockerlaffäre" läuft im Cinestar und in den Altstadtkinos.