Ingolstadt: "Kunden fühlen sich ausgesperrt"
Blickt in Sachen Innenstadt in eine seines Erachtens düstere Zukunft: Bernd Böthin vor seinem Laden in der Milchstraße, den er seit 18 Jahren betreibt. Zum Jahresende sei hier Schluss, sagt er. - Foto: Brandl
Ingolstadt

Die hätte sich zuletzt durch die vielen Baufahrzeuge weiter verschärft. "Meine Kunden fühlen sich ausgesperrt", sagt der 74-jährige Unternehmer angesichts der zahlreichen Baustellen, die es aktuell in der Innenstadt gibt, darunter Altbau- und Kanalsanierungen, der Umbau der ehemaligen City-Arkaden zur Primark-Niederlassung und die Umgestaltung der Fußgängerzone. Letztere hält Böthin ohnehin für überflüssig. "Keiner kommt deswegen zusätzlich in die Stadt", lautet seine Einschätzung. Sinnvoller fände er es, stattdessen das Nordufer der Donau weiter aufzuwerten, um die Menschen so näher an die Stadt heranzubringen. Doch der Reihe nach.

Böthin gehört zu jenen Unternehmern, die, was Erfolg und Umsatz angeht, einen direkten Vergleich mit dem Einkaufscenter Westpark ziehen können. Dort betreibt er seit einigen Jahren eine Filiale seines Taschen- und Kofferladens, die auch weiterhin bestehen bleibt. "In der Stadtmitte zahle ich zwar nur 1500 Euro Miete, im Westpark sind es 4500 Euro. Dort mache ich aber den dreifachen Umsatz", rechnet er vor. Ein Geschäft also, das sich offensichtlich lohnt. Und dessen Erfolg Böthin auch darauf zurückführt, dass im Westpark die Kunden kostenlos und unkompliziert parken können. Das vermisst er in der Innenstadt. "45 Minuten freies Parken, das wäre ein großer Erfolg. Das meinen auch viele Geschäftsleute", sagt er. Statt dessen nehme er nur Baustellenfahrzeuge wahr, die mit Sonderausweisen in der Altstadt und der Fußgängerzone parken dürften. "Leute, die Geld ausgeben wollen, werden so ausgegrenzt", lautet deshalb sein Vorwurf. Und gerade die müsse man doch in die Innenstadt locken.

Wie Böthin sich das vorstellt, kann er erklären. "Die Seilbahn muss natürlich her", ruft er nach der Umsetzung des vieldiskutierten Beförderungskonzepts. Und auch ein Ratskeller stünde der Stadt gut. An der Donau, konstatiert er, laufe einiges schief. Das Südufer sei seit Jahren mit Plastik-WCs und Baracken verunstaltet, das Nordufer dagegen, welches der Innenstadt näher liege, verkümmere. "Dafür betreibt man mit einem Riesenaufwand eine Eislauffläche, während im Künettegraben eine wunderschöne alte, von Wasser umgebene Anlage verkommt", sagt er. Die könnte man, so Böthins Vorstellungen, im Sommer für Tretbootfahren und in kalten Wintern zum Eislaufen nutzen. Was die Zukunft der Innenstadt angeht - und da zieht er durchaus den Vergleich zu anderen Städten mit ähnlichen Problemen, wie er betont - sehe er allerdings schwarz. "Die letzten inhabergeführten Geschäfte werden innerhalb der nächsten zwei Jahre aussterben. Dann gibt es irgendwann nur noch Filialisten", befürchtet er.