Ingolstadt: Gestörte Idylle
Beliebtes Becken: Die Kneipp-Anlage beim Baggersee nutzen bei schönem Wetter täglich Hunderte Menschen - so auch am Wochenende. Viele von ihnen befürchten, dass die Anlage der Stadt verkommt, nachdem der Vandalismus zugenommen hat. Klagen kommen auch über den angrenzenden Rasen, der in letzter Zeit nicht mehr gepflegt aussehe. - Fotos: Eberl
Ingolstadt

"Er ist ein Tausendprozentiger": Dieser Satz ist immer wieder an der idyllisch gelegenen Kneipp-Anlage, die der Stadt gehört, zu hören. Gemeint ist Norbert Hoffmann, der sich seit rund drei Jahren ehrenamtlich und mit großem Engagement um das Tretbecken und den angrenzenden Rasen kümmert. "Weil mir die Anlage sehr am Herzen liegt, versuche ich in Zusammenarbeit mit dem Leiter des städtischen Gartenamts, Ulrich Linder, die Wertigkeit der Anlage für die Bürgerschaft zu erhalten." Der Rentner sorgt nach eigenen Worten für Ordnung, Disziplin und Sauberkeit - und gibt "freundliche Hinweise, wenn die Vorgaben der Stadt nicht eingehalten werden".

Der 70-Jährige, der Mitglied des Kneippvereins Ingolstadt ist, hat gestellt: "Der Vandalismus rund um das sehr beliebte Becken hat in den vergangenen Monaten zugenommen." Der Schaden sei beträchtlich. So seien kürzlich die Hinweisschilder am Zugang des Beckens verbogen und besprüht worden. Außerdem seien Flaschen in der Anlage zerschlagen worden, was schon zu Verletzungen geführt habe. Außerdem entdeckte Hoffmann dort verbotene Feuerstellen mit Müllablagerungen.

Dies und die Beschädigungen meldet er regelmäßig (mit beigefügten Fotos) dem Gartenamt. Von dort bekam der freiwillige Helfer Mitte Mai Post. In dem Schreiben, das dem DONAUKURIER vorliegt, heißt es: "Wir schätzen Ihr Engagement - aber wir müssen alle Arbeiten, auch sämtliche Reparaturen, aus sicherheits- und vergaberechtlichen Gründen von Gartenamtsmitarbeitern beziehungsweise einer vom Gartenamt beauftragten Firma übernommen werden. Privatpersonen ist das nicht gestattet! Sehen Sie bitte daher künftig bitte auf jeden Fall davon ab, die Schilder oder andere Schäden selbst zu reparieren und uns die Rechnung über die Unkosten zukommen zu lassen." Für die Pflege und Instandsetzung der seit genau sechs Jahren bestehenden Anlage sei ausschließlich Arkadij Kibler zuständig - eine vom Gartenamt beauftragte Saisonkraft. Auf DK-Nachfrage betonte Linder: "Herr Hoffmann handelt nicht im Auftrag des Gartenamts und nicht im Auftrag des Kneippvereins."

Der Rentner, der im Sommer täglich drei bis vier Stunden an der Anlage nach dem Rechten sieht, teilte Ende Mai dem Gartenamt mit, dass er der Behörde nur "Arbeit abnehmen und damit Geld sparen" wollte. Er kündigte in dem Schreiben an, dass er die "aufklärenden Worte" zur Kenntnis nehme und dass er künftig "nichts mehr dort draußen richten wird".

Daran halte er sich auch, wie Hoffmann am Samstag versicherte. So gießt er auf Bitten des Gartenamts nicht mehr den Rasen beim Tretbecken. "Der sieht jetzt miserabel aus, weil sich keiner mehr regelmäßig darum kümmert", kritisierte der 70-Jährige das Gartenamt. Auch ist er verärgert darüber, dass immer noch nicht der große braune Fleck auf der Wiese, der bei einem "nächtlichen Lagerfeuer mit Saufgelage" am Vatertag (25. Mai) entstanden sei, beseitigt wurde.

Gartenamtschef Ulrich Linder (er sieht "keine Tendenz, dass die Kneipp-Anlage mit der Zeit verlottert") meint dazu: "Wegen eines Lochs im Boden fahren unsere Leute doch nicht raus! Und wir können dort keinen Rollrasen verlegen." Die Polizei sei personell nicht in der Lage, am Tretbecken zu kontrollieren.

Genau das wünscht sich aber Norbert Hoffmann. Und er möchte, dass an der Anlage ein Schild mit dem Hinweis aufgestellt wird, dass hier das Feuermachen verboten ist. Ein anderes Schild gibt es dort bereits. Darauf steht: "Der Rasen ist nur zum Barfußlaufen gedacht. Bitte benutzen Sie die Fläche nicht als Liegewiese oder Fahrradstellplatz."

Immer wieder halten sich aber Besucher nicht daran. Dann weist sie Hoffmann auf ihr falsches Verhalten hin. "Ich gehe stets fair und freundlich mit den Leuten um", versichert der Rentner. Das sieht Ulrich Linder anders: "Wir brauchen an der Kneipp-Anlage keinen Oberaufseher. Herr Hoffmann sollte deutlich zurückhaltender auftreten." Es habe bereits mehrere Beschwerden von Benutzern beim Gartenamt gegeben, die sich "in ihrer Ruhe gestört gefühlt haben".

Dennoch loben Linder und viele Besucher das große Engagement des 70-Jährigen: "Er kümmerte sich bislang darum, dass hier Sauberkeit und Ordnung herrschen", sagt Anton Schneider aus Gerolfing und fügt an: "Wenn das keiner mehr macht, vergammelt das Ganze."

Auch Karl Hörnig ist einer der zahlreichen Stammgäste am Tretbecken. "Jetzt fehlt hier eine richtige Aufsichtsperson", betont der 75-Jährige. In letzter Zeit seien die Zustände immer schlimmer geworden: "Die Leute fahren einfach mit den Rädern auf den Rasen und grillen, wo sie wollen."

Norbert Hoffmann mag bald nicht mehr: "Heuer werfe ich noch ein waches Auge auf die Anlage, dann ziehe ich mich zurück."