Der Österreicher hat vor etwa drei Jahren einen Growshop in Wien eröffnet, das Geschäft vertreibt Zubehör zur Aufzucht und zum Anbau von Pflanzen für den Heimgebrauch. Eine Steuernachzahlung habe ihn in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, erklärte der Angeklagte. Er habe sich mehrere Tausend Euro von einem Mann geliehen. Als dieser den Betrag mit Zinsen zurückforderte, konnte der Angeklagte die Summe nicht zahlen, sagte er aus. Der Geldverleiher habe von ihm verlangt, "dass ich meine Frau auf den Strich schicken soll". Als Alternative habe der Mann dann die Drogentransporte nach Manching angeboten.

Von April bis Oktober vergangenen Jahres brachte der 42-Jährige mehrmals Marihuana nach Manching. Bei einem solchen Kurierdienst habe er einmal acht Kilogramm der Droge im Gepäck gehabt, gab er zu. In Manching habe ihm jemand das Marihuana für einen Kilopreis von 5500 Euro abgenommen. Anschließend lieferte er das Geld in Wien ab. Der Österreicher erhielt pro Kurierfahrt 1700 Euro. Mit dem Geld habe er die Schulden bei dem Mann aus Österreich abbezahlt, erklärte er.

Als der Angeklagte Ende Oktober erneut mit Marihuana im Gepäck auf den Weg nach Manching war, wurde er im Zuge einer verdeckten Polizeikontrolle in Tutting angehalten. Bei einer Autodurchsuchung stellten die Beamten 6 Kilogramm Marihuana verpackt in 12 Päckchen zu je 500 Gramm sicher, heißt es in einem Gutachten. Den Beamten sei bekannt gewesen, dass der Angeklagte mehrmals nach Manching unterwegs war, um Drogen abzuliefern, so der Gutachter.

Der Angeklagte befindet sich seit November in Untersuchungshaft in Passau. Bösl erklärte den verzögerten Beginn der Hauptverhandlung: Es wurden noch weitere beteiligte Personen festgenommen. Unter ihnen der Mann aus Manching und der Vorsitzende des Ingolstädter Rockerclubs Bandidos - er verkaufte unter anderem das Marihuana aus Österreich.

Im Laufe des Prozesstags stellte sich heraus, dass der Angeklagte bereits mehrmals strafrechtlich in Österreich aufgefallen ist. Bösl las gestern 14 Einträge im österreichischen Strafregister aus den vergangenen Jahren vor. Darunter diverse Diebstähle und Straftaten in Zusammenhang mit Drogen. Der Angeklagte gab gestern vor dem Landgericht zu, dass er über mehrere Jahre hinweg THC, Marihuana, Opiate und andere Drogen zu sich genommen habe. Mit dem Morphiumkonsum habe er während seiner vergangenen Haftstrafen begonnen. "Im Knast gibt es mehr als draußen", betonte er gegenüber dem Gericht.

Ein psychologisches Gutachten bestätigte einen komplexen Suchtwerdegang. Des Weiteren sei von einer früheren Persönlichkeitsstörung auszugehen. Momentan liege keine psychische Störung vor, heißt es weiter. Allerdings sei auffällig, dass sich der Angeklagte an die zeitlichen Abläufe der vergangenen Jahre nicht genau erinnern könne. Der Mann solle 18 bis 24 Monate in einen Maßregelvollzug untergebracht werden, heißt es in dem psychiatrischen Befund. "Ich will eine Chance, um mein Leben auf die Reihe zu bekommen", sagte der Österreicher.

In einer Verständigung schlug der Verteidiger fünf Jahre Haft vor, die Staatsanwaltschaft sieben. Es kam zu einer Verständigung von fünfeinhalb bis sechseinhalb Jahren Gefängnis. Vorsitzender Richter Bösl sprach den Österreicher wegen der unerlaubten Einfuhr und der Verbreitung von Betäubungsmitteln schuldig. Fünf Jahre und acht Monate: Dieses Urteil fällte gestern Nachmittag das Landgericht. Dabei kommt der Angeklagte zwei Jahre in den Maßregelvollzug, anschließend wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Mildernd habe sich unter anderem das ausführliche Geständnis ausgewirkt, sagte Bösl.