Sie stehen mehr so herum. Schön modern anmutend, aber in ihrer Bedeutung noch weit von den Traditionalisten (also allen Anhängern der Verbrennungsmotoren) abgehängt: die öffentlichen Elektroladesäulen im Stadtgebiet Ingolstadt. Die Grünen beantragen, deren Zahl bis 2020 deutlich zu erhöhen: um mindestens 70 Ladepunkte (das wären 35 Säulen). Deshalb berichtete Matthias Bolle, der Geschäftsführer der Stadtwerke Ingolstadt, gestern im Stadtentwicklungsausschuss über den Status quo dieser Technologie, die nach dem Willen der Politik die Zukunft sein soll: E-Mobilität. Seine Zahlen elektrisierten aber eher die Freunde der E-Autos. Sie könnten ob der mäßigen Ladeaktivität erschrecken. Viel summt da noch nicht.

Im Stadtgebiet gibt es derzeit 80 öffentliche Ladepunkte an 26 Standorten. Die Stadtwerke betreiben 24 Lademöglichkeiten, teils alleine, teils mit Partnern wie dem FC Ingolstadt oder dem Klinikum. Hinzu kommen E-Ladesäulen von Supermärkten und anderen Händlern. An vielen öffentlichen Säulen "haben wir im Schnitt nicht mal einen Ladevorgang pro Tag", erzählte Bolle. Die neue Anlage am Hallenbad verzeichne "vielleicht zehn Ladevorgänge im Monat". Die öffentlichen E-Tankstellen seien also "alles andere als ausgelastet". Und das, obwohl es den Strom gratis gibt. Aber das wird sich dem Stadtwerke-Chef zufolge nächstes Jahr ändern.

Schließlich hätten die Säulen ihren Preis: Ein Exemplar (mit zwei Ladepunkten) koste bis zu 12.000 Euro. Die von den Grünen beantragten E-Säulen würden also "ein Investitionsvolumen von über 500.000 Euro plus die Betriebskosten" erfordern. Bolle sieht derzeit keinen Bedarf für neue Säulen im öffentlichen Straßenraum. Um so stärker sei die Nachfrage an E-Lademöglichkeiten dafür in der Geschäftswelt. Hier zeichne sich ein deutlicher Trend ab.

Bolle erklärte die Rangordnung der möglichen Arten, Strom zu tanken: "Laden findet primär zu Hause statt." Heimstationen, sogenannte Wallboxes, seien für die Stadtwerke ein "großes Thema". Die zweitbeliebteste Variante: das Aufladen am Arbeitsplatz. An dritter Stelle folgten Stecker in Parkhäusern, dann komme lange nichts und danach erst das Laden im öffentlichen Raum. Bolle: "Da spielt sich am Wenigsten ab."

Teslas hängen dort sowieso keine rum. Erstens, weil es bei uns noch kaum welche gibt, und zweitens, weil die Trendsetterautos aus Kalifornien Schnellladestationen - Supercharger - mit einer Leistung ab 100 kW brauchen. Das bieten die Stadtwerke Ingolstadt noch nicht an. Ihre Ladesäulen liefern 20 kW. Damit dauere es unerträglich lang, um die Batterie eines Teslas voll zu bekommen, so Bolle.

Er schlug vor, mit einem Monitoring zu verfolgen, "ob die Ladezahlen hochgehen". Frühestens 2019 stünden neue Säulen zur Debatte. "Wie viele, wird der Nutzer entscheiden."

OB Christian Lösel ergänzte: Man müsse darauf achten, "Schnellladesäulen in geeigneter Anzahl zu errichten" und regelmäßig zu überprüfen, "ob die Stationen in digitalen Plattformen erfasst sind". Das sei sehr wichtig. Stichwort: Reichweite.

Ein weiterer Punkt der Ausschusssitzung war hochbrisant: Rund 40 Anlieger der Rothenturmer Straße wehren sich mit einer Petition dagegen, Erschließungsbeiträge (Anteil 90 Prozent) für die Wiederherstellung sowie den Ausbau der Roá †thenturmer Straße zu zahlen. Die würden im Schnitt 15 000 Euro pro Grundstück betragen - Summen, die einige betroffene Eigentümer in Zahlungsnot bringen könnten, heißt es. Die Anlieger sind aber dazu bereit, den (niedrigeren) Straßensanierungsbeitrag zu bezahlen. Von einer komplett neuen Straße könne keine Rede sein. Hans Achhammer (CSU) kündigte an, "alles mit den Betroffenen zu besprechen und dann erst zu entscheiden - auch wenn man rechtlich nichts machen kann". Lösel bekräftigte: "Unsere Mitarbeiter haben die Lage ganz korrekt dargestellt! Es gibt leider keinen rechtlichen Spielraum." Gespräche seien da um so wichtiger. "Wir fühlen mit den Anliegern!", sagte Manfred Schuhmann (SPD). Er regte eine Petition an den Bayerischen Landtag an: mit der Bitte um eine Kulanzregelung. Ein weiterer Bericht über die Sitzung folgt.