Ingolstadt: Dreister Dieb bestiehlt Straßenambulanz
Durchgeblättert: Der Kalender der Künstlergruppe "High Noon" wurde zugunsten der Straßenambulanz verkauft, ehe ein dreister Dieb sich am Samstag die Geldbörse mit 1000 Euro schnappte. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Bruder Martin war dabei, als der Dieb sich gegen 12.40 Uhr laut Polizei an der Ecke Schliffelmarkt/Moritzstraße am Verkaufsstand die Börse mit dem Geld schnappte und davonrannte. Er sei gerade dabei gewesen, jemanden zu bedienen, und habe die Tat deshalb nur am Rande mitbekommen, erzählte Bruder Martin. "Er ist so schnell in der Seitengasse bei der Nordsee verschwunden, ich habe nur gesehen, dass er dunkel gekleidet war."

Es herrschte reger Betrieb bei dem Stand in der Fußgängerzone. Menschen kamen und gingen und schauten sich den Kalender der Künstlergruppe "High Noon" an. Historisch beeindruckende Gebäude sind darauf zu sehen, unter anderem das Donautor. Die Künstler wollen damit die Gebäude würdigen. Der Kalender wurde in einer Auflage von 200 Stück gedruckt und soll Erinnerung wie Mahnung sein. Der Verkauf fand an der Ecke Schliffelmarkt/Moritzstraße statt. Nach Zeugenaussagen soll sich um die Mittagszeit bereits ein dunkel gekleideter Mann, etwa 30 Jahre alt, schlank, von kleiner Statur, mit einer Mütze immer wieder in der Nähe des Standes herumgetrieben haben. Das fiel den Betroffenen aber erst im Nachhinein auf. Da war es bereits zu spät. Der Täter hat wohl eine günstige Gelegenheit abgewartet, als nicht zu viel los war und sich um 12.40 Uhr die offen auf dem Verkaufstisch liegende Geldbörse mit den Spendeneinnahmen geschnappt. Zwei Zeugen haben daraufhin sofort die Verfolgung aufgenommen, um den dreisten Dieb zu schnappen. Der Mann flüchtete zu Fuß in Richtung Hallenbadparkplatz, seine Verfolger verloren ihn bald aus den Augen.

Als "deprimierend und befremdlich" beschrieb Bruder Martin gestern die Tat. "Die Gruppe, die den Kalender verkauft hat, wollte uns als soziale Einrichtung unterstützen und etwas Gutes tun", sagte er. Die Einnahmen seien nicht für Privatmenschen gedacht, sondern für sozial Bedürftige. "Dass ein Dieb selbst bei Menschen, denen es nicht gut geht, nicht vor einer solchen Tat Halt macht, ist schade." Er sei außerdem baff, dass diese sich am helllichten Tag ereignet habe. "Es standen immer Leute um die Kasse herum, da fehlen mir die Worte."

Raimund Köster, der bei der Benefizaktion dabei war, entschuldigte sich daraufhin auf Facebook "bei allen Spendern, die einen Abrisskalender erworben haben". Man habe sich die Spenden von einem Dieb entwenden lassen. "Für diese Naivität und Leichtfertigkeit gibt es keine passenden Worte", schrieb er. Noch am Sonntag hat sich daraufhin in dem sozialen Netzwerk eine Solidaritätsaktion gebildet, die Spenden sammeln möchte, um den Verlust wieder wettzumachen. Die Aktion stieß auf große Resonanz, im Laufe des gestrigen Nachmittags waren bereits Zusagen über Spenden von knapp 1000 Euro eingegangen.

Ein Gutes kann Bruder Martin dem Ganzen dennoch abgewinnen: "Gott sei Dank ist uns allen nichts passiert", sagte er. "Es hätte auch viel schlimmer ausgehen können."