Ingolstadt: Der Yankee und der Kraut
In der Fasshalle werden an diesem Wochenende beim "Fest zum Reinen Bier" wieder etliche Künstler auftreten, die die Besucher in die Welt des 16. Jahrhunderts entführen wollen. Das Reinheitsgebot wurde 1516 in Ingolstadt erlassen. - Foto: Hauser
Ingolstadt

Eden muss kein Garten sein. Bryan France und Max Senner haben eine ihrer Biersorten so genannt. Kühl und dunkel soll sie gelagert werden. Ansonsten droht die Hölle anstatt des Paradieses, wie das auffällig gestaltete Etikett klarstellt. Andere Sorten heißen Apotheose, also Verherrlichung oder Vergötterung, oder Room 101, benannt nach einem Hotelzimmer. Seit gut einem Jahr braut das ungleiche Paar, das nach eigenem Bekunden "auf einer Wellenlänge schwimmt", unter dem Firmennamen Yankee & Kraut sein eigenes Bier. Firmensitz ist in Ingolstadt, gebraut wird im fränkischen Breitengüßbach bei Binkert. Acht Sorten sind es bislang, die neunte kommt demnächst auf den Markt.

Dass der Yankee aus Nevada und der Kraut aus Oberstimm einmal zusammen Bier brauen würden, war anfangs gar nicht so geplant. Zahnarzt hätte er werden sollen, Biologie hat er studiert, erzählt France. Nachdem ihn ein Freund auf den Geschmack gebracht hatte, begann er schon als junger Mann mit der Bierherstellung. "Mein erstes Bier hatte neun Prozent und war sehr dunkel", weiß er noch heute. Aus dem Schlafzimmer verlagerte er die Produktion in eine Garage, wo der experimentierfreudige 34-Jährige unzählige Sorten herstellte und mit Freunden verkostete.

2003 war er erstmals in Europa, 2005 traf er seinen Partner - "natürlich bei ein paar Bierchen", wie er erzählt. Max Senner wuchs in Oberstimm auf und hat allein durch den Barthelmarkt eine gewisse Affinität zum Gerstensaft. Der Scheiner-Absolvent und sein Freund aus den USA, der als Englischlehrer sein Geld verdiente und sein Studium in Weihenstephan derzeit unterbrochen hat, entschlossen sich dann 2016, es als junge Craftbrauer zu versuchen - mit Erfolg. Ihre Biere gibt es in Getränkemärkten und einigen Spezialitätenläden in ganz Deutschland und teilweise sogar in Italien und Österreich.

"Kreativ interessante Biere, aber trinkbar", ist laut Senner das Motto. Das Malz kommt aus Bamberg, der Hopfen ausschließlich aus der Hallertau. Sie bevorzugen die Sorte Comet und sparen nicht damit - bis zum 40-fachen der bei Fernsehbieren üblichen Menge geben sie ihren Suden bei. Auch der Zeitpunkt der Hopfengabe ist für Senner und France ein entscheidender Faktor für die Aromatik. "Auch das Wasser ist eine interessante Ressource", betonen die experimentierfreudigen Brauer, die übrigens keine Probesude herstellen: "Das ist ähnlich wie beim Kochen." Deswegen haben sie eine Sorte in Pilsen gebraut, wegen des weichen Wassers. Die Zusammenarbeit mit anderen Brauern führte sie unter anderem schon nach München zu Isarkindl oder nach Hagen, wo Room 101 entstand. Ein Bier mit Eukalyptus, Pfefferminz und Wacholder darf in Bayern nicht hergestellt werden, da dies das Reinheitsgebot nicht erlaubt. Deshalb geht es im Rahmen der Zusammenarbeit mit District V an der Donaustraße demnächst nach Tirol, wo Yankee & Kraut ein Bier mit Kaffeebohnen probieren. "Das Reinheitsgebot ist nicht schlecht", sagen Senner und France. "Aber für natürliche Zutaten muss eine Öffnung möglich sein."

Die Craftbierwelle hat ihrer Meinung nach bei uns gerade erst angefangen. Ein Problem dabei: "Der Bayer hat eine starke Markenloyalität und wechselt nur selten." Beim "Fest zum Reinen Bier" wollen France und Senner an diesem Wochenende den Beweis antreten, dass sich ein Wechsel lohnt.
 

FEST ZUM REINEN BIER

 

  • Freitag: Der historische Umzug mit Stadtwache und zahlreichen Gruppen startet heute um 14.30 Uhr am Rathausplatz und endet vor der Hohen Schule, wo um 15.16 Uhr das Reinheitsgebot verkündet wird. Das Programm in und um Fasshalle, Hohe Schule, Dollstraße und Kanalstraße geht bis in die Nacht hinein.

 

  • Samstag: Von 11 bis 22 Uhr ist auf den Bühnen in der Dollstraße und Kanalstraße sowie an der Hohen Schule und in der Fasshalle jede Menge geboten. Die Gruppen wechseln durch.

 

  • Sonntag: Auch am Feiertag geht es um 11 Uhr los, Programmende ist dagegen um 19 Uhr. Wie am Vortag wird um 12 und um 15.16 Uhr vor der Hohen Schule das Reinheitsgebot verkündet.

Freibier wird am Samstag und Sonntag um 11 Uhr ausgeschenkt: Maximal 40 Minuten oder 40 Liter.

  • Kinderprogramm: Thomas der Pierprew zeigt, wie man im Mittelalter aus Gerste, Wasser und Kräutern Bier braute. Die Hexe Beltana kann Zaubertränke herstellen. Wer will, kann noch Jakobsleiter, Fasskarussel und Wikingerschaukel ausprobieren.

 

  • Künstler: Ob Marktmusik, Neofolk, Mittelaltersound oder Balladen der Renaissance: Authentische und modern interpretierte alte Musik sind genauso vertreten wie Gaukler, Spielleute, Feuerspucker und Zauberer.
 
  • Brauereien: Neben Yankee & Kraut sind noch Schwalbenbräu, der Danielbräu, Herrnbräu und Nordbräu sowie Hofbräuhaus Freising, Schneider, Gutmann, Riedenburger und Weltenburger im Ausschank.