Ingolstadt: Den Sommer-Stoiber nicht vergessen!
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Ingolstadt
Zwar steht die neue Regierung in Berlin noch immer nicht. Und es wird angesichts der Zustände in der SPD womöglich auch noch dauern. Doch mit dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen zwischen Genossen und Union haken wir die Bundestagswahl mal ab. Denn, man mag es kaum glauben, es sind heute auf den Tag genau nur noch acht Monate, bis die Bayern wieder an die Wahlurne treten sollen: Ein neuer Landtag muss gebildet werden. Der politische Aschermittwoch ist dabei so etwas wie der Auftakt der Wahlkampfzeit für die Kandidaten, von denen viele in ihrer neuen Rolle debütieren oder heute Abend womöglich gar ihren ersten Auftritt vor einem größeren Publikum haben.


Damit nichts schiefgeht, und der Funke überspringt, hat die erfahrene Aschermittwochsredaktion des DK vier wichtige Tipps zusammengetragen.

 

DER ERSTE EINDRUCK ZÄHLT!

CSU

Diese Lektion hat Alfred Grob schon gelernt. Der Leitende Kriminaldirektor dürfte auf seinem Weg in den Landtag die dringend nötige Einkaufsfahrt nach München zu einem Loden- oder Trachtengeschäft seines Vertrauens unternommen haben. Oder in einem der hiesigen Rabattläden in großem Stil zugeschlagen haben. Nachdem er als Besucher im Anzug bei der CSU-Turmschreiberlesung von Brauchtumswächterin Brigitte Fuchs lange vor der Starkbierzeit wiederholt derbleckt wurde. Die Regel ist: Ein CSU-Kandidat braucht einen Sommer-Stoiber! Schon allein aus Selbstschutzgründen. Am besten noch eine Lederhosn. Notfalls tut es dann auch der dienstlich gelieferte Laptop, um das ausgeleierte Parteimotto ("L&L") für den Freistaat zu erfüllen. Denn der Heimatschutzminister (noch Söder, Seehofer ist ja krank) wacht darüber, auch im Peterwirt.


SPD

Während irgendein Trachtenteil für die Schwarzen die Arbeitskleidung ist, muss sich Genosse Kandidat Christoph Spaeth genau überlegen, ob er in seiner echten kommt: Der Mann ist immerhin Oberarzt in der Köschinger Klinik. Halbgott in Weiß wäre also möglich. Aber lieber doch nicht. Sieht zu sehr nach Fortsetzung des Faschings mit anderen Mitteln aus. Ein Blaumann oder die Jogginghose würden eher dem Wählerklientel der SPD entsprechen. Vielleicht nicht schick, aber authentisch.
 

 

BLOSS NICHT!

CSU

Lassen Sie den Reini Brandl nicht wieder sein Programm "100 Tage Koalitionsverhandlungen in Berlin" aufsagen! Vorsicht: Der Bundestagsabgeordnete hat seinen Wahlkampf schon hinter sich und will nun erleichtert parlieren. Bei dem Thema knackt Ihnen das Publikum aber völlig weg. Lieber als Zwischenrufer ("Super, Reini, danke dir! Grüße an Merkel!") intervenieren! Sonst kriegen Sie das selbst mit einer feurigen Rede nicht mehr hin, in der Sie den politischen Gegner als "Deppenhaufen" oder mit anderen Nettigkeiten überziehen. Und keine Angst vor einem offenen Mikrofon: Am Aschermittwoch dürfen Sie ungestraft von "Deppenhaufen" sprechen und müssen sich danach auch keine Ausrede einfallen lassen.


SPD

Am besten erwähnen Sie Berlin mit keinem einzigen Wort. Sonst rufen die Jusos womöglich noch zur Urwahl darüber auf, ob Sie überhaupt für den Landtag kandidieren dürfen (#NoLandtag). Berlin wirklich nur in einem Gag nennen: Flughafenbau. Geht immer.


FDP

Versuchen Sie nicht, umständlich zu erklären, warum man die FDP im Landtag vermisst haben könnte. Das tut keiner. Außer Ihre Zuhörer (Apotheker, Zahnärzte, Hoteliers und Karl Ettinger).  


Freie Wähler

Als Kandidatin auf keinen Fall unnütz im Abseits stehen wie eine Donauquerung im Westen Ingolstadts. Sie wollen gewählt werden? Also müssen Sie ran! Nicht anderen die Bühne überlassen. Am besten Angela Mayr ihre pointierte Rede entreißen und selber halten. Frauen, die bei den Freien Wählern in Ingolstadt was sagen dürfen und sich das auch trauen, sind rar.

 

ALLEIN MIT DIESEM WITZ FÜLLEN SIE SCHON SÄLE!

CSU

Bildungswitze kommen derzeit richtig gut! Mit Dünkeln und so. Wer es heute beim Peterwirt darauf anlegt, dass die Saiblinge zittern, muss sich nur hinstellen, ernst dreinschauen und verkünden: "Kann einer mit Brille, Glatze und ohne Abitur Bundeskanzler werden? Ja!"

Äh: nein. Wobei bei SPD-Legende Martin Schulz, von dem dieser Wahlkampfsatz stammt, ganz sicher nur die Frisur an allem schuld war. Nun bieten sich post-karnevaleske Witze an wie: "Was soll jetzt bloß aus Schulz werden? Der Mann ja nicht mal Abitur!" Dann den Anschlusswitz in bewährter, schön dünkelhafter altbayerischer Manier bringen: "Holt Schulz nun sein Abitur nach? Zeit dafür hätte er ja." Die Leute auslachen lassen (ganz wichtig!). Und dann den finalen Kracher setzen: "Besser Abitur in Nordrhein-Westfalen als gar keine Bildung!" Also da ist wirklich was los im Saal!

Wie? Die CSU darf es mit Spott über die Genossen nicht übertreiben, weil sie leider doch zusammen regieren müssen? Ach so. Ja gut, sicherlich. Dann empfiehlt sich, um des Friedens willen noch schnell einen Große-Koalition-kompatiblen Entlastungswitz dranzuhängen: "Gut, wir bekommen ja bald auch einen Bundesinnenminister ohne Abitur." Horst Seehofer. Er hat die Ickstatt-Realschule absolviert.


SPD

Ihr Spaßpotenzial ist dieser Tage eher ambivalent. Vor dem Misstrauensvotum gegen Willy Brandt 1972 soll es bei den Genossen lustiger zugegangen sein. Im Vergleich zu dem Griesgram-Duo Gabriel und Stegner wirkten selbst Helmut Schmidt und Herbert Wehner selig so witzig wie Bud Spencer und Terence Hill. Christoph Spaeth sei eine pfiffige Sarkasmusnummer ans Herz gelegt. So in der Art, was SPD-General Lars Klingbeil letzthin in Hamburg losgelassen hat: Wer es schafft, bei der SPD zu bestehen, empfiehlt sich für eine höhere Aufgabe - beim HSV! Ein Riesenankommer! Man muss die Pointe natürlich bayerisch abwandeln. Ist klar: Sechzig! Sechzig! Sechzig!  


FDP

Direktkandidat Jakob Schäuble ist BWLler und damit schon von Haus aus eine Gag-Granate. Anspielungen mit Anspruch würden gut zu seinem akademischen Gesamteindruck bei seiner gescheiterten Bundestagskandidatur vor wenigen Wochen passen. Etwa der Satz: "Es ist besser, nicht die Leitzinsen zu erhöhen als falsch die Leitzinsen zu erhöhen!" Da hauen sich die Liberalen richtig weg. Wenn sie es verstanden haben.


FW

Alte Conférenciersregel: Herrenwitze gehen immer! Vor allem dann, wenn der Altersdurchschnitt der Zuhörer die Zahl der Lebensjahre Heinz Erhards übersteigt. So wie bei den FW. Da müsste eine kleine-feine Zote eigentlich drin sein.  


Grüne

Der sibirische Amazonas-Wolf mit Schwimmhäuten zwischen den Krallen ist schon mal ein netter Anfang. Jetzt unbedingt nachlegen!

 

WENN GAR NICHTS MEHR HILFT!

Wenn keiner lacht, müssen eben wieder die Alten ran! Manfred Schuhmann erzählt SPD-Schwänke aus dem Fasching 1973. Und Sepp Mißlbeck wärmt bei den Freien Wählern die Herzen mit Anekdoten vom Fechterball 1966.

Ach so. Seppi ist ja gar nicht mehr bei den FW. Sondern bei den UDI. Auch witzig.