Wer gerne Weihnachtsgeschenke auf den allerletzten Drücker besorgt, steht in diesem Jahr vor einem Problem. Weil der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt, bleiben die Geschäfte geschlossen. Die meisten zumindest – und das ist der Haken an der Sache.
 

Viele Schlupflöcher

 
Denn Paragraph 15 des Ladenschutzgesetzes besagt: Geschäfte, die überwiegend Lebensmittel verkaufen, dürfen maximal drei Stunden und spätestens bis 14 Uhr öffnen. Hinzu kommt eine Sonderregelung für den Verkauf von Christbäumen, die ebenfalls noch an Heiligabend den Besitzer wechseln dürfen. Zudem ist es Geschäften, die generell an Sonntagen geöffnet haben, erlaubt zu öffnen – Bäcker, Blumen- und Zeitungsläden beispielsweise. Dies gilt bundesweit, denn kommunale Feiertags-Regelungen (wie zuletzt am 3. Oktober in Ingolstadt) haben nichts mit den Ladenöffnungen am Sonntag, die das Ladenöffnungsgesetz regelt, zu tun.
 

Edeka, Rewe, Penny und Aldi bleiben zu


Ob von dieser besonderen Regelung viele Unternehmen in der Region Gebrauch machen werden, bleibt indes abzuwarten. Denn: Viele Geschäfte in und um Ingolstadt bleiben zu. Auch die Edeka-Regie-Märkte der Region Südbayern öffnen nicht – das wurde in der Gaimersheimer Zentrale beschlossen. Dazu gehört etwa der Markt an der Römerstraße, wie dessen Stellvertretender Geschäftsführer, Christoph List, am Samstag berichtete.  Auch die Rewe- und Penny-Märkte werden am 24. Dezember geschlossen bleiben, der Discounter Aldi hat bereits angekündigt, seine Filialen in diesem Jahr nicht zu öffnen.

Gleiches gilt für den Westpark. Dessen Geschäftsführer Frank Hausschmid sagt, dass ja nur Lebensmittelläden und Blumenläden öffnen dürfen, die lediglich einen kleinen Teil des Einkaufscenters ausmachen. Noch wichtiger für ihn: "Wir wollen den Mitarbeitern nicht zumuten, dass sie an Heiligabend arbeiten müssen. Die sollen mit ihren Familien feiern können.“ 
 
Das sehen auch die Verkäuferinnen in den Lebensmittelgeschäften der Innenstadt, die an Heiligabend alle öffnen dürften, so: „Falls wir aufmachen, muss ich natürlich arbeiten, das fände ich nicht gut. Am Sonntag sollte zu sein“, sagt etwa eine Bäckereiverkäuferin. Wenig Verständnis für diese Sonderregelung herrscht auch bei einem Metzger in der Nähe: „Einmal in unserem Leben wollen wir an Heiligabend frei haben. Bei uns verhungert niemand!“, mahnt eine Verkäuferin. Es sei schade, dass in unserer Konsumgesellschaft eine solche Diskussion geführt werde.
 
Das sehen auch viele Verbände und Gewerkschaften so. „Der arbeitsfreie Sonntag muss auch an Heiligabend gelten“ forderte die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) jüngst in einer Pressemitteilung. Darin fordert der Verband seine Mitglieder dazu auf, den verkaufsoffenen Sonntag zu boykottieren und nicht einkaufen zu gehen. Auch die Dienstleistungsgesellschaft ver.di ruft zum Kaufverzicht an Heiligabend auf. Die Kunden könnten stattdessen eine volle Woche, von Montag bis Samstag, ihren Einkauf erledigen, so eines der Argumente der Kritiker. Zudem solle Weihnachten ganz im Zeichen der Ruhe und der Zeit mit der Familie stehen.
 
Dennoch spaltet das Thema die Bürger. „Man muss auch an die denken, die auf das Geld angewiesen sind“, gibt Manfred Schmidbauer aus Wolnzach zu bedenken. Die Drei-Stunden-Regelung missfällt ihm jedoch: „So ist es nur eine halbe Lösung.“ Auch die Kunden sehen eine Öffnung an Heiligabend eher negativ, wie eine kurze Umfrage am Wochenende ergab. Markus Brakelmann (29) aus Ingolstadt ist „absolut dagegen. Es ist ein Sonntag, da kann man genau so planen, dass man an diesem Tag nicht einkaufen gehen muss“. Hannah Renken (25, Ingolstadt) will zwar am 24. Dezember nicht einkaufen gehen, ist aber „relativ neutral eingestellt“, wie sie es formuliert. Etwas zwiegespalten ist auch Angelika Schmidbauer (55, Wolnzach). Sie findet grundsätzlich, dass verkaufsoffene Sonntage einfach dazugehören. „Für die Angestellten ist es allerdings blöd.“ Die Mehrheit ist aber klar gegen eine Öffnung an Heiligabend. Mario Himpsl (54, Landshut): „Ich finde, dass das Verkaufspersonal vor Weihnachten so richtig ausgebeutet wird. Sie müssen so schon genug Stress aushalten.“ Ähnlich sieht es Sandra Ledl (33, Ingolstadt): „Ich bin der Meinung, dass auch der Einzelhandel das Recht hat, es sich an Heiligabend gut gehen zu lassen. Jeder soll seinen Feiertag so gestalten dürfen, wie er es möchte!“