Ingolstadt: Der Toni war da
Prominenter Gast: Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Anton Hofreiter, gab am Donnerstag eine Passagen aus seinem Buch "Fleischfabrik Deutschland" zum Besten. - Foto: Bird
Ingolstadt

Er tritt so auf, wie es sich die meisten Zuhörer vermutlich vorgestellt haben: Markant, authentisch und mit viel Leidenschaft. Gerade wegen seiner unverwechselbaren Art und seines unverkennbaren bairischen Dialekts ist er bei vielen Anhängern der Ökopartei beliebt. Die Vorstandssprecherin der Ingolstädter Grünen, Steffi Kürten, outet sich schon am Beginn des Abends als "Toni-Fan". Ohnehin wird der vollständige Name des 47-Jährigen heute nicht mehr fallen, denn man duzt und herzt sich - der Toni ist da!

Hofreiter skizziert zu Beginn seinen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft. Aus der ländlichen Provinz südlich von München stammend, sei er schon früh in Kontakt mit ihr gekommen. Das Thema Ökologie habe ihn durch das Biologiestudium bis hin zur Promotion begleitet, wo er unter anderem in den südamerikanischen Tropen forschte.

Knapp 90 Minuten dauert der Auftritt des Politikers. Der 47-Jährige ist seit vier Jahren Fraktionschef der Grünen und bereits seit 2005 Mitglied des Bundestags, an diesem Abend liest er zunächst drei kurze Passagen aus seinem Buch "Fleischfabrik Deutschland", in denen er Missstände in der Landwirtschaft bildgewaltig aufzeigt: "Ich habe dieses Buch geschrieben, um darzustellen, wie es möglich ist sieben, acht oder neun Milliarden Menschen zu ernähren, ohne deren Lebensgrundlage zu zerstören!" Immer wieder zustimmender Applaus zwischen den Leseblöcken.



Um diese Missstände zu bekämpfen, müssten aus den Wünschen Regeln werden, so Hofreiter. Das sei Aufgabe der Politik. Etikettenschwindel bei den Discountern, Tierfuttermassenproduktion in Südamerika und widrige Bedingungen in deutschen "Turbo"-Mastbetrieben - es wird schnell deutlich, wie intensiv Hofreiter sich mit den Folgen von Fleischproduktion auseinandergesetzt hat.

Nach der Lesung folgt die Fragerunde. Zunächst noch etwas zaghaft, doch nachdem das Eis gebrochen ist, schnellen die Hände nach oben. Hofreiter arbeitet eine große Bandbreite ökologischer Fragestellungen ab, nickende Köpfe im Publikum. Einige Gäste meinen es etwas zu gut, so dass aus vermeintlichen Fragen eher ausgiebige Statements werden. Das allerdings scheint nur wenige zu stören.

Wer an diesem Abend auf Streitthemen abseits der Ökologie spekuliert hat, wird enttäuscht. Einzig ein Mitglied der Satirepartei Die Partei schafft es letztlich nach unzähligem Nachfragen dem Politiker ein paar Sätze zur Abschaffung von Verbrennungsmotoren bis 2030 zu entlocken. ("Wir müssen auf moderne Technologie setzen!") Die erste sinnvolle Frage der Gäste mit den roten Krawatten, die zuvor nur mit mäßig witzigen Spaßfragen aufgefallen sind. Davon hat sich Hofreiter allerdings nicht aus der Ruhe bringen lassen, zu lange polarisiert er schon auf der politischen Bühne.

Alles in allem ein durchweg "grüner" Abend zum Thema Ökologie und Landwirtschaft, der mit einer Portion Pommes rot-weiß für den Mann mit den langen blonden Haaren endet. Für sein Schlussplädoyer hat sich Hofreiter sogar etwas Pathos aufgespart. Denn für den verbleibenden Wahlkampf wünscht sich der 47-Jährige eine "demokratische Wahl" - Hauptsache es säßen nach dem 24. September keine Nazis im ehrwürdigen und vom zweiten Weltkrieg gezeichneten Reichstag. Dafür müsse jeder in den verbleibenden zehn Tagen werben.