Ingolstadt: Bücken und pflücken
Mirabellen direkt vom Baum: Hans Passmann pflückt für seine Kinder Früchte aus dem Garten der Familie Koark. Das Ehepaar gibt das viele Obst lieber ab, bevor es verfault. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Lebensmittelverschwendung kommt bei Claudia Koark nicht in die Tüte. Das ältere Ehepaar kann die vielen Früchte, die heuer an den Ästen hängen, jedoch nicht alle selber essen oder verwerten. "Ich kann das aber unmöglich vergammeln lassen", meint Claudia Koark.

Die pensionierte Lehrerin aus Ingolstadt war deshalb begeistert, als sie aus dem DONAUKURIER von der deutschlandweiten Initiative Mundraub erfuhr. Sofort bat sie ihren Sohn, der sich besser im Internet auskennt, den heimischen Garten in Unsernherrn auf der Mundraub-Map (www.mundraub.org) zu posten, um anderen Menschen mitzuteilen, dass es dort umsonst frisches Obst zu ernten gibt.

Hunderte solcher Fundorte im ganzen Land sind auf dieser digitalen, interaktiven Karte registriert, meist Sträucher und Bäume auf öffentlichem Grund. Auch Ingolstadt und etliche andere Städte oder Gemeinden in der Region tauchen auf. Laut einer Mundraub-Sprecherin sind insgesamt mehr als 2000 Tonnen Obst und Beeren verzeichnet. Wer Lust zum Pflücken hat, der muss nur die Fundorte in der Nähe anklicken. 2,4 Millionen Menschen rufen die Seite pro Jahr auf.

Der Garten der Familie aus Unsernherrn ist jetzt also ebenfalls verlinkt. "Ich verteile auch überall Zettel - im Supermarkt, beim Friseur oder bei der Post", erzählt Claudia Koark. Bei der Tafel hat sie ebenso angerufen wie bei den Foodsharern.

Die 67-Jährige steht im Garten und schaut zu, wie Hans Passmann die letzten Mirabellen von den Ästen im Wipfel des Baumes zupft. Knallgelb und zuckersüß sind die Früchte - und natürlich unbehandelt. "Letztes Jahr hatten wir nur zwei Handvoll - heuer gab es Mirabellen in Hülle und Fülle", sagt Claudia Koark. "Täglich kommen Leute zum Ernten. So lernt man auch viele nette Menschen kennen." Die Äpfel sind auch schon reif und fallen vom Baum. "Und meine Zwetschgen sind so weit, wenn die Schule wieder beginnt."