Ingolstadt: Besinnung auf die Anfänge
So lang war die Bazooka: Brigadegeneral a. D. Andreas Wittenberg, vor 60 Jahren beim Einzug des Pionierbataillons 4 in Ingolstadt als Offiziersanwärter dabei, illustrierte seinen Zuhörern die Ausmaße einer seinerzeit zur Ausrüstung zählenden US-Panzerabwehrwaffe. - Fotos: Hauser
Ingolstadt

Von einer Infrastruktur, wie sie inzwischen auf jenem Gelände besteht, das am 7. Dezember 1957, heute vor 60 Jahren, von der Bundeswehr in Besitz genommen wurde, konnten die damaligen Soldaten nicht einmal träumen. "Die Kaserne war nur halb fertig", berichtete gestern Brigadegeneral a. D. Andreas Wittenberg, seinerzeit Offiziersanwärter im Pionierbataillon 4, das von Dillingen nach Ingolstadt verlegt worden war. Der spätere General der Pioniere brachte die Zuhörer im Lehrsaal der Pionierschule mit seinen lebendigen Schilderungen ein ums andere Mal zum Schmunzeln - unter anderem mit seinen griffigen Beschreibungen der damaligen Ausrüstung, die in den ersten Jahren der 1955 gegründeten bundesdeutschen Armee vor allem aus US-Beständen stammte. Wittenberg: "Unsere Waffen sollten angeblich alle schon im Koreakrieg gebraucht worden sein."

60 Jahre Bundeswehrstandort Ingolstadt: Anlässlich dieses Jubiläums (DK berichtete bereits in der Dienstagausgabe) hatte das Ausbildungszentrum Pioniere (so heißt die Truppenschule jetzt offiziell) Vertreter der Stadt mit OB Christian Lösel an der Spitze, Ehemalige des Standortes und aktives Personal aus Einheiten und Truppenverwaltung zu einem kleinen Festakt eingeladen. Das Datum war so gewählt worden, damit alle Gäste Gelegenheit hatten, den gestern ebenfalls in der Kaserne stattfindenden "Industry Day", eine Rüstungsschau des Nato-Stützpunktes MILENG für Pioniergerät, zu besuchen (es wird noch berichtet). Das Bläserquintett des Bundespolizeiorchesters München sorgte mit Märschen und den obligatorischen Hymnen für einen dem Anlass entsprechenden musikalischen Rahmen.

Der stellvertretende Kommandeur der Pionierschule, Oberst Jörg Busch, zugleich Standortältester, gab dem Publikum bei seiner Begrüßung auch gleich einen kurzen Abriss der lokalen Militärgeschichte, die bekanntlich weit vor der Bundeswehr begonnen hat. Bayerische Armee, Reichswehr und Wehrmacht hatten schon im 19. bzw. 20. Jahrhundert die Vorzüge Ingolstadts als Pionierstandort erkannt und genutzt.

Dass die Stadt als Sitz der Pionierschule und des Gebirgspionierbataillons 8 (siehe auch Bericht rechts) inzwischen guten Gewissens als Zentrum der deutschen Pionierttruppe gelten kann, ist vor allem dem Reformeifer der Politik zu danken, der die Bundeswehr in den 90er- und den frühen 2000er-Jahren gehörig umgekrempelt hat. Der frühere Schulkommandeur Andreas Wittenberg erinnerte daran, dass der Verlegung der Truppenschule von München nach Ingolstadt ein jahrelanger "heißer Kampf" vorausgegangen war.

OB Lösel betonte in seinem Grußwort die wirtschaftlichen Impulse, die die Stadt über nun fast schon 200 Jahre vom Militär erhalten hat. Auch die Bundeswehr habe ihren Anteil daran gehabt. Schließlich hätten in den besten Zeiten der Nachkriegsgarnison nicht nur die hier stationierten Soldaten, sondern auch eine bis zu 1100 Mitarbeiter starke zivile Wehrverwaltung das Steueraufkommen und den Konsum gemehrt. Das Verhältnis von Militär und Bevölkerung, so Lösel, sei allzeit gut gewesen und werde es auch bleiben. Der Rathauschef: "Auf gute Zusammenarbeit - möge sie noch viele Jahre dauern!"

Brigadegeneral Lutz Niemann, als Chef des Ausbildungszentrums in der Gastgeberrolle, machte vor allem den Ehemaligen deutlich, dass die Truppe, die sie in den ersten Jahrzehnten der Bundeswehr kennengelernt haben, weder in Ausrüstung noch in personeller Ausstattung so recht vergleichbar mit den heutigen Streitkräften ist. Hightechmaterial, hochkomplexe Aufgaben und neue Strukturen nach Aussetzung der Wehrpflicht hätten vieles verändert.

Auch Führung sei heutzutage längst nicht mehr so unkompliziert wie in den Anfängen der Bundeswehr; die Gestaltungsmöglichkeiten und der Durchgriff eines Kommandeurs auf Detailregelungen seien durchaus begrenzt. Das alles aber, so der General, sei nicht so wichtig wie etwas ganz Elementares, das die Geschichte dieser neuen deutschen Armee bis heute begleitet habe: "Entscheidend ist doch, dass es eine Periode des Friedens war!"